Aufwühlende Schicksale Betroffener als mutmachende Beispiele

Wien (OTS) Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (25. November) befasst sich die ORF-Kulturdokuleiste „dokFilm“ am Sonntag, dem 22. November 2020, um 23.05 Uhr in ORF 2 in einer österreichischen Neuproduktion mit dem Problembewusstsein für die Thematik, die in Zeiten der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Anstieg häuslicher Gewalt relevanter ist denn je. In ihrem vom ORF koproduzierten Film „Und bist du nicht willig“ setzt sich Regisseurin Andrea Eder exemplarisch mit Schicksalen Betroffener auseinander, die anderen Mut machen sollen. Dabei geht es auch um Maßnahmen und Gesetze gegen Gewalt an Frauen, sowie den Gewaltschutz, bei dem u. a. Frauenhäuser eine wichtige Rolle spielen.

ORF 2 zeigt demnächst einen weiteren Film von Andrea Eder: In der „Am Schauplatz“-Produktion „Die einsame Risikogruppe“ am Donnerstag, dem 26. November, um 21.05 Uhr in ORF 2, widmet sich die Filmemacherin den Auswirkungen des Corona-Lockdowns auf ältere Menschen.

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„Niemand hat mich schreien gehört!“ erzählt Hanife unter Tränen. Sie ist eine der Frauen, die in der neuen ORF-Koproduktion „Und bist du nicht willig“ über ihr Schicksal sprechen. Der jüngste Dokumentarfilm der niederösterreichischen Filmemacherin Andrea Eder (u. a. „#Single – Der Onlinedatingfilm“, „Bahnbrechend anders wohnen – Gleis 21“), produziert von RAUM.FILM, handelt von einem düsteren Kapitel der österreichischen Gesellschaft: Viele Frauen werden Opfer von häuslicher, sexueller oder psychischer Gewalt. Eder hat Opfer, Täter und Vertreter von Schutzeinrichtungen für diesen ebenso berührenden wie aufrüttelnden Film vor die Kamera gebeten.

In Österreich hat jede fünfte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. 15 Prozent der Betroffenen haben seit ihrem 15. Lebensjahr Stalking erlebt, jede dritte von ihnen eine Form der sexuellen Belästigung erfahren. Mit psychischer Gewalt durch ihren (Ex-)Partner waren 38 Prozent der Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr konfrontiert.

„Ich wollte einfach nur eine intakte Familie“, sagt Stefanie. Ihre Verzweiflung über das Geschehene ist spürbar. Sie hat vor ihrem gewalttätigen Mann Zuflucht in einem Frauenhaus gefunden. Damit ist sie eine von Vielen. „Gewalt hat leider keine Grenzen. Es gibt keine Frau, die sich hundertprozentig – kein Mädchen, das sich hundertprozentig sicher fühlen kann“, bestätigt Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie.
Eine Stelle, bei der auch die durch ihren Mann schwer misshandelte Valentina betreut wurde. „Die schmerzhafteste Verletzung war eine mehrfach gebrochene Nase und nicht ins Spital gehen zu können. Er hat mir die Nase dann irgendwie quasi manuell halbwegs grad gerichtet“, berichtet sie von ihrem Martyrium. Die langjährigen Qualen waren oft nicht auszuhalten: „In solchen Momenten, wenn Gewalt passiert ist, bin ich in irgendeine Ecke von meinem Bewusstsein geklettert, wo ich einfach gar nichts mehr gespürt habe.“

Gewalt von Männern gegen Frauen kommt in allen sozialen Schichten, Familienverhältnissen und Berufsgruppen vor. Morde an Frauen werden als Femizide bezeichnet. Der Begriff soll zum Ausdruck bringen, dass hinter diesen Verbrechen oft keine individuellen, sondern gesamtgesellschaftliche Probleme wie etwa die Abwertung von Frauen und patriarchale Rollenbilder stehen.
Häusliche Gewalt wird nach wie vor tabuisiert und ist angst- und schambesetzt. In vielen Fällen wird sie weder angesprochen noch zur Anzeige gebracht. Wie viele Frauen in Österreich, abseits der Statistik, Gewalt erleben müssen, ist unklar. Es ist jedenfalls von einer sehr hohen Dunkelziffer an Gewalttaten gegen Frauen auszugehen. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, bestätigt: „Gewalt gegen Frauen ist zur Normalität geworden.“

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