Bereits 820 Patienten in den ersten zwei Wochen behandelt – Wiener Gebietskrankenkasse aber verweigert Überweisung von 310.000 Euro an den betreibenden Ärztefunkdienst

Wien (OTS) Seit 15. November dieses Jahres läuft die vom Ärztefunkdienst der Ärztekammer für Wien betriebene erste allgemeinmedizinische Akutordination (AMA) im Wiener AKH – und das höchst erfolgreich. „Binnen weniger Wochen haben wir den Betrieb organisiert. Die Kolleginnen und Kollegen im AKH berichten bereits von einer spürbaren Entlastung.“ Eine deutliche Belastung für den Betreiber seien allerdings die fehlenden Zahlungen seitens der Wiener Gebietskrankenkasse an den Ärztefunkdienst“, lautet das Fazit von Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres nach den ersten vier Wochen des Pilotprojekts. ****

Mittlerweile schuldet die WGKK dem Ärztefunkdienst bereits 310.000 Euro für dessen laufenden Betrieb. Bereits am 22. November 2016 hat die Ärztekammer die WGKK auf das drohende Liquiditätsproblem für den gesamten laufenden Betrieb des Ärztefunkdiensts hingewiesen. Die Konsequenz des Zahlungsverzugs ist eine Gefährdung aller außerhalb des Gesamtvertrags stehenden Projekte. Die neue Akutordination im Wiener AKH ist dadurch genauso betroffen wie die beiden KiND-Ordinationen. Ihnen könnte aufgrund der fehlenden Zahlungen schon mit 15. Dezember das Aus drohen, um die Kernaufgaben des Ärztefunkdiensts – die Vertretung der niedergelassenen Hausärzte an Wochenenden und in den Nachtzeiten – weiter aufrechterhalten zu können.

„Die Leistungen wurden im Vertrauen darauf erbracht, dass sie auch bezahlt werden. Die Krankenkasse hätte die ausständigen 310.000 Euro mit Ende November begleichen müssen, doch bis jetzt ist keine Zahlung erfolgt“, ist auch Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, empört.

AMA – Erfolgreiches Projekt des Ärztefunkdiensts

In der allgemeinmedizinischen Akutordination im AKH werden seit Mitte November dieses Jahres Patienten behandelt, die durch einen Allgemeinmediziner effizienter als in der Notfallambulanz betreut werden können. Dabei soll die Akutordination das bewährte Hausarztsystem nicht ersetzen: Es handelt sich hier um eine Ordination für allgemeinmedizinische Behandlungsfälle, die ansonsten die Notfallambulanz im AKH aufgesucht hätten. An einem Wochenendtag werden in dieser Ordination durchschnittlich 116 Personen versorgt.

Für die Dienstpläne der dort tätigen 41 Allgemeinmediziner ist der Ärztefunkdienst zuständig. Er organisiert auch die Behandlung der Patienten. Bereits in den ersten zwei Wochen des Betriebs wurden 820 Patienten betreut, wovon 503 direkt von der Notfallambulanz des AKH überwiesen wurden.

„Die allgemeinmedizinische Akutordination zeigt wieder einmal sehr anschaulich, wie rasch ein Projekt erfolgreich umgesetzt wird, sobald die Ärztekammer mit an Bord ist und die Ideen der Ärzteschaft, wie hier der AKH-Notfallmediziner und der ärztlichen Direktion des AKH, aufgegriffen werden“, stellt Steinhart fest und kritisiert: „Bevor die Stadt und die Wiener Gebietskrankenkasse einen Monat nach Eröffnung einen Medientermin ohne den eigentlichen Betreiber zelebrieren, sollten sie lieber zeitgerecht zahlen!“ Aber es sei wohl System, die mangelnde Wertschätzung gegenüber Gesundheitsberufen öffentlich zu zeigen und so zu tun, als ob die fremde Arbeit der eigene Erfolg wäre, ergänzt Szekeres.

Zufrieden zeigen sich Steinhart und Szekeres, dass man endlich die – nicht neue – Idee der Ärztekammer, eine solche Ordination im Spitalsbereich zu etablieren, umgesetzt hat, nachdem einige Jahre zuvor dieselbe Idee im SMZ Ost/Donauspital von der Stadt und der Wiener Gebietskrankenkasse blockiert wurde.

„Genau wie das erste und höchst erfolgreiche Primärversorgungszentrum ‚PHC MedizinMariahilf‘ beweist auch das aktuelle Erfolgsprojekt AMA, dass neue Modelle möglich sind, wenn man die Ideen der Ärzteschaft umsetzt, die Ärzteschaft einbindet und die Finanzierung gewährleistet wird. Ohne Ärzteschaft geht es nicht, das muss den Gesundheitspolitikern endlich klar werden“, veranschaulicht Szekeres mit Blick auf die geplanten Einschnitte beim Finanzausgleich: „Das sollte auch bei den drohenden Fehlentscheidungen zur Gesundheitsreform bedacht werden.“ (lsd)

(S E R V I C E – Allgemeinmedizinische Akutordination [AMA] im Wiener AKH, 1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20, Montag bis Freitag von 16.00 bis 22.00 Uhr und Samstag, Sonntag, Feiertag, 24. und 31. Dezember von 10.00 bis 22.00 Uhr)

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