Attraktivierung der Arbeitsbedingungen in Spitälern gefordert – Fokus auf Ausbildung und Förderung im niedergelassenen Bereich

Wien (OTS) Nach der Wahl von Johannes Steinhart zum neuen Präsidenten der Ärztekammer für Wien wurden in den an die Vollversammlung anschließenden Kuriensitzungen auch die jeweiligen Kurienvorsitzenden bestimmt. Neuer Obmann der Kurie angestellte Ärzte ist Stefan Ferenci, zum neuen Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte wurde Erik Randall Huber gewählt. ****

Stefan Ferenci ist seit 2012 in der Standespolitik aktiv, zunächst als Vollversammlungsmitglied und seit 2017 auch als Finanzreferent der Ärztekammer für Wien. Von 2014 bis 2017 war er Chefredakteur des ärztekammerinternen Monatsmagazins „doktorinwien“.

In der kommenden Funktionsperiode möchte sich Ferenci, der ein bekennender Verfechter eines öffentlichen solidarisch finanzierten Gesundheitssystems ist, vor allem für eine Attraktivierung der Arbeitsbedingungen für Spitalsärztinnen und -ärzte in Wien einsetzen. Dazu gehöre insbesondere eine Initiative zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf allen Ebenen, beginnend mit einem deutlichen Mehr an Wertschätzung gegenüber den Kolleginnen und Kollegen seitens der Spitalserhalter und der Politik, einer Infrastruktur- und Digitalisierungsoffensive, Arbeitszeitflexibilisierungen, Bürokratieabbau sowie auch konkurrenzfähigen Gehältern.

Ein besonderes Anliegen ist Ferenci die Verbesserung der ärztlichen Ausbildung. Hier habe es in der Vergangenheit massive Versäumnisse gegeben, die „mit ein Grund dafür waren, dass immer mehr junge Kolleginnen und Kollegen Österreich den Rücken kehrten und lieber im Ausland tätig sind“. Ferenci ist überzeugt, dass nur durch eine nachhaltige Verbesserung der Ausbildungssituation der Exodus junger Ärztinnen und Ärzte ins Ausland zukünftig verhindert werden könne.

„Die Arbeitsbelastung, die mangelhafte Ausbildungssituation und damit einhergehend die Frustration vieler Spitalsärztinnen und -ärzte in Wien sind bereits jetzt besorgniserregend.“ Besonders betroffen seien derzeit die Bereiche Pädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kardiologie und Anästhesie. „Wenn die Politik hier nicht rasch gegensteuert, befürchte ich, dass schon sehr bald auch alle anderen ärztlichen Fachgruppen von einem dramatischen Ärztemangel im öffentlichen Gesundheitssystem betroffen sein könnten.“ Und dies hätte „fatale Auswirkungen“ auf die Betreuung der Patientinnen und Patienten in den Spitälern in Wien, warnt Ferenci.

Entbehrliche Diskussion um Wahlarztordinationen

Neuer Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte ist Erik Randall Huber, der sich seit bereits 20 Jahren standespolitisch engagiert. In seiner Funktion als Leiter des Umweltreferats der Ärztekammer für Wien erstellte er unter anderem die „10 medizinischen Handyregeln“, eine über die österreichischen Grenzen hinaus anerkannte Richtschnur zum gesunden Umgang mit Mobiltelefonen. Seit 2009 ist Huber als niedergelassener Urologe in Wien tätig – zunächst als Wahlarzt, seit 2013 in einer Kassenordination, die 2017 in die erste urologische Gruppenpraxis Wiens umgewandelt wurde. Vor seiner niedergelassenen Tätigkeit war Huber mehrere Jahre Oberarzt an der urologischen Abteilung im Krankenhaus Korneuburg sowie Leiter des dort angesiedelten Beckenbodenzentrums.

Von 2007 bis 2012 war Huber Vorsitzender der Ausbildungskommission in Wien sowie stellvertretender Vorsitzender der Ausbildungskommission Österreichs, womit er für alle Ausbildungsbelange junger Ärztinnen und Ärzte in Österreich verantwortlich war. Seit 2012 ist er als Vorstandsmitglied des European Board of Urology (EBU – Dachverband aller europäischen urologischen Verbände) für die urologische Ausbildungsqualität in ganz Europa zuständig und seit 2013 vertritt er die europäischen Urologen im europäischen interdisziplinären Komitee für Sexualmedizin (MJCSM).

Für seine neue Funktion als Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte hat Huber ein umfangreiches Programm erarbeitet: „An erster Stelle steht dabei für mich Transparenz und Information über alle Tätigkeiten der Standesvertretung gegenüber ihren Mitgliedern, meinen Kolleginnen und Kollegen.“ Dazu gehöre auch Offenheit in der Diskussion mit dem Ziel, Polarisierungen zu reduzieren und gemeinsame Lösungen zu finden.

Bei den Verhandlungen mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) und den politisch Verantwortlichen liegt für Huber der Schwerpunkt in der grundsätzlichen Attraktivierung des Kassensystems, um so wieder mehr Kolleginnen und Kollegen für die Übernahme eines Kassenvertrags zu gewinnen. Die aktuell von der ÖGK losgetretene Debatte über die Abschaffung des Wahlarztsystems hält Huber für mehr als entbehrlich: „Wahlarztordinationen sind eine wichtige versorgungsrelevante Stütze in der Patientenversorgung. Eine ersatzlose Abschaffung des Wahlarztkostenrückersatzes wäre nur eine Bestrafung für die Patientinnen und Patienten und würde der ÖGK keine einzige zusätzliche Kassenstelle bringen.“

„Ich selbst bin ein leidenschaftlicher Kassenvertragsarzt und dankbar dafür, dass es uns im österreichischen Sozialsystem möglich ist, jeden Menschen mit Respekt und Wertschätzung unabhängig von Einkommen und sozialem Status zu behandeln“, so Huber. Dazu gehöre aber auch ein moderner einheitlicher Leistungskatalog als Grundlage aller kassenärztlichen Leistungen in Österreich. Huber: „Die Ärztekammern haben einen solchen bereits entwickelt. Ich werde in meiner Funktion als Kurienobmann dessen Umsetzung von der Gesundheitskasse vehement einfordern, denn die veralteten Leistungskataloge tragen auch dazu bei, dass sich immer weniger Medizinerinnen und Mediziner für den Schritt in eine Kassenordination entscheiden.“

Einen weiteren Fokus wird Huber auf die Förderung der Ausbildung angehender niedergelassener Kolleginnen und Kollegen legen. Dazu gehöre etwa die Vermittlung von unternehmerischem Know-how, die im Medizinstudium derzeit überhaupt nicht vorkomme. „Die Kurie niedergelassen Ärzte in Wien hat für Ordinationsgründerinnen und -gründer bereits ein umfangreiches Paket an Serviceleistungen entwickelt“.“ Dies gelte es auch in Zukunft weiter auszubauen, so Huber. (hpp/bs)

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