Neuer Anlauf für Reform des EU-Saatgutrechts

Es gibt viele gute Gründe, die Vielfalt aus ihren bürokratischen Fesseln zu befreien. Die Vielfalt der Sorten und der Arten ermöglicht es uns, umweltfreundlicher zu wirtschaften, gesünder zu essen und neue Märkte zu erschließen.

Katherine Dolan, ARCHE NOAH

Schiltern/Wien/Brüssel (OTS) In Brüssel beginnt ein neuer Anlauf, die aus den 1960er Jahren stammenden Vorschriften für die Erzeugung und das Inverkehrbringen von Saatgut zu überarbeiten. Heute hat die EU-Kommission eine Studie über die Optionen zur Modernisierung des Saatgutrechts veröffentlicht. „Das EU-Saatgutrecht bevorzugt derzeit industrielles, hochgezüchtetes Saatgut und schränkt die Vielfalt der Sorten und der Arten auf dem Acker, im Garten und auf unseren Tellern ein“, stellt Katherine Dolan, Bereichsleiterin für Saatgutpolitik bei ARCHE NOAH, fest. „Es gibt viele gute Gründe, die Vielfalt aus ihren bürokratischen Fesseln zu befreien. Die Vielfalt der Sorten und der Arten ermöglicht es uns, umweltfreundlicher zu wirtschaften, gesünder zu essen und neue Märkte zu erschließen.

Die vorgelegte Studie wurde im November 2019 durch den Rat „Landwirtschaft und Fischerei“ beauftragt. Zum gleichen Zeitpunkt wurde eine Studie über die neue Gentechnik beauftragt, die ebenfalls heute, Donnerstag, veröffentlich wurde. „Wir begrüßen, dass die EU-Kommission endlich anerkennt, dass die derzeitige Gesetzgebung die Erhaltung und nachhaltige Nutzung pflanzlicher genetischer Ressourcen behindert“, kommentiert Katherine Dolan von ARCHE NOAH. „Allerdings sind wir alarmiert, dass die Kommission nicht ausschließt, das Tauschen von Saatgut mit dessen Vermarktung gleichzusetzen. Das Recht auf den freien Tausch von Saatgut, wie es im österreichischen Recht und im Völkerrecht verankert ist, darf nicht angegriffen werden!“, warnt Dolan.

Die EU-Kommission legt in der Studie drei Optionen für die Überarbeitung des Saatgutrechts vor, wobei unter der dritten Option – eine umfassende Überarbeitung der Richtlinien – zwei Varianten beschrieben werden. Eine davon würde den Geltungsbereich des restriktiven EU-Saatgutrechts deutlich ausdehnen. Im Vorfeld der heutigen Präsentation hat ARCHE NOAH gemeinsam mit 35 Saatgut-Initiativen und bäuerlichen Organisationen aus 20 europäischen Ländern einen offenen Brief an Vize-Präsident Timmermans und die EU-Kommission geschrieben. Darin wird auf die wichtige Rolle von informellen Saatgut-Systemen – auf die Entwicklung, Erzeugung und Abgabe von Saatgut durch BäuerInnen und GärtnerInnen – in der Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzen hingewiesen sowie auf die Schlüsselrolle der lokalen Saatgutproduktion in einer ökologischeren und widerstandfähigeren Landwirtschaft. Das 2018 im Völkerrecht beschlossenen bäuerliche Recht auf Saatgut muss auch in der EU endlich belebt werden, so die unterzeichnenden Organisationen.

Zum Hintergrund: 2014 hat das EU-Parlament den damaligen Entwurf zur neuen Saatgutverordnung abgelehnt. Das gescheiterte Papier hätte Industriepflanzen zum einzig gültigen Standard erhoben. Seltene und bäuerliche Sorten wären in bürokratische Nischen verbannt worden. Auch die Weitergabe von Saatgut durch BäuerInnen dürfte nur mehr unter Auflagen stattfinden, ein bedeutender Verlust der Sortenvielfalt! Allein in Österreich haben damals über 500.000 Menschen die Petition „Freiheit für die Vielfalt“ von ARCHE NOAH und GLOBAL2000 gegen die Saatgutverordnung unterschrieben. „Wir fordern einen gleichberichten Zugang zum Markt für regionales, vielfältiges Saatgut sowie ein garantiertes Recht, Saatgut zu erhalten, auszutauschen und zu verkaufen“ so Katherine Dolan von ARCHE NOAH.

Link zum gemeinsamen Brief an die EU-Kommission

Rückfragen & Kontakt:

ARCHE NOAH, Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt

Axel Grunt
Presse Saatgutpolitik
Tel.: +43 (0)680 23 79 245
E-Mail: kontakt@talkyourwalk.at

Katherine Dolan
Arche Noah, Leitung Politik
Tel.: +43 (0)676 557 4408
E-Mail: katherine.dolan@arche-noah.at

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