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EDDY-young 2: Prävention von Übergewicht möglich und notwendig

Sportmotorischen Fähigkeiten, Ernährungsverhalten und -wissen verbesserten sich signifikant – Ausweitung auf ganz Österreich gefordert

Wien (OTS) Insgesamt nahmen 160 Schüler an dem Projekt EDDY-young teil, davon 88 in der Kontrollgruppe und 72 in der Interventionsgruppe. Der Anteil der Übergewichtigen aller Schüler betrug zu Beginn des Projekts 36 Prozent (übergewichtig: 16,3 Prozent, adipös: 13,3 Prozent, extrem adipös: 6,4 Prozent). Bereits nach den ersten sechs Monaten zeigte sich eine signifikante Verbesserung der sportmotorischen Leistungen, die bei der Kontrollgruppe so nicht festgestellt werden konnte. ****

Die Leistungen der Interventionsgruppe wurden mittels des sogenannten Deutschen Motorik Tests überprüft. Die Kinder mussten 20 Meter im Sprint laufen, balancieren, hin- und herspringen, Rumpfbeugen und Liegestütz machen sowie einen Standweitsprung durchführen und einen Sechs-Meter-Lauf absolvieren.

Neben der Verbesserung der sportmotorischen Fähigkeiten konnte auch ein Unterscheid beim BMI (Body-Mass-Index) festgestellt werden, zudem gab es eine Steigerung auch beim Wissen über Ernährung. Gaben bei einem Fragebogen vor Start des Projekts 72,9 Prozent der Kinder eine korrekte Antwort zum Thema Ernährungswissen, waren es nach sechs Monaten bereits 76,9 Prozent. Die Kinder griffen auch seltener zu Weißbrot, Fastfood und salzigen Snacks.

Nach zwölf Monaten kam es zu einer weiteren signifikanten Steigerung beim Deutschen Motorik Test und der Anteil des Körperfetts konnte in der Interventionsgruppe deutlich gesenkt werden, gleichzeitig konnte die Muskelmasse signifikant gesteigert werden.

Nach wie vor zu wenig Geld für Prävention

Die ersten Ergebnisse nach sechs beziehungsweise zwölf Monaten sprechen also eine eindeutige Sprache: Die sportmotorischen Fähigkeiten der Schüler, die an dem Programm teilgenommen haben, verbesserten sich signifikant, ebenso das Ernährungswissen und -verhalten. Die Muskelmasse stieg an, dafür konnte der Anstieg der Fettmasse gebremst werden.

Projektleiter Kurt Widhalm: „Die Ausgangslage zeigte, dass die Prävalenz für Übergewicht beziehungsweise Adipositas in einer Wiener Volksschule schon beinahe 40 Prozent beträgt. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse, dass eine präzise geplante Intervention, also Ernährung- und Lifestyle-Schulung und spezielles körperliches Training, die körperliche Leistungsfähigkeit sowie das Ernährungswissen und -verhalten erhöhen und der Anstieg des Körperfetts gebremst werden kann.“ Auch lassen die Zahlen darauf schließen, dass ein früher Interventionsbeginn bereits im Volksschulalter notwendig ist und dass die Einbeziehung der Eltern, Lehrer und anderen Bezugspersonen die Wirksamkeit vergrößere.

Ähnlich argumentiert auch Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres:
„Prävention in diesem Bereich ist nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig.“ Es sei an der Zeit, dass die Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, täglich Sport auszuüben, dringend verbessert werde. Oft fehle es an der notwendigen Struktur, aber „zu einem gesunden Lebensstil zählt neben eine gesunde Ernährung eben auch ausreichend Bewegung“.

Zahlen zeigten, dass noch 26 Prozent der 11-Jährigen täglich moderate bis starke sportliche Aktivitäten ausführen, wobei es dann bei den 15-Jährigen nur mehr 11,5 Prozent sind. Das aktuelle Projekt belege jedenfalls, wie wichtig tägliche Bewegung für die Vermeidung von Übergewicht sei. Szekeres: „Nach wie vor gibt Österreich zu wenig Geld für Prävention aus. Es ist wesentlich weniger als der Durchschnitt der EU-Länder.“

Die Konsequenzen der Vernachlässigung der Prävention seien bei den Zahlen über den Gesundheitszustand der Österreicher regelmäßig abzulesen. So klagen viele Erwachsene über Wirbelsäulenbeschwerden, Bluthochdruck oder Migräne. „Es muss jetzt mehr Geld für Prävention ausgegeben werden, sonst steigen chronische Krankheiten in den nächsten Jahren dramatisch an, und damit natürlich auch die Gesundheitskosten“, ist Szekeres überzeugt.

Das Projekt zeige jedenfalls, wo angesetzt werden könne, „damit unsere Kinder nicht zu den kranken Erwachsenen von morgen werden“. Daher dürften solche Interventionen keine Einzelaktionen bleiben, sondern müssten endlich permanent allen Schülern in Österreich zur Verfügung stehen. Laut Szekeres „fehlen dazu aber nach wie vor die Bereitschaft und der nötige Wille, Strukturen entsprechend zu ändern, Geld in die Hand zu nehmen und darauf zu schauen, dass die Erwachsenen von morgen auch wirklich gesund leben können“. (kmc)

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