Organisationen appellieren zum Schulstart: Wer Bildungsgerechtigkeit in Corona-Zeiten ernst nimmt, muss Spenden für Bildung endlich umfassend absetzbar machen.

Wien (OTS) Damit die Corona-Krise nicht zu einer Bildungskrise wird, müssen politische Entscheidungsträger*innen privates Engagement durch gemeinnützige Organisationen und gemeinnützig aktive Stiftungen jetzt erleichtern, anstatt es zu erschweren, appellieren ERSTE Stiftung, MEGA Bildungsstiftung, Sindbad Social Business, die Sinnbildungsstiftung, Teach for Austria, der Fundraising Verband Austria und der Verband für gemeinnütziges Stiften gemeinsam an die Bundesregierung. Schulen und Bildungsorganisationen sind in Österreich noch immer von der Spendenbegünstigung ausgeschlossen.

Privates Engagement anregen, Bildungsgerechtigkeit fördern

Unser Schulsystem muss faire Bedingungen für alle schaffen. Wer Chancengerechtigkeit ernst nimmt, muss mehr Mittel für Brennpunktschulen aufbringen. Schüler*innen brauchen jetzt mehr Lernhilfe und Unterstützung“, fordert Ruth Williams, Generalsekretärin des Verbandes für gemeinnütziges Stiften. „Klar ist: Private gemeinnützige Organisationen spielen in der frühkindlichen Erziehung und bei Angeboten für bildungsferne Schichten eine ganz entscheidende Rolle. Die Absetzbarkeit von Spenden für Bildung würden hier zusätzliche, dringend benötigte Mittel frei machen.

Die Studie „Lehren und Lernen unter Pandemiebedingungen“ des Instituts für Höhere Studien (IHS) zeigt, dass Fernunterricht und Schulschließungen vor allem bei ohnehin benachteiligten Schüler*innen zu Kompetenzverlusten geführt und soziale Ungleichheit weiter verstärkt haben. Schulsperren haben gezeigt, dass Bildungserfolg in hohem Maße vom Elternhaus abhängt. Viele Eltern können nicht bei der Hausübung helfen, Nachhilfe ist für ein Drittel aller Familien nicht finanzierbar.

Schulen und Bildungs-NGOs müssen jetzt mehr denn je unterschiedliche familiäre Unterstützung ausgleichen. Damit das gelingt, brauchen sie zusätzliche Mittel“, so Andreas Lechner, Generalsekretär der MEGA Bildungsstiftung. „Zuwendungen von Stiftungen an Bildungseinrichtungen könnten bei einer steuerrechtlichen Gleichstellung mit Spenden an Universitäten wesentlich steigen und so durch Corona entstandene Bildungsverluste ausgeglichen werden. Dieses Potential darf nicht ungenutzt bleiben.

Gegen die Bildungsschere: 35 Mio. Euro mehr für Bildung möglich

Expert*innen gehen davon aus, dass die Ausdehnung der Spendenbegünstigung auf Bildungszwecke zu einer deutlichen Steigerung von privaten Zuwendungen an Schulen und gemeinnützigen Bildungsorganisationen führen wird. EcoAustria rechnet in einer Studie im Auftrag des Verbandes für gemeinnütziges Stiften mit rund 35 Mio. Euro an zusätzlichen Spenden und Stiftungszuwendungen jährlich.

Spenden an Bildungseinrichtungen sind in allen hochentwickelten Ländern steuerlich begünstigt, Österreich hinkt hier nach, hat es aber im Regierungsprogramm vorgesehen. Jetzt, wo so viele Schülerinnen und Schüler besonders viel Nachholbedarf haben, ist es höchste Zeit dies umzusetzen“, so Walter Emberger, Gründer von Teach For Austria.

In der Pandemie sehen wir, dass die Schule nicht nur der Ort ist, an dem die Weichen für die Zukunft unserer Kinder und damit der Gesellschaft gestellt werden. Hier zeigt sich auch, welchen Stellenwert Bildung hat. Um das staatliche Bildungssystem bestmöglich zu unterstützen, mehr Chancengleichheit und Innovation zu ermöglichen, müssen Stiftungen und private Förderer zu mehr Engagement ermutigt werden. Wir brauchen einen Kapitalmarkt für Bildung”, appelliert Andreas Treichl, Präsident des Forum Alpbach und Aufsichtsratsvorsitzender der ERSTE Stiftung.

Wir sehen, dass gerade die sozioökonomisch schwächer gestellten Jugendlichen trotz der allgemeinen Entspannung am Ausbildungsmarkt nach wie vor große Schwierigkeiten haben, eine passende Lehre oder Schule zu finden und abzuschließen“, so Matthias Lovrek von Sindbad Social Business. „Nach 1 1/2 Jahren irregulären Schulbetriebs wurden diese Jugendlichen noch weiter abgehängt, die Bildungsschere ist weiter aufgegangen. Es wäre der absolut passende Zeitpunkt privates Engagement im Bildungsbereich zu erleichtern und Spenden steuerlich absetzbar zu machen. Organisationen wie Sindbad könnten dadurch einen größeren Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit leisten.

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Zivilgesellschaft schnell und innovativ anpackt. Um dieses Engagement für mehr Chancen-Fairness zu stärken, müssen gesetzliche Rahmenbedingungen jetzt angepasst werden. Wir brauchen alle verfügbaren Kräfte, um der Bildungskrise entgegenzuwirken und den Schülerinnen und Schülern die besten Bildungschancen zu bieten“, so Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbandes Austria.

Bildungsorganisationen bis dato von Spendenbegünstigung ausgeschlossen

Seit im Jahr 2009 die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden eingeführt wurde, hat sich das Spendenaufkommen zugunsten gemeinnütziger Projekte mehr als verdoppelt. In vielen Ländern sind Spenden für Bildung steuerlich absetzbar. Doch obwohl bereits im Regierungsprogramm angekündigt, ist dies in Österreich bis auf die Bereiche der wissenschaftlichen Forschungsaufgaben oder der Erwachsenenbildung noch immer nicht möglich. Darüber hinaus werden Zuwendungen von Bildungsstiftungen steuerrechtlich durch die Einhebung der Kapitalertragssteuer doppelt beeinträchtigt. Das geltende Steuerrecht verhindert damit, dass Spenden für Bildungsprojekte in voller Höhe ihrem Zweck zukommen können.

Rückfragen & Kontakt:

Ruth Williams, MSc
Generalsekretärin Verband für gemeinnütziges Stiften
Tel.: +43 664 544 10 90
Email: office@gemeinnuetzig-stiften.at

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