Wien (OTS) Im Rahmen der Science-Fiction-Tage von 2. bis 13. September beschäftigt sich Ö1 mit den Utopien der Gegenwart und der Vorstellung von Zukunft. Das Spektrum der 35 Sendungen reicht von „Im Gespräch“ über zwei „Radiokolleg“-Reihen, „Betrifft: Geschichte“, „Praxis“, „Zeit-Ton extended“ oder „Moment – Leben heute“ bis zum „Ö1 Essay“ und „Radiogeschichten“. Das Programm im Detail ist abrufbar unter https://oe1.orf.at/sciencefictiontage.

Zahlreiche Technologien – von Satelliten über die Robotik bis zur Mobilkommunikation und selbstfahrenden Autos – sind in der Science Fiction modellhaft vorweggenommen worden. Es ist gut dokumentiert, wie sehr literarische und filmische Zukunftsvisionen viele Wissenschafter/innen inspiriert und wissenschaftliche Durchbrüche vorangetrieben haben. Die wissenschaftsbasierte Fiktion als Innovationstreiber und Erkenntnisinstrument gewinnt gegenwärtig sogar noch an Bedeutung. Ob in der theoretischen Design-Forschung, bei der Erkundung neuer Formen der Mensch-Computer-Interaktion, dem „Umbau“ und der Optimierung des menschlichen Körpers durch Implantate oder im Kontext digitaler Visionen eines Weiterlebens nach dem Tod: Science Fiction kann dabei helfen, die Optionen und Auswirkungen neuer Technologien auch in der Gegenwart besser zu verstehen. Sie ist experimentelles Modell und „Prototyping“. Das gilt aber nicht nur für das Menschenbild und die Technikforschung. Auch die Schrecken der dystopischen Climate Fiction sind gar nicht so fiktional, ihre Vorboten sind bereits da. Die Vorhersagen können zur Vorbereitung auf die Zukunft dienen, als Generalprobe für künftige Herausforderungen. Aber auch dazu, zu verhindern, was sie beschreiben.

Climate Fiction und Afrofuturismus

Ilija Trojanow war einer der ersten deutschsprachigen Autoren, die die Klimakatastrophe in einen Roman einbauten – „Eistau“ ist jetzt schon ein Klassiker. „Utopien sind überlebensnotwendig“, meint der Autor, Publizist, Übersetzer und Verleger in „Im Gespräch“ am Donnerstag, den 2. September um 21.00 Uhr in Ö1. Climate Fiction ist kein eigenes Genre, sind sich die Expert/innen einig. Sie ist Teil der Science Fiction, einer Literaturgattung, die ein Schriftsteller aus Polen besonders geprägt hat: Stanisław Lem, dessen Geburtstag sich heuer zum 100. Mal jährt. Die „Tonspuren“ (5.9., 20.15 Uhr) versuchen sich seinem Klassiker „Solaris“ von 1968 anzunähern. Er erzählt die Geschichte eines Raumfahrers, der auf dem Planeten Solaris landet und dort mit einer außerirdischen Intelligenz in Kontakt kommt. Die skurrilen Welten in Lems Büchern bieten neben einem visionären Blick auf Biotechnologie oder Gentechnik immer auch einen philosophischen Aspekt. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass Lem den Begriff Science Fiction immer abgelehnt hat, er sah sich vielmehr als Philosophen. Der in Polen geborene österreichische Schriftsteller Radek Knapp erinnert sich in „Ex Libris“ (12.9., 16.00 Uhr) an seinen Landsmann Lem.

Nnedi Okorafors Buch „Wer fürchtet den Tod“ verbindet afrikanische Kultur mit einer postapokalyptischen Welt, die Filmrechte sind bereits verkauft. Ist das Buch in der Tradition des Afrofuturismus zu sehen? „Zeit-Ton extended“ widmet sich am Sonntag, den 5. September ab 22.05 Uhr diesem Phänomen. Anschließend lotet das „Kunstradio“ (23.00 Uhr) mit dem Hörspiel „Die Prometheus-Protokolle“ von Thomas Feuerstein aus, wie der Mensch als radikal nachhaltiges Wesen funktionieren könnte – dank visionärer Errungenschaften der Biotechnologie.

Schreiben, um die Welt zu retten

Bei Schriftsteller/innen ist die Schublade Science Fiction oft nicht beliebt. Die Kanadierin Margaret Atwood plädierte für den Begriff „Spekulative Fiktion“. Das „Radiokolleg“ (6.-9.9., 9.05 Uhr) geht deshalb der Frage nach, ob wir uns in einem spekulativen Zeitalter befinden. Ist die Frage „Was wäre, wenn …?“ der Motor für Politik, Finanzmarkt und sogar Feminismus? Was wäre, wenn eine fantastische Vegetation auf unserem Planeten wachsen würde, Bäume, die mit uns sprechen? „Vom Leben der Natur“ (6.-10.9., 8.55 Uhr) lässt sich auf das Gedankenexperiment „Fantastische Vegetation“ ein.

Die „Radiokolleg“-Bücherbox (6.-9.9., 9.30 Uhr) lässt einige SciFi-Klassiker auferstehen. Neben Philip K. Dick zählen James Tiptree junior und Ursula K. LeGuin zu den großen Klassikerinnen des Genres. Tiptrees Geschichte „Schuld“ stellen die „Radiogeschichten“ (9.9., 11.05 Uhr) vor. Technikvisionen des Silicon-Valley, vom Leben nach dem Tod bis zur automatischen Demokratie, stehen im Mittelpunkt von „Digital.Leben“ (6.-9.9., 16.55 Uhr).

Wie stellte sich die Literatur das Jahr 2021 vor? Philip K. Dick skizzierte diese Welt im Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ im Jahr 1968. Die Atomkatastrophe hat die Erde zu einem unwirtlichen Planeten gemacht, echte Tiere werden durch elektronische Attrappen ersetzt. Die Erde ist von Androiden bevölkert, die gejagt werden. Ridley Scott verfilmte diese Dystopie – „Betrifft:
Geschichte“ (6.-10.9., 17.55 Uhr) sieht sich die Zukunftsszenarien im Film „Blade Runner“ genauer an.

In „Schreiben, um die Welt zu retten“ beschäftigen sich die „Dimensionen“ (7.9., 19.05 Uhr) mit Klimawandel als Climate Fiction, einem aktuellen Trend in der Literatur, der den Klimawandel als gegeben annimmt und Szenarien entwirft, wie die Menschen damit in der nahen Zukunft umgehen werden.

Faszination Science Fiction

Science Fiction berührt mit der Frage nach der Natur des Todes auch religiöse Vorstellungen. „Zwischenruf“ (5.9., 6.55 Uhr) fragt beim Theologen Harald Kluge nach, wie Jesus es mit den Aliens hält. Und „Praxis“ (8.9., 16.05 Uhr) klopft die apokalyptische Literatur ab, um zu sehen, wie Versatzstücke daraus noch heute viele millenaristische Bewegungen prägen – wenn sie auf die Wiederkunft Jesu Christi warten.

Wie wohnt man eigentlich im Weltall? Die „Kinderuni“ (9.9., 16.40 Uhr) erklärt, wie man auf Mond, Mars oder der Raumstation schlafen und leben kann. Science-Fiction-Leser/innen kennen das alles aus Romanen. Doch wer liest die 600 Seiten starken Wälzer, und wer sieht die Filme? „Moment (9.9., 15.30 Uhr) besucht SciFi-Fans und gibt einen Einblick in ihre Welt.

Der Journalist Hanno Rauterberg zeigt im „Ö1 Essay“ (10.9., 11.05 Uhr), dass die Kunst schon in der Zukunft angekommen ist. Doch warum wird mit solchem Nachdruck an Maschinen gearbeitet, die wie Rembrandt malen oder überwältigende Lyrik schreiben? Ein Auszug aus Stanislaw Lems „Robotermärchen“ in den „Radiogeschichten“ (13.9., 11.05 Uhr) beschließt die Ö1-Science-Fiction-Tage. Die Sendungen im Detail sind abrufbar unter https://oe1.orf.at/sciencefictiontage.

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