Friedrich Orters „Menschen & Mächte“-Doku auf Zeitreise zwischen verklärter Vergangenheit und ernüchternder Gegenwart

Wien (OTS) „Es war ein Land, das nicht lange gedauert hat“, sagt die heute 87-jährige Enkelin jenes k. u. k. Lokomotivführers, der im Juni 1914 den Thronfolger Franz Ferdinand im Zug nach Sarajewo fuhr. Es war eine Reise in den Tod, auch der k. u. k. Monarchie. Eine Reise in den Untergang des alten Europa und seiner Imperien. 100 Jahre nach dem Tod Kaiser Franz Josephs begibt sich Friedrich Orter mit seinem Kameramann Akram al Yasiri auf Spurensuche in jenes auch heute wieder zerrissene Land Bosnien-Herzogowina. 40 Jahre, von 1878 bis 1918, war es Teil der Habsburger-Monarchie und damit „Franz Josephs Land“. Die Hauptstadt Bosniens ist ab der Annexion durch Habsburgertruppen 1878 eine Art „k u. k. Enklave“ geworden, von der heute noch einiges zu spüren ist. Da gibt es ein k. u. k. Museum, Cafés im Wiener Stil oder ausrangierte, von den Wiener Verkehrsbetrieben nach Sarajevo verkaufte rote Straßenbahnen.

Bosnien heute: ein Land mit hoher Arbeitslosigkeit, sozialen Spannungen und zunehmenden Gefahren eines radikalen Islam. Friedrich Orter hat für die „Menschen & Mächte“-Dokumentation „Bosnien, es war einmal Franz Josephs Land“, die ORF 2 am Mittwoch, dem 23. November 2016, um 22.30 Uhr zeigt, auch einen besonderen Reisebegleiter gefunden. Es ist Erwin Steinhauer, der in seiner unnachahmlichen Art zeitgenössische Reiseberichte und Quellen rezitiert, einen Spannungsbogen zwischen gestern und heute.

Während des Jugoslawienkrieges flüchteten Tausende Bewohner aus der bosnischen Hauptstadt Richtung Österreich. Sarajevo wurde beinahe vier Jahre belagert. Während der Kämpfe starben fast 11.000 Menschen. Nach dem Waffenstillstand begann der Transformationsprozess der einst multiethnischen Stadt zur islamischen Metropole. Die immer manifestere Islamisierung machte auch der von Saudi-Arabien finanzierte Moscheen-Bau in Sarajevo und Umgebung deutlich. Religion war die ideologische Verbrämung, die auch ökonomisch motivierte Ziele tarnte. Am religiösen Transformationsprozess waren abseits saudi-arabischer Imame auch einige in Wien tätige Bosnier beteiligt, die immer wieder Islamisten für den bewaffneten Kampf in Europa rekrutierten. Gerichtsprozesse und Verurteilungen in Wien und Graz belegen das deutlich.

Die Verbindung heimischer Salafisten zu bosnischen Scharia-Dörfern reicht bis in die 1990er Jahre zurück. Radikalisiert wurden und werden viele Islamisten erst in Wien. Heute, 2016, soll es in Österreich laut Verfassungsschutz bis zu 200 aus Bosnien eingeschleuste IS-Schläfer geben – ein neues Gewaltpotenzial vor unserer Haustür.

Bosnien heute: ein zerrissenes Land. Ethnisch, politisch, religiös. Friedrich Orter präsentiert in seiner Dokumentation eine ebenso feinsinnige wie analytische Zeitreise zwischen verklärter Vergangenheit und ernüchternder Gegenwart. Ein im 20. Jahrhundert von drei mörderischen Kriegen zerstörtes Land, dessen offene Wunden nicht vernarbt sind. Darüber vermag auch die nostalgische Schönheit der wieder restaurierten k. u. k. Gebäude Sarajevos und Mostars nicht hinwegzutäuschen.

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