„Als wenn Sigumd Freud und Franz West miteinander sprächen“ – Die Malerin Birgit Reiner über Mythologie, Ästhetik und Symbolik heute.

Vom 15. Jänner bis 09. April zeigt der Wiener Private Art Club ART 9TEEN Installationen und Malerei der 1977 in Sibiu, Rumänien geborenen Künstlerin Birgit Reiner. „Cushioned Clouds“ (dt.: Gepolsterte Wolken). In ihrer Arbeit analysiert Reiner die beiden grossen Wiener Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts – Sigmund Freud und Franz West. Auch wenn beide kaum unterschiedlicher nicht sein konnten, reizt es Reiner die Gemeinsamkeiten in den beiden Konzepten herauszuarbeiten und in ihren Werken zu interpretieren. Bei Reiner bekommt die Mythologie einen pragmatischen Stellenwert, um aus den eigenen Ängsten und Neurosen heraus zu kommen. Dabei sind ihre Symbole greifbare reell existierende Dinge. Das geht hin zum Portrait eines New Yorker Hotel-Stuhl mit wirklichen Schimmel-Flecken, was freilich an Franz West erinnert. „Wir können gerade heute die religiöse Mythologie nicht mehr verneinen, wie Freud es tat, oder ins Lächerliche ziehen, wie wir es bei West finden“, erklärt Reiner ihre Symbole der Sessel, Couches, Fauteuils, Canapés, Chaiselongues und immer wieder Luftmatratzen. „Unsere gemütliche, heimelige Welt, kommt im erstickenden heile Weltdesign daher, mal in Brokat und Plüsch neoklassizistisch, und im Stil der venezianischen Renaissance, mal wieder auflösend abstrakt, auf das eigene Chaos zurück geworfen. So sind wir mit uns und unserer Nabelschau beschäftigt und um uns herum brennt die Welt. Wir unterwerfen uns der Diktatur der Freizeitgestaltung, chillen mit der Luftmatratze auf unsicherer Balance, Adrenalin entspannt. Und noch mehr entspannen wir, wenn wir die weltweite Wasserknappheit ignorieren.“ So beschreibt Birgit Reiner ihre Arbeit.

In ihren Installationen werden die einzelnen Objekte in deren haptischen Körperlichkeiten betont. Ähnlich wie Franz West will Reiner, dass die Besucher die Objekte berühren, betreten, herumtragen. So wird deutlich, dass die Beschäftigung mit unseren Neurosen uns bedeutsamer ist, als das Überwinden von Scham oder Absurdität. „Wir brauchen alle ständig unsere Couch, unseren Psychotherapeuten, der Mythologie auf ästhetische Symbole reduziert. Um so mehr wir die religiöse Mythologie verneinen, umso wichtiger erscheint uns dies, besonders in unsicheren Zeiten, in denen Menschen bereit sind die globale Zivilisation aufgrund religiöser Mythen anzugreifen und dabei brutale, grausame Symbole verwenden. Welche Mythologien haben wir?“

„Reiner provoziert, weil sie in ihren Analysen tiefgründiger schürft und denkt als die meisten, und weil ihre Gesellschaftskritik bei einem gesunden Menschenverstand ansetzt, der dem Unerklärlichen, der Mythologie Raum und Bedeutung gibt. Birgit Reiner ist daher wie kaum jemand anderes Chronistin unserer Zeit,“ beschreibt der Galerist und Kurator Thomas Emmerling, die Arbeit. Dabei arbeitet Reiner mit besonderen Materialien wie Nesselgewebe und Harze, um die klassischen Kompositionen zur Geltung zu bringen. „Ihr handwerkliches Geschick, die Sicherheit ihrer Linienführung und das ständige Streben die eigene Arbeit weiter zu entwickeln, machen sie zu eine der grossen Entdeckungen der letzten Jahre“. Birgit Reiner hatte ihren Master of Fine Arts an der Universität London gemacht und anschliessend als „Assistentin mit Abschluss“an der Kunstakademie Düsseldorf gearbeitet, u.a. bei Siegfried Anzinger, Markus Lüpertz und Herbert Brandl.

Die Ausstellung ist nach vorheriger telefonischer Absprache zu besichtigen.