Caritas bildet SozialbetreuerInnen für Pflegesystem mit Zukunft aus – Fachkräftemangel nur mit einheitlichen Rahmenbedingungen und geförderter Ausbildung in ganz Österreich zu verhindern

Wien (OTS) Seit 15 Monaten hält die Corona-Pandemie Österreich in ihrem Bann. Einmal mehr wurde deutlich, wie wichtig Pflege und Betreuung sind. Besonders dringliche Aspekte: Der Fachkräftemangel und die Gefahr der Vereinsamung älterer Menschen. Die Politik ist gefordert, hier rasch und entschieden zu handeln. Unverzichtbarer Teil der Lösung sind für die Caritas dabei die Sozialbetreuungsberufe. Sie müssen in die Ausgestaltung der Pflegereform genauso wie Pflegeberufe aktiv miteinbezogen und berücksichtigt werden. „Gerade die Sozialbetreuerinnen und -betreuer sind es, die hilfebedürftigen Menschen ein gutes, möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Durch die Unterstützung im Alltag und einer sinnstiftenden Lebensgestaltung ergänzt Sozialbetreuung den gesundheitlichen Aspekt der Pflege im Sinne eines ganzheitlichen Menschenbilds in bester Art und Weise“, so Caritas Österreich Präsident Michael Landau in einer Online-Pressekonferenz.

Sozialbetreuung zentrale Herausforderung für alternde Gesellschaft

Ein Fachkräftemangel zeichnet sich bereits jetzt ab, in nächster Zukunft wird der Personalbedarf aufgrund einer stark alternden Bevölkerung noch einmal deutlich ansteigen. Landau: „Bis zum Jahr 2030 brauchen wir zusätzlich mindestens 75.000 MitarbeiterInnen in den Pflege- und Sozialbetreuungsberufen. Geredet wird darüber schon lange. Der Start der Pflegereform mit einer klaren Priorisierung auf die dringend notwendige Personaloffensive steht noch aus. Wir wünschen uns, dass bei der Umsetzung jetzt der Turbo eingelegt wird.“

Ältere Menschen sind auch in besonderem Maß der Gefahr der Vereinsamung ausgesetzt − besonders dann, wenn die Pflegebedürftigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg andauert. SozialbetreuerInnen sind besonders qualifiziert und sensibilisiert, das Bedürfnis nach begleitender Unterstützung in einem solchen Langzeitsetting zu erfüllen. Sie begleiten alte Menschen, aber auch Familien und Menschen mit Behinderung teilweise über viele Jahre. Individuelle Bedürfnisse und Lebensentwürfe werden auf Augenhöhe wahrgenommen. „Der Einsatz von SozialbetreuerInnen muss daher künftig noch weiter an Bedeutung gewinnen, das Potential dieses Berufsbildes muss auch im Bereich der Langzeitpflege in Alten- und Pflegeheimen noch stärker wahrgenommen werden“, so Landau.

Oberösterreich gibt Richtung vor

Vorbild ist in dieser Hinsicht Oberösterreich, das als einziges Bundesland bereits jetzt Sozialbetreuungsberufe in seine Personalschlüssel aufnimmt. Der Personalschlüssel ist ein entscheidender qualitativer Parameter, denn er legt fest, wie viele Fachkräfte BewohnerInnen von Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen. Anderswo ist das noch nicht der Fall, SozialbetreuerInnen finden im „Pflege-Mix“ keinen Platz. Unterschiedliche Bedingungen für Pflegebedürftige sind jedoch weder rational noch ökonomisch erklärbar.

Andrea Anderlik, Geschäftsführerin der Caritas für Betreuung und Pflege in Oberösterreich: „Als einziges Bundesland unterstreicht Oberösterreich die Bedeutung der Sozialbetreuung und setzt damit bereits jetzt zwei Punkte um, die von der ‚Task Force Pflege‘ des Sozialministeriums empfohlen werden: SozialbetreuerInnen werden verstärkt gemäß ihren Qualifikationen und Kompetenzen eingesetzt. Im Gegensatz zu den restlichen Bundesländern sieht die Oberösterreichische Alten- und Pflegeheimverordnung seit Jahrzehnten vor, dass mindestens 55 bis 65 Prozent des Personals SozialbetreuerInnen sind. Außerdem besteht eine gerechte Lohneinstufung, die sich am Tätigkeitsfeld und nicht an der Berufsausbildung orientiert.“ Michael Landau ergänzt: „Die Caritas empfiehlt dringend eine österreichweite Umsetzung und wie angekündigt ein aktives Miteinbeziehen der Sozialbetreuung im Kontext der Pflegereform.“

Arbeitsumfeld und Ausbildung attraktiver machen

Voraussetzung für das Gewinnen des dringend benötigten Personals im Bereich von Pflege UND Betreuung ist ein attraktives Arbeitsumfeld: Der Zeitdruck muss reduziert, mehr Personal eingesetzt werden. Dafür braucht es eine entsprechende Finanzierung der öffentlichen Hand. Die BetreuerInnen wünschen sich mehr Zeit für die psychosoziale Betreuung der BewohnerInnen, Arbeit in multiprofessionellen Teams und eine angemessene Entlohnung. Die Caritas fordert darüber hinaus kostenlose Ausbildungsangebote, wie es in Oberösterreich seit Herbst 2012 der Fall ist, sowie finanzielle Unterstützung für die Zeit der Ausbildung. Wie bei der Polizeigrundausbildung sollen auch SchülerInnen der Bereiche Pflege und Betreuung Beiträge zur Deckung der Lebenshaltungskosten beziehen.

Die Ausbildung für Sozialbetreuungsberufe erfolgt an den Schulen für Sozialbetreuungsberufe (SOB) und beinhaltet in drei von vier Berufsfeldern die Ausbildung zur Pflegeassistenz. Die Caritas betreibt 13 solcher Schulen in ganz Österreich. Mehr als die Hälfte aller 6.000 SchülerInnen für Sozialbetreuungsberufe absolvierten im vergangenen Schuljahr ihre Ausbildung an einer der Caritas-Schulen. Sie sind bereits jetzt eine wichtige Säule bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels auf dem Weg zu einem Pflegesystem mit Zukunft.

Martin Munz (27) hat 2020 die Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe in Linz abgeschlossen und arbeitet seit knapp einem Jahr als Fachsozialbetreuer Altenarbeit im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna: „Mich hat in der Schule die praxisbetonte Herangehensweise begeistert. Was ich hier gelernt habe, begleitet mich nun bei meiner täglichen Arbeit. In Pflege- und Betreuungsberufen braucht man nicht nur Empathie, sondern auch das Hintergrundwissen, warum ich mit dem Menschen so umgehe. Das ist für die Lebensqualität der betreuten Personen entscheidend.“

Bildmaterial zum Download

Fotos Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich (Credit: Ingo Pertramer)

Foto Andrea Anderlik, Geschäftsführerin der Caritas für Betreuung und Pflege in Oberösterreich (Credit: Iby)

Fotos Martin Munz, Fachsozialbetreuer im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna in Linz (Credit: Caritas)

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