Ein Team an HistorikerInnen bringt zum 15-jährigen Bestehen des Zukunftsfonds der Republik Österreich eine umfassende Dokumentation mit dem Titel „Auftrag Zukunft“ heraus.

Wien/Graz (OTS) Seit 15 Jahren ist der Zukunftsfonds der Republik Österreich (ÖZF) im Gedenken an die Opfer des NS-Regimes, zur Bekämpfung jeder Form von Antisemitismus und Rassismus sowie zur Wahrung von Demokratie und Menschenrechte tätig. Rund 3.000 Projekte hat der Zukunftsfonds seit seiner Gründung 2005 ermöglicht. Kaum ein Buch wird heute zur heimischen Zeitgeschichte publiziert, das nicht vom Zukunftsfonds gefördert wird. Aber auch Veranstaltungen, wissenschaftliche Forschungsprojekte, Filme, Publikationen, Kunst- und Kulturprojekte, Ausstellungen, pädagogische Aktionen oder Gedenkprojekte wurden und werden durch den ÖZF unterstützt.

Zum 15-jährigen Bestehen erscheint am 25. November 2020 die Publikation „Auftrag Zukunft: 3000 Zeichen für Gedenken, Toleranz und Demokratie“, die die Geschichte und die Arbeit des Zukunftsfonds beleuchtet. Und sie zeigt, wie wichtig die Arbeit des Fonds für die Erinnerungsarbeit und den offenen Umgang mit schwierigen historischen Fragen ist: „Die Spuren des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts sind heute vielfach auf den ersten Blick unsichtbar, vielfach vergessen und verdrängt, aber nichts desto weniger vorhanden, gleichsam subkutan eingebrannt in Biografien und Landschaften. Die vom ÖZF geförderten Projekte tragen dazu bei, die Schichten der Erinnerung freizulegen. Sie schärfen den Blick für aktuelle Entwicklungen und sind ein Zeichen gegen das Schweigen und Wegschauen“, so Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Uni Graz, die gemeinsam mit Günter Bischof und Katharina Bergmann-Pfleger die Dokumentation verfasste.

„Die vom ÖZF unterstützten Projekte sind in allen österreichischen Bundesländern – vom Bodensee bis zum Neusiedlersee, von Gmünd bis zum Loiblpass – zu finden“, wie der Vorsitzende des Kuratoriums, Herwig Hösele, und die Generalsekretärin, Anita Dumfahrt, betonen. „Besonders freut uns, dass wir darüber hinaus mit der Förderung von Projekten aus dem Ausland zur internationalen Sichtbarmachung von Forschungsergebnissen beitragen können“, so Kuratoriumsvorsitzender Hösele.

Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft

Mit seiner Fördertätigkeit konnte der Zukunftsfonds in den letzten 15 Jahren wesentlich zu einer Neubewertung der NS- und Zweite-Weltkrieg-Vergangenheit Österreichs beitragen – weg vom „Watschenmann der europäischen Erinnerung“ (Dan Diner) hin zur Übernahme seiner moralischen Verantwortung. Und er fördert die demokratische Gesinnung in Österreich, was sich insbesondere in der Ermunterung zivilgesellschaftlicher Initiativen zur Bewusstseinsbildung für die Bedeutung der Erinnerungskultur in Hinsicht auf Demokratie, Frieden und Zukunft zeigt. Dafür förderte der Fonds auch zahlreiche Projekte im Bereich Kunst und Kultur, Film und Gedenken. Hinzu kommen digitale, Ausstellungs- und pädagogische Projekte. Letztere sollen vor allem junge Menschen zur geschichtlichen Auseinandersetzung anregen, Antisemitismus und Rassismus entgegentreten sowie Toleranz und Respekt hervorheben.

Heute ist der Zukunftsfonds als eine nationale Institution, die als Brücke zwischen der Vergangenheit und Zukunft Österreichs fungiert, fest in der Öffentlichkeit verankert, wie die AutorInnen in ihrer Publikation zeigen. Er steht sowohl aktiv in Form seiner Fördertätigkeit als auch symbolisch für den immerwährenden Auftrag des „Niemals wieder!“. „Ein Auftrag, der auch in Zukunft seine zentrale Bedeutung nicht verlieren darf“, so Stelzl-Marx. Gerade jüngste Entwicklungen hätten verdeutlicht, wie wichtig es sei, sich aktuellen Formen von Rassismus und Antisemitismus, Radikalisierung, Hass, Gewalt und antidemokratischer Strömungen zu widmen und diesen möglichst früh entgegenzuwirken, so die Historikerin. Der Zukunftsfonds trage, laut Co-Autorin und Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung Bergmann-Pfleger, wesentlich dazu bei, die Bedeutung der EU im Zusammenhang mit Friedenssicherung, Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte, insbesondere auch bei jungen Menschen, zu stärken. Davon ist auch Bischof, Mitautor und Marshall Plan Professor of History überzeugt: „Die vom Zukunftsfonds unterstützten Projekte haben die Qualität unseres Staatswesens sehr aufgebessert. Wenn der Politik an der Förderung junger Wissenschaftler zur Stärkung der heimischen demokratischen Praxis und Toleranz gelegen ist, dann muss ihr auch die Erhaltung des Zukunftsfonds als Förderungsinstitution ein Anliegen sein.“

Die Entstehung des Zukunftsfonds

Der Zukunftsfonds der Republik Österreich wurde am 19. Dezember 2005 per Bundesgesetz errichtet. Er entstand aus einem Teil der Restmittel des „Fonds für Versöhnung, Frieden und Zusammenarbeit“. Dieser wurde vor 20 Jahren unter einstimmigen Parlamentsbeschlüssen als eine der wichtigsten Initiativen der „Regierung Schüssel“ zur Aufarbeitung der verdrängten NS-Vergangenheit Österreichs eingerichtet, dessen Arbeit aber 2005 abgeschlossen war. 20 Millionen Euro an Restmitteln flossen in den ÖZF, der damit bis 2017 rund 2000 Projekte fördern konnte. Zusätzlich übernahm der Zukunftsfonds bis ins Jahr 2010 auch die Restabwicklung der Versöhnungsagenden und erbrachte insbesondere Leistungen im Zusammenhang mit bereits genehmigten Anträgen von ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeitern, deren Begünstigte während der Versöhnungsfonds-Funktionsdauer nicht ausfindig gemacht werden konnten.

Nachdem die Geldmittel aus dem Versöhnungsfonds 2017 aufgebracht waren, trat mit 1. Jänner 2018 eine Änderung des Zukunftsfonds-Gesetzes in Kraft. Diese sah eine Verlängerung des Fonds auf fünf Jahre vor und ermöglichte es, weiterhin Projekte mit maximal 2 Millionen Euro jährlich zu unterstützen. Eine neuerliche Verlängerung ist vor dem Hintergrund einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Erinnerungskultur sowie einer gezielten Bewusstseinsbildung in Österreich wesentlich, sind sich die AutorInnen sicher.

Zum 15-jährigen Bestehen gratulierten Stelzl-Marx, Bischof sowie Bergmann-Pfleger und auch Bundeskanzler Sebastian Kurz mit Videobotschaften, die auf der Website des Zukunftsfonds Österreich (http://www.zukunftsfonds-austria.at) abrufbar sind.

Publikation „Auftrag Zukunft: 3000 Zeichen für Gedenken, Toleranz und Demokratie“

Neuerscheinung: erhältlich ab 25. November 2020!

Günter Bischof − Barbara Stelzl-Marx – Katharina Bergmann-Pfleger

Auftrag Zukunft: 3000 Zeichen für Gedenken, Toleranz und Demokratie.

15 Jahre Zukunftsfonds der Republik Österreich.

Wien – Köln – Weimar 2020

Böhlau Verlag

284 Seiten mit zahlr. Abbildungen, brosch.

35 Euro I ISBN 978-3-205-21248-5

https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/detail/index/sArticle/55925/sCategory/1885

Über die AutorInnen

Prof. Dr. Günter Bischof, geb. 1953 in Mellau, ist Marshall Plan Professor of History und Direktor des Center Austria: The Austrian Marshall Plan Center for European Studies an der Universität von New Orleans.

Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx, geb. 1971 in Graz, ist Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, Graz – Wien – Raabs, Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Dr. Katharina Bergmann-Pfleger, geb. 1981 in Graz, Germanistin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz – Wien – Raabs.

Über den Zukunftsfonds der Republik Österreich

Oberstes Organ des Fonds ist das Kuratorium, das über die Förderanträge entscheidet. Aktuell besteht das Kuratorium aus dem Vorsitzenden Herwig Hösele, dem stellvertretenden Vorsitzenden Hans Winkler, Peter Fichtenbauer, Max Kothbauer und Erwin Pröll. Die Funktionsperiode dieses Kuratoriums endet mit 31. Dezember 2020. Das Kuratorium bestellt u.a. insgesamt vier Mitglieder des Projektförderungsbeirates, der die Projekte vor der Entscheidung des Kuratoriums begutachtet und Stellungnahmen für das Kuratorium abgibt. Diese sind: Margarete Grandner, Helene Maimann, Robert Pfaller und Manfried Rauchensteiner. Alle Mitglieder des Kuratoriums und des Projektförderungsbeirates arbeiten ehrenamtlich. Das Büro des Zukunftsfonds besteht aus Generalsekretärin Anita Dumfahrt, die den Fonds nach außen vertritt und gleichzeitig Vorsitzende des Projektförderungsbeirates ist, und zwei weiteren MitarbeiterInnen. http://www.zukunftsfonds-austria.at

Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) stößt gezielt neue Forschungsthemen im Bereich Gesundheit und Medizin in Österreich an. Die LBG betreibt zusammen mit akademischen und anwendenden Partnern aktuell 20 Ludwig Boltzmann Institute und entwickelt und erprobt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und nicht-wissenschaftlichen AkteurInnen wie Unternehmen, dem öffentlichen Sektor und der Zivilgesellschaft. Gesellschaftlich relevante Herausforderungen, zu deren Bewältigung Forschung einen Beitrag leisten kann, sollen frühzeitig erkannt und aufgegriffen werden. Teil der LBG sind das LBG Open Innovation in Science Center, das das Potenzial von Open Innovation für die Wissenschaft erschließt, und das LBG Career Center, das 250 PhD-StudentInnen und Postdocs in der LBG betreut. http://www.lbg.ac.at

Rückfragen & Kontakt:

Inhaltlicher Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx
Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung
Institutsleiterin
+43 (0)316/ 380-8271
barbara.stelzl-marx@bik.ac.at
www.bik.ac.at
Pressekontakt
Barbara Konturek, MA
Ludwig Boltzmann Gesellschaft
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+43 (0) 1 513 27 50 35
barbara.konturek@lbg.ac.at
www.lbg.ac.at

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