Ausstellung von 6. Mai 2021 bis 13. März 2022 zur KIRCHE AUF DEM GEORGENBERG

Wien (OTS) Die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit gilt heute als modernes Wahrzeichen Wiens. Der künstlerische Entwurf des seinerzeit heftig umstrittenen Kirchenbaus geht auf den Bildhauer Fritz Wotruba zurück. Nach gemeinsamer Planung mit Architekt Fritz Gerhard Mayr wurde in den Jahren von 1974 bis 1976 einer der markantesten Sakralbauten Wiens realisiert. 45 Jahre nach der Einweihung widmet das Belvedere der sogenannten Wotruba-Kirche erstmals eine Ausstellung.

Die Kirche ist ein Wahrzeichen, für viele hat sie Kultstatus. Über ihre Entstehung – ein Stück Nachkriegs- wie gleichermaßen Kunstgeschichte – ist bislang wenig bekannt. Die Ausstellung füllt hier eine Lücke und lässt das lieb gewonnene Bauwerk anders sehen und neu erleben, so Stella Rollig, Belvedere-Generaldirektorin.

Fritz Wotruba (1907–75) gilt heute als einer der bedeutendsten europäischen Bildhauer der klassischen Moderne. Als kritische Stimme und Lehrer mehrerer Generationen an der Akademie der bildenden Künste in Wien wurde er zu einer zentralen Persönlichkeit beim Wiederaufbau des Kunst- und Kulturlebens der österreichischen Nachkriegsjahrzehnte. Künstlerisch fand Wotruba nach 1945 zu einer neuen, reduzierten Formensprache. Der Bildhauer weitete seine Figuren zu „Figurationen“ aus, die er aus kubischen Formen baute, auftürmte und aufschichtete. Auf diesen Grundlagen basierte auch sein skulpturaler Kirchenentwurf, der als Zusammenführung seines gesamten Werks aufgefasst werden kann.

Die Einweihung der Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit erfolgte am 24. Oktober 1976, mehr als ein Jahr nach Wotrubas Tod und nach 13-jähriger, schwieriger Entstehungsgeschichte. Vorstellungen von Natur, Landschaft, Figur und Architektur verbinden sich in lebendigen Formationen. Der Bildhauer realisierte in der Kirche seinen 1948 formulierten Traum von einer „Skulptur, in der Landschaft, Architektur und Stadt zur Einheit werden“. WOTRUBA. Himmelwärts. Die Kirche auf dem Georgenberg macht die Entstehung dieses bedeutenden Bauwerks aus 135 Betonkuben nachvollziehbar und bringt die archiskulpturale Formgebung mit dem Gesamtwerk Wotrubas in Zusammenschau. Der Dialog zwischen Skulptur und Architektur zeigt sich im gesamten bildhauerischen Werk des Künstlers. Erstmals sind nahezu alle plastischen Entwürfe für die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit in einer Ausstellung zu sehen. Die Schau beleuchtet auch die kontroversiellen öffentlichen Debatten zum Kirchenbau.

Thematisiert wird Fritz Wotrubas lebenslange Auseinandersetzung mit der internationalen Moderne und der österreichischen Kunsttradition, insbesondere den Einfluss der Wiener Moderne auf sein plastisches Werk und auf die Formgebung der Kirche. Wotrubas dachloses Kirchenmodell und die wie Steinmale aufragenden Blöcke aus der frühen Bauphase der Kirche erinnern an den jungsteinzeitlichen Kultort Stonehenge – so wie die von oben nach unten durchgehenden Stelen an der Westfassade.

Im Kontext internationaler Vergleiche skulpturaler Architektur – von den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart, von Le Corbusier bis Günther Domenig – tritt die Einzigartigkeit von Wotrubas künstlerischem Bau deutlich hervor. Archiskulpturale Arbeiten von Richard Serra, Max Bill, Aurélie Nemours und Hans Hollein zeigen Verbindungen des Bildhauers mit anderen Künstler_innen durch seine Beschäftigung mit Figur, Architektur und Raum.

Ungebrochen ist die Anziehungskraft, die das außergewöhnliche Werk moderner Bildhauerarchitektur auf zeitgenössische Künstler_innen ausübt. Exemplarisch dafür werden Arbeiten von Thomas Draschan, Aglaia Konrad und Evy Jokhova gezeigt.

Die formale Genese der Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit ist nur aus dem bildhauerischen Werk Wotrubas heraus zu erklären. Deshalb widmet sich die Ausstellung vor allem dem Dialog von Skulptur und Architektur, der das plastische Werk Wotrubas charakterisiert. Die wissenschaftliche Aufarbeitung unterzieht die Legenden- und Mythenbildung im Zusammenhang mit dem Kirchenbau einer kritischen Prüfung, so Gabriele Stöger-Spevak, Kuratorin der Ausstellung.

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