Zu sehen sind Bildnisse von Dramatiker*innen, Schriftsteller*innen und Dichter*innen von Shakespeare bis Jelinek

Wien (OTS) Die präsentierten Porträts von George Sand, Ricarda Huch, Elfriede Jelinek, Miguel de Cervantes, William Shakespeare, Charles Baudelaire, Victor Hugo oder Arthur Schnitzler wurden von bedeutenden Künstler*innen und Fotograf*innen gezeichnet, radiert, gedruckt oder fotografiert, wie etwa Pablo Picasso, Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer, Salvador Dalì, Isolde Ohlbaum oder Franz Hubmann.

Am Donnerstagabend eröffnete das Leopold Museum eine Ausstellung zu Ehren des Sammlers und langjährigen Galeristen Helmut Klewan (geb. 1943), der dem Museum eine rund 350 Werke umfassende, großzügige Schenkung von Porträts aus der Welt der Literatur überlassen hat.

Eine Donation dieses Umfangs zu erhalten stellt eine Seltenheit dar und erlaubt uns nicht nur, eine Ausstellung zum Dank dieser Gabe auszurichten, sondern den Großteil der überreichten Exponate auch zum Gegenstand einer Publikation zu machen. Dieser spezifische Sammlungszweig von Helmut Klewan, der kontinuierlich über die Jahre gewachsen ist, lebt von seinen Polaritäten und vom unkonventionellen Denken sowie der Beharrlichkeit des Sammlers ebenso wie von Klewans Liebe zu Künstler*innen und Literat*innen.“ Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum

Die Ausstellung

Kurator und Autor Stefan Kutzenberger wählte ca. 230 Arbeiten für die Schau aus. In dichter Hängung entstehen überraschende Querverbindungen zwischen Literatur und bildender Kunst. Auf spielerische Art wird ein Netz zwischen den Jahrhunderten, Kontinenten und Kunstdisziplinen gespannt. Der Ausstellungstitel Der Blick aus dem Rahmen verweist auf den Augenkontakt, den die Porträtierten mit den Betrachter*innen aufnehmen, als auch auf den Kennerblick über den Tellerrand, der dem Kunstsammler Helmut Klewan eigen ist. Künstler*innen wie Max Beckmann, Lovis Corinth, George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Emil Orlik, Pablo Picasso, Auguste Rodin oder Félix Vallotton schöpfen aus dem Vollen der Literaturgeschichte, bannen enge Freund*innen oder literarische Heldinnen und Heroen auf Papier oder Leinwand, lassen hinter den dargestellten Köpfen blitzlichtartig fiktive Welten sichtbar werden und zeigen vor allem den tiefen Respekt, der zwischen Buch und Bild herrscht. Es wird offensichtlich, dass Literatur und bildende Kunst gar nicht anders können, als Grenzen zu überwinden und die Welt, statt sie zu verkleinern, zu vergrößern.

Seit Homers Zeiten streben Leser*innen danach der Figur ein Gesicht zuzuordnen, um dem Geheimnis der Literatur vielleicht ein Stückchen näherkommen zu können. Aber wie schon damals besteht das Bild der Autor*innenschaft auch heute nur in unserer Imagination und ist somit dem Reich der bildenden Kunst sehr nahe. Kein Wunder also, dass den unermüdlichen Leser und Kunstsammler Helmut Klewan das faszinierende Genre des Schriftsteller*innenporträts in seinen Bann zog.“ Stefan Kutzenberger, Kurator der Ausstellung

Das von einer Künstlerin oder einem Künstler angefertigte Bildnis einer Autorin oder eines Autors ist „ein doppelter Gewinn“, hält Helmut Klewan fest, „man hat zwei Fliegen mit einem Schlag.“ Diese doppelte Lesbarkeit von Schriftsteller*innenporträts steht im Fokus der Ausstellung. „Da man Literatur nicht in Schubladen legen sollte, bleibt der Versuch einer Ordnung eine Verlegenheitslösung. Literatur ist niemals eindeutig Ländern, Sprachen, Epochen oder Genre- oder Genderkategorien zugehörig.“, weiß Ausstellungskurator Stefan Kutzenberger

Helmut Klewan: Galerist – Sammler – Mäzen

Nach dem Abschluss der Buchhandelslehre und dem Besuch von Kunstgeschichtevorlesungen, unter anderem bei Otto Pächt, Otto Demus und Fritz Novotny, stieg schließlich auch Helmut Klewan in den Handel mit Kunst ein. Prägend war die Begegnung mit dem Werk Arnulf Rainers, den er als Händlerkollege – wie er mit Schwerpunkt Jugendstil – kennen lernte. Zu den wichtigsten Kunden Klewans zählte der Sammler und spätere Museumsgründer Rudolf Leopold. Letzterem verkaufte er Werke von Tina Blau, Carl Moll, Klimt, Schiele, Kubin oder Egger-Lienz. Nach den Anfängen in Wien, wo er bereits 1970 eine Galerie in der Dorotheergasse gegründet hatte, eröffnete Helmut Klewan Mitte der 1970er-Jahre eine Dependance in München. In der Maximilianstraße realisierte er 67 Ausstellungen und setzte sein Programm ab 1991 im großen Galeriehaus am Gärtnerplatz erfolgreich mit weiteren 74 Präsentationen fort, bis er 1999 seine Laufbahn als Galerist beendete.

Neben großen Sammlungsbeständen, etwa von Maria Lassnig oder Alberto Giacometti, finden sich in Helmut Klewans Beständen auch Skulpturen, Gegenstände der Alltagskultur wie Reklameschilder bis hin zu Salonbildern. Immer wieder stellte er Werke aus seiner reichen Sammlung als Leihgaben für internationale Ausstellungen zur Verfügung, viele Präsentationen wurden zur Gänze mit Werken aus den eigenen Beständen zusammengestellt.

Helmut Klewan praktiziert ein Sammeln, das sich über starre Grenzziehungen von kunsthistorischen Epochen und tradierten Genrebezeichnungen hinwegsetzt und gerade dadurch andere, befruchtende Zugänge eröffnet, die sich von konventionell betriebenen Sammlungsstrategien wohltuend absetzen.“ Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum

Die Eröffnung der Ausstellung

Anlässlich der feierlichen Eröffnung der Ausstellung sprachen Kurator Stefan Kutzenberger und Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger, der den Sammler und Mäzen Helmut Klewan würdigte und die Schau eröffnete. Um die Schenkung “Sammlung Klewan” zu besichtigen, kamen Leopold Museum-Vorstandsvorsitzender Josef Ostermayer, Sammlerin und Museumsmitgründerin Elisabeth Leopold, Leopold Museum Vorständin Saskia Leopold, Sigmund Freud Museum-Direktorin Monika Pessler, die Künstler*innen Isolde Ohlbaum, Ulysses Belz, Johanna Freisl, Regina Goetz, Peter Sengl, Literaturwissenschaftler und Katalogautor Norbert Bachleitner, Krimiautor Christian Klinger, die Lyrikerin Verena Stauffer, die Schrifsteller*innen Tanja Paar und Martina Schmidt, Sylvia Eisenburger-Kunz, Susanne Rohringer (Dorotheum), Sammlerin Waltraud Leopold, Galerist Vincenzo della Corte, PR-Expertin Harriet Haupt-Stummer, Sammlerin Edith Raidl u.v.a.

Der Blick aus dem Rahmen. Schenkung „Sammlung Klewan“

06.05.–29.08.2022 | Ebene -2

KATALOG ZUR AUSSTELLUNG

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog in deutscher Sprache erschienen: Der Blick aus dem Rahmen. Literarische Porträts aus der Sammlung Klewan , herausgegeben von Hans-Peter Wipplinger und Stefan Kutzenberger mit Beiträgen von Norbert Bachleitner, Stefan Kutzenberger, Helmut Klewan, Christiane Lange, Hans-Peter Wipplinger, erhältlich im Leopold Museum Shop : www.leopoldmuseum.org/shop

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