1. 10. 2017. Dokumentation der erweiterten Nachlese zur PK vom 18. Oktober 2017 im Café Museum in Wien (Präsentation der Wirkbilanz – 20jährige Sammlungstätigkeit von Gegenwartskunst im Stift Admont).1

 

Intro. In einem Kloster wird seit 20 Jahren konsequent die Kunst der Gegenwart gesammelt. Profane Kunst. Ungewöhnlich und einzigartig. Das passiert im steirischen Benediktinerstift Admont. Zeitgenössische Kunst wird gesammelt, entwickelt und gezeigt. Die Sammlung Gegenwartskunst Stift Admont ist mittlerweile eine der größten Privatsammlungen Österreichs. Mit einer nachhaltigen Wirkkraft und Wertschöpfung. Der Dialog als durchgehendes Gestaltungsprinzip und Resonanzformat. Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern sind ein wechselseitiger Austausch von unterschiedlichen Weltauffassungen auf Augenhöhe – im respektvollen Umgang. In authentischen Ausstellungsformaten wird die Gegenwart mit der Kunst vergangener Epochen vitalisiert und im Museum Stift Admont zur Schau gestellt. Die neue Gotik-Abteilung erweist sich als ein inspirierender Mit-Player im gesamten Wirk-Gefüge des Stiftes. Mit seinen äußerst erfolgreichen Wirtschaftsunternehmungen erwirtschaftet das Benediktinerstift Admont den finanziellen Fluss in sein Kultur- und Kunstangebot „Bibliothek & Museum“. Reich im Tun! Ein Gesamterlebnis für Besucher aus aller Welt. Mit Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 

Entscheidung in die Zukunft: Museumsneubau und Sammlung Gegenwartskunst 

Die Grundlage dazu schufen die Admonter Benediktiner 1997 mit der Entscheidung für den Umbau und Ausbau bestehender Gebäude zu einer modernen Museumslandschaft für die Präsentation ihrer bestehenden historischen Sammlungsbestände. Und: Es wurde beschlossen, den Dialog mit der Aktuellen Kunst aufzunehmen und diese als eigene Museumsabteilung zu integrieren. Zeitgestaltend und zukunftsweisend – wohlwissend um ihre Verantwortung angesichts ihrer fast 950 jährigen Geschichte über Generationen hinaus vorauszudenken. Ein Spartenmuseum, wo Alt und Neu sich wechselseitig würdigen und in die Zukunft weisen. Der Sammlungsaufbau Gegenwartskunst begann 1997. Die Museumslandschaft wurde 2003 mit einem Kunsthistorischen Museum, Naturhistorischen Museum, Museum Gegenwartskunst und einer Handschriftenabteilung eröffnet. Im Kunsthistorischen Museum wurde für das Admonter Resonanzformat Alt/Neu ein Raum für künstlerische Interventionen adaptiert. In weiteren Räumen wurde eine Multimedia-Show und eine „globale“ Spiegel-Installation eingerichtet, die in Form und Inhalt die Ideenwelt der Benediktiner abbildet und transzendiert. Die Museumslandschaft entfaltet sich auf 3.600 m2 Ausstellungsfläche in zwei Gebäudetrakten mit drei Stockwerken. Zusätzlich Depots und Archivräume. Der barocke Bibliothekssaal als Herzstück des Benediktinerstiftes Admont ist in Verbindung mit der Museumslandschaft ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt.

Der Beginn des Sammlungsaufbaus

Den Auftrag zum Aufbau einer Sammlung Gegenwartskunst mit inzwischen rund 1500 Werken (Malerei, Skulptur, Fotografie, Grafik, Multimedia) erhielt Michael Braunsteiner (Künstlerischer Leiter Museum Stift Admont & Kurator der Sammlung Gegenwartskunst) 1997, im Jahr der umwälzenden Entscheidungen: „Ausgestattet mit guten Kontakten in der damaligen Kunstszene habe ich mit den Jungen Wilden/Junge Malerei (Brandl, Damisch, Anzinger, Grabmayr, Moosbacher, Bohatsch etc.) einen Grundstock aufgebaut, in die Tiefe gesammelt, teilweise auch ihre Werk-Entwicklung bis heute aufzeigend. Zu Beginn habe ich v.a. direkt in den Ateliers der KünstlerInnen, vereinzelt in Galerien oder aus Sammlungen gekauft.“

„Admonter Auftragskunst“ als Erfolgsformat: MADE FOR ADMONT

Ein Atelier-Ankauf 2000 impulsierte den weiteren Verlauf.

Der Künstler Lois Renner erinnert sich: „Ich studierte die Regel des Hl. Benedikt und wurde neugierig, ob es so einen Ort wirklich gibt und wo meine Arbeit hinkommt.“

Kurzum: Er begleitete den Transport seines angekauften Werkes ins Stift Admont. Das war die Geburtsstunde von MADE FOR ADMONT: Als erster Artist in Residence entwickelte Lois Renner das dialogische Format der „Admonter Auftragskunst“ maßgeblich vor Ort mit.

Lois Renner heute: „Aus geplanten fünf Tagen wurden 5 Wochen. Ich habe mit den Benediktinern drei mal täglich gegessen, am Chorgebet teilgenommen [freiwillig] und habe mir durch Gespräche den ganzen Ort erobert. Ich konnte plötzlich mit meiner Staffelage [ein nachgebautes Modell seines Studios] durch das ganze Stift, durch Jahrhunderte surfen und Bilder machen.“

Er dokumentierte sein Modell im kontrastreichen Zwiegespräch mit der Bibliothek und ihren Schriften, Werken des Stiftsbildhauers Josef Stammel und Kunstwerken aus dem Depot. So entstanden die ersten zeitgenössischen „Auftragskunstwerke“ des Stiftes Admont. Neben seiner Arbeit führte er lange Gespräche mit dem damaligen Abt Bruno Hubl OSB, die eine tiefe Erinnerungsspur bei ihm hinterlassen haben. Bis heute kommt Lois Renner immer wieder zu einem Besuch „nach Admont ins Stift, über die Berge“, per Motorrad.

Mit seinem Aufenthalt bereitete Lois Renner für alle nachfolgenden Künstlerinnen und Künstler ein offenes Stimmungs- und Begegnungsfeld mit den Admonter Benediktinern auf: wie etwa 2002 für Erwin Wurm oder für Judith Huemer, wo Mönche Modell standen. Für Rudi Molacek, Johannes Deutsch, Franz Graf u.v.a.m.

Der Sammelbereich für die einzelnen „Auftragswerke“ wurde als MADE FOR ADMONT bezeichnet. Michael Braunsteiner ganz im Sinne des Auftrags der Admonter Benediktiner: „Vordergründig für mich in diesem Sammlungsbereich ist die Einladung zu einem konstruktiven Dialog auf gleicher Augenhöhe“.

Es gibt keine fixen Vorstellungen seitens des Auftragstellers, keine starren Vorgaben oder Machtkämpfe. Beide Seiten agieren als Partner, die ihre Welten – orientiert an einem Thema und bezogen auf den Ort – in Berührung bringen und resonanzieren. Mit dem Ziel, einen künstlerischen Prozess in Gang zu setzen, der wechselseitig impulsiert und einen Mehrwert für beide Seiten bildet.

Michael Braunsteiner: „Interessant ist, wie sehr die Tätigkeit für MADE FOR ADMONT teils kurzfristig, teils nachhaltig auf die Kunst von Künstlerinnen und Künstler wirken kann“. Und weiter: „Künstler im Kloster sind zu einer Selbstverständlichkeit geworden; was in einem Kloster, das bis zum Jahre 1997 keinerlei Berührungspunkte mit anspruchsvoller aktueller Kunst hatte, wahrlich nicht selbstverständlich ist“.

Mit Blick auf den „genius loci“ Stift Admont regt die Künstlerin Claudia Hirtl zum Nach- und Weiterdenken an: „Was für ein Gefüge stellt das klösterliche Sein dar? Auf welches Gefüge lässt man sich als Künstler ein? Wechselseitig. Was passiert da? … Sehen und Schauen … Jede Begegnung und jedes sich Einlassen und Verbinden hinterlässt Spuren, die nicht auf das gekaufte Kunstwerk beschränkt bleiben“.

Eine Spezialsammlung in der Sammlung Gegenwartskunst

Ein eigenständiges Sammlungsmodul innerhalb der Sammlung Gegenwartskunst ist die Spezialsammlung „JENSEITS DES SEHENS. Kunst verbindet Blinde und Sehende“. Eine Spezialsammlung in progress. Einzigartig in Europa. Die mittlerweile 27 Werke gehören zur MADE FOR ADMONT- Linie. Seit 2002 entwickeln ausgewählte KünstlerInnen Werke, die für Blinde und Sehende gleichermaßen zugänglich sind. Thomas Baumann, Werner Reiterer und Constanze Ruhm schufen die ersten Werke und gaben wesentliche Impulse in der Phase der Tiefenrecherche. In der Erkundung der Wahrnehmungswelt der Blinden reflektieren KünstlerInnen oft die eigene Wahrnehmung, das eigene körperliche Navigationssystem sowie die jeweils eigene künstlerische Produktion. Die Werke sind mehrsinnlich erkundbar und erfahrbar. Das Spektrum reicht von einfachen skulpturalen über hochkomplexe multimediale Werke – bis zu Arbeiten, die sich nur über den Dialog zwischen Blinden und Sehenden erschließen. Die Sammlung ist u.a. als proaktives Angebot konzipiert, blinde Menschen zum Diskurs über zeitgenössische Kunst einzuladen. Es ergeben sich spielerisch und interaktiv ungewöhnliche Zugänge zur Kunst.

2012 wurde dieses Sammlungsmodul erstmals im Museum Stift Admont der Öffentlichkeit präsentiert und aufgrund des Erfolges verlängert. 2013/14 wanderte die Sammlung ins „Zentrum Zeitgenössische Kunst Winzavod“ nach Moskau – mit nachhaltigen Effekten vor Ort.

Gemeinsam mit Blinden und Sehenden wurde bis jetzt ein umfangreiches Know-how gewonnen und neuartige Ansätze in der Vermittlung und Rezeption von zeitgenössischer Kunst entwickelt.

Michael Braunsteiner: „Für die nächsten Jahre sind mögliche Präsentationsorte aktiv im Gespräch.“

Von Anbeginn an wurde/wird dieses Projekt von Barbara Eisner-B. (Kommunikation & Felddynamik) als Coach begleitet und multimedial dokumentiert. Im Rahmen ihres mehrjährigen Film-Projektes wurden blinde Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie zwei Audiodeskriptoren des ORF ins Stift Admont zum Ausstellungs-Check eingeladen.

Die Pädagogin Claudia Rauch war 2012 eine der ProtagonistInnen. In einer Videobotschaft formuliert sie aus der Erinnerung heute: „Für mich als Blinde steht das Erfassen nicht im Vordergrund, was trägt jedes Kunstwerk in sich? Ich musste über das Entdecken das Kunstwerk erfassen … das Schöne war, dass es Kunstwerke sind, die multisensorisch erfasst werden können, die zu eigenem Handeln anregen, zu mehr Kreativität. Ich musste etwas entdecken … die Interaktion … Es sind Kunstwerke, die nicht typisch sind für Blinde.“

Die räumliche Verortung von Alt und Neu, Sakral und Profan

Seit 2003 ist im Kunsthistorischen Museum ein RAUM FÜR KÜNSTLERISCHE INTERVENTION integriert. Ein Raum der Resonanzbeziehungen. Damit ist die aktuelle Kunst räumlich mit der alten Kunst verortet. Das Profane mit dem Sakralen. Eine für Besucher oft sehr überraschende und unerwartete Zeitreise.

Die bisher eingeladenen KünstlerInnen wie Franz Graf, Ingeborg Strobl, Markus Wilfling, Götz Bury u.a. überraschten immer wieder aufs Neue – mit ihren unglaublich vielschichtigen und komplexen künstlerischen Lösungen in ihren Bezügen zum Stift Admont als Ort des Geistigen, der Sammlungen, des Kultur- und Wissensspeichers und des fast 950 jährigen kulturellen Gedächtnisses. Ein Resonanzfeld. International nachhaltig wirkte die Installation von 2014 (Emil Siemeister, Transformation des mittelalterlichen Macclesfield Psalters in ein hinterleuchtetes begehbares Raumfries), indem diese ins Fitzwilliam Museum nach Cambridge transferiert wurde – in einem nach Admonter Proportionen extra errichteten Raum im Raum. Admont meets Cambridge – ein internationales Bezugsfeld.  

Aktuell im Jubiläumsjahr 2017 2 wird der Raum für Künstlerische Intervention von der Kölner Künstlerin Carola Willbrand mit der Installation „HimmelsHöllenKleid“ bespielt – ein raffiniertes Leporello mit Fadenzeichnungen (Nähmaschine) zu einer Glockenkasel entfaltet (mitten im Raum schwebend) – mit Bezügen zur Bibliothek, den historischen Paramenten (Benno Haan), zur Totentanzmotivik, zur eigenen Geschichte – und zur gotischen Schrift. Prozesshaft entwickelte sich die händische Anbringung von „gotischen“ Schriftbildern an der Wand – inspiriert durch die neue Gotik-Abteilung „Sammlung Mayer“ während der Aufbauphase ihrer Installation. Der Textinhalt bildet eine pulsierende Bezugskaskade in alle Himmelsrichtungen.

Carola Willbrand in einer Videobotschaft: „ …Gotische Schrift … sollte mich mit Textura beschäftigen … man wird automatisch verwiesen in die Jetztzeit, wenn man sich damit auseinandersetzt; und das ist keineswegs Schnee von gestern. Wir haben Wurzeln, wir kommen irgendwo her; und ich bin der Überzeugung, dass man ohne Wurzeln weder unsere Kultur, unsere Welt und schon gar nicht andere Welten versteht; denn man braucht eine Überzeugung von Geschichte, um anderer Menschen Geschichten zu kapieren; und ich denke, das ist für unsere heutige Welt nahezu überlebenswichtig.“

Dialog mit externen Sammlungen. ADMONT GUESTS

Im Museum Stift Admont wurde 2009 erstmals in Österreich eine repräsentative Auswahl von Werken aus der weltweit bedeutenden Sammlung Prinzhorn, Heidelberg, gezeigt. Um eine Sensibilisierung für das Gesamtgefüge dieser Sammlung zu erreichen und diese aus der Perspektive des aktuellen Kunst- und Kulturverständnisses aus zu betrachten, fand ein interdisziplinäres Symposion („Schöpfungen in der Felddynamik von Kunst, Medizin, Therapie, Spiritualität und Gesellschaft“, mit gleichnamiger Publikation) statt. Künstler wie Edgar Lissel, Johannes Deutsch, Emil Siemeister, Kurt Ryslavy und Manos Zsangaris generierten in ihren Beiträgen Themenfelder, die zu einer mehrdimensionalen Rezeption der Sammlung Prinzhorn anregten sowie neue Impulse in aktuellen Diskurs-Feldern von Wissenschaft und Praxis im Bereich von Kunst und Kultur setzten.

Diese Gast-Sammlung und das damit verbundene Geschehen war die Initialzündung für ein neues Dialog- und Ausstellungsformat im Stift Admont: ADMONT GUESTS. Externe zeitgenössische Sammler/Sammlungen werden eingeladen und in einen Dialog mit der eigenen Sammlung Gegenwartskunst gestellt. Wie z.B. 2013 „SAMMLERleidenschaft: Fünf steirische Sammlungen im Dialog mit der Gegenwartskunst Stift Admont“ (Rahmenprogramm: Frauenberger Salongespräche „Kunst sammeln. Kunstsammeln“, mit gleichnamiger Publikation).

Oder 2014 „KÜNSTLERBÜCHER_ARTISTS´ BOOKS. Internationale Exponate von 1960 bis 2014“ aus acht Sammlungen: Mumok, Mak und UB Angewandte in Wien, sowie Museum Angewandte Kunst Frankfurt/Main, Museum Weserburg Bremen, Bayerische Staatsbibliothek München, Archive Artist Publications Hubert Kretschmer München und die Privatsammlung Akka & Wulf D. von Lucius in Stuttgart. Admont als ein aktives Dialogfeld über Österreich hinaus.

Dazu Barbara Eisner-B. (Gast-Kuratorin der Ausstellung): „Eine proaktive Themensetzung, die in dieser Formgebung einzigartig in Zentraleuropa war und bis heute spürbar nachhaltig im internationalen Beziehungsfeld von Sammlungen und Museen im Bereich des gattungsübergreifenden Genres „Künstlerbuch“ wirkt. Die Folgeprodukte ARTISTS´ BOOKS LECTURES sowie der Ausstellungskatalog sind durch Positionierung in ausgewählten Institutionen für die Lehre & Forschung international verortet und damit zugänglich gemacht worden – nachhaltig wertschöpfend.“

Die Sammlung Gegenwartskunst dynamisiert: Ausstellungen, Prozessuale Themenfelder, Leihverkehr, Schenkungen

Bei der Eröffnung der Museumslandschaft 2003 wurde im Museum Gegenwartskunst eine repräsentative Auswahl aus den Erwerbungen seit 1997 als Sammlung Gegenwartskunst präsentiert. In den Folgejahren gab es Präsentationen von Neuerwerbungen, ebenso Einzelausstellungen mit KünstlerInnen (solo oder im Dialog), mit bis zu drei Ausstellungen pro Jahr – im Museum Gegenwartskunst sowie mit Ausstellungsmodulen im gesamten Komplex von Bibliothek und Museum. Die Ausstellungen der letzten Jahre wechseln jährlich und sind vordergründig Themenausstellungen, die sich aus Ereignissen im Stift oder aus dem Kontext der Sammlungsaktivität selbst generieren. Oder Themen werden proaktiv gesetzt. Das Museum Gegenwartskunst ist auch als ein Möglichkeitsraum für prozessuale Themenfelder von gesellschaftspolitischer und kunsthistorischer Relevanz zu sehen. Dabei ist die Sammlung Gegenwartskunst in Bewegung und wird immer wieder frisch reflektiert. Neue Zugänge und Impulse werden generiert. Auch der Raum für Künstlerische Interventionen wird seit 2003 durchgehend von KünstlerInnen bespielt. Ein reger Leihverkehr in externe Museen sowie ein interner Kunst-Bedarf in Räumen des Konvents, bei den Angestellten in den Büros des Stiftes, im Stiftsgymnasium und im Schloß Jarenina in den stiftseigenen Weingärten (DVERI PAX) dynamisieren die Sammlung ebenso – und die Bestände des Depots kommen aus der Versenkung.

Diese lebendige Vielschichtigkeit im Aufbau und im Umgang mit der Sammlung Gegenwartskunst gibt Pipin Henzl (ehemals Steuerberater im Stift Admont, Schenkung an die Sammlung) jenes gute Gefühl auch heute noch, wenn er an 2003 zurückdenkt: „Da entschloss ich mich, Teile meiner zeitgenössischen Sammlung dem Stift zu schenken: Bilder und Skulpturen von Siegfried Anzinger über Bruno Gironcoli, Hubert Schmalix, Hubert Scheibl, Alois Moosbacher, Emil Siemeister, Erwin Wurm u.a. bedeutende österreichische Künstler. Einfach weil Admont eine lebendige Sammlung hat. Ich möchte sie in keinem Museum haben, wo sie im Depot verstauben. In Admont lebt das, wird auch je nach Thema passend ausgestellt und verliehen, wird gezeigt.“

Die Kunst unserer Zeit. Bedeutung für das Stift Admont auf dem Weg in die Zukunft

Die Wirkbilanz zeigt, dass das Stift Admont mit seiner zukunftsorientierten Gestaltungskompetenz die österreichische Kunst- und Museumswelt mit gezielten Formsetzungen seit 1997 mitgestaltet und auf nachhaltige Impulse am internationalen Parkett verweisen kann. Ebenso zeigt sich, dass der sich immer wieder erneuernde Dialog von Gegenwartskunst und Alter Kunst ein wertschaffender und transformativer Zukunftsfaktor sein kann.

Michael Braunsteiner: „Der übliche Ankauf von Kunstwerken ist nur ein Teil. Wesentlich spannender ist es, Gegenwartskünstlerinnen und -künstler in das Stift einzuladen, die in Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten, Ereignissen und Menschen dieses besonderen Ortes , aber auch mit dem jeweiligen Thema etwas ganz Spezifisches schaffen, was ebenso in der Gegenwart wie hoffentlich auch in der Zukunft Bedeutung hat. Darin sehe ich die Chance, die über Jahrhunderte lebendig gewachsenen unterschiedlichen Sammlungen des Stiftes durch heute gesetzte Aktivitäten sinnvoll und authentisch in die Zukunft zu führen.“

Die neue Gotik-Abteilung: Positionierung und Bedeutung

Die neue Gotik-Abteilung in der ehemaligen barocken Säulenhalle beruht auf einer großzügigen Schenkung von Kuno & Helga Mayer an das Stift Admont. Die Dauerausstellung „DEM HIMMEL NAHE – Sammlung Mayer“ wurde am 1. Mai dieses Jahres feierlich eröffnet. Mit zahlreichen Kunstfreunden, Museumsleitern und Kunsthistorikern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Das zeitgleiche Zusammenfallen dieser Eröffnung mit dem Beginn der Amtszeit von Abt Gerhard Hafner OSB sieht dieser „wie ein Geschenk von Oben“. Er versprach denn auch: „ Das Ehepaar Mayer wird sich mit dieser großzügigen und großherzigen Schenkung in das geschichtliche Langzeitgedächtnis des Stiftes Admont einschreiben. Mit viel Liebe und Hingabe haben sie diese gotischen Kunstwerke gesammelt – wir werden uns mit großer Sorgfalt und hoher Verantwortung diesem unermesslichen Schatz würdig erweisen.“ Die neue Gotik-Abteilung hat das Potential eines Inspirationsclusters und einer identitätsstiftenden Passform in Seelenverwandtschaft zu diesem Ort. Sie erweist sich schon jetzt als ein herausfordernder Mit-Player im gesamten Museums-Gefüge. Die museale Landschaft von Österreich – und darüber hinaus – ist mit dieser jungen Sammlung mittelalterlicher Kunst um eine Bewegungsmöglichkeit mit unseren kulturellen Wurzeln reicher geworden. Ein großer Besucherzulauf würdigt dieses neue Angebot.

Ganz aktuell. 2019 erscheint in Kooperation mit der Österreichischen Post AG eine Sonderbriefmarke im Bereich „Sakrale Kunst“ mit einem Exponat aus der Gotik-Sammlung Kuno & Helga Mayer im Museum Stift Admont.

Resonanzbeziehungen Alt/Neu, Tradition/Innovation. Ein Gedankenspiel im Feld

In diesem Jahr 2017 überschlagen sich die Ereignisse im Stift Admont: Beginn der Amtszeit eines neuen Abtes, die neue Gotik-Abteilung und 20 Jahre Sammlung Gegenwartskunst. Stift Admont befindet sich mitten in einem spannenden Prozess der Neuordnung. Und: So wie die Sammlung Mayer zunächst den inneren Kosmos gotischer Gläubigkeit und die Selektionsprinzipien des Sammlerehepaares Kuno & Helga Mayer spiegelt, geben die Werke der zeitgenössischen Kunst zunächst Künstlersichtweisen und Ausstellungskonzepte wieder; sie sind aber jetzt Ankerpunkt: für den Gestaltungswillen der Admonter Benediktiner und ihrer Selbstbestimmung zum lebendigen Dialog von Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft. Wertvorsorge in die Zukunft. Leben schafft Leben bildet Leben ab.                                                                                                                      

Oktober 2017, Dokumentation by Barbara Eisner-B.

 

1 PK 18. Oktober 2017 mit MedienvertreterInnen, KooperationspartnerInnen und Künstlerinnen. Statements von: Claudia Hirtl (Künstlerin), Lois Renner (erster Artist in Residence), Pipin Henzl (ehemals Steuerberater im Stift, Schenkung an die Sammlung), Michael Braunsteiner (Künstlerischer Leiter Museum Stift Admont) und Videobotschaften von: Claudia Rauch (Pädagogin, Protagonistin beim Ausstellungs-Check „Jenseits des Sehens. Kunst verbindet Blinde und Sehende“), Carola Willbrand (Kölner Künstlerin). Teilnehmende Moderation, Kommunikation & Felddynamik: Barbara Eisner-B.

2 OPEN THE LINK – 20 Jahre Sammlung Gegenwartskunst. Die Jubiläumsausstellung 2017 im Museum Gegenwartskunst Stift Admont bietet lebendige Einblicke in die 20jährige Sammlungstätigkeit der Kunst unserer Zeit. Der Bogen spannt sich von den ersten bis zu den aktuellsten Erwerbungen, von den MADE FOR ADMONT-Werken bis zu den künstlerischen Interventionen. Und natürlich die Präsentation der Spezialsammlung „JENSEITS DES SEHENS. Kunst verbindet Blinde und Sehende“ in einem White Cube mit der neuesten Erwerbung von Manfred Erjautz. Dokumentations-Spots machen erlebbar wie die Sammlung Gegenwartskunst gewachsen ist und wie sie Welten in Bewegung bringt. Rund 170 vorwiegend ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich geborene oder hier tätige KünstlerInnen sind mit Werken in der Sammlung vertreten. In OPEN THE LINK sind einige davon zu sehen, gleichsam stellvertretend für alle und stellvertretend für die Repräsentanz der inneren Sammlungsstruktur. OPEN THE LINK als eine von zahlreichen Möglichkeiten einer Werkauswahl und einer Werkkombination. Die in der Ausstellung 2017 vertretenen KünstlerInnen: Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Götz Bury, Gunther Damisch, Johannes Deutsch, Manfred Erjautz, Bruno Gironcoli, Franz Grabmayr, Franz Graf, Michael Gumhold, Claudia Hirtl, Judith Huemer, Christian Hutzinger, Alfred Klinkan, Ronald Kodritsch, Claudia Märzendorfer, Rudi Molacek, Hermes Payrhuber, Tobias Pils, Konrad Rainer, Werner Reiterer, Lois Renner, Gerhard Rühm, Hubert Scheibl, Hubert Schmalix, Christoph Schmidberger, Eva Schlegel, Martin Schnur, Walter Vopava, Markus Wilfling, Erwin Wurm, Otto Zitko. Video-Dokumentationen von Barbara Eisner-B.: EINRAUM in progress (Video-Coallge zu JENSEITS DES SEHENS-Kunst verbindet Blinde und Sehende, 2012_2017) und MODELS IN ACTION (Erwin Wurm & P. Liborius OSB, 2002_2017). Kurator: Michael Braunsteiner.

www.stiftadmont.at Aktuelle Museumssaison bis 6. November 2017. Täglich von 10 – 17 Uhr. Beginn der Museumssaison 2018 mit neuem Ausstellungsprogramm und den bestehenden Dauerausstelllungen im April 2018. Zugänge für MedienvertreterInnen außerhalb der Museumssaison auf Anfrage.

  • Barbara Eisner-B.

    Interdisziplinäre Projekte. Kommunikation & Felddynamik

    M: +43 (0) 664 28 24 851

    poesia_doku_mentale@yahoo.com