WKÖ- Zehetner-Piewald: EPU sind dynamische Selbständige und keine „Ziegelarbeiter“, wie die Gewerkschaft meint

Wien (OTS) Verwunderung löst die Initiative von vida-Gewerkschafter Hebenstreit aus, nun auch Ein-Personen-Unternehmen (EPU) unter die Fittiche der Dienstleistungs- und Verkehrsgewerkschaft nehmen zu wollen.

 Elisabeth Zehetner-Piewald, EPU-Beauftragte in der Wirtschaftskammer Österreich, findet die Gründung einer Gewerkschaft deshalb dreist, weil: „Die Gewerkschaft ist im Zusammenhang mit EPU nur dadurch aufgefallen, dass sie Selbständige in Arbeitnehmer und potenzielle Gewerkschafts-Mitglieder bzw. Versicherte bei den Gebietskrankenkassen umwandeln wollten, selbst gegen den Willen und zum Nachteil der Betroffenen.“

 „Eine effiziente Interessenvertretung und Servicierung für EPU gibt es bereits – nämlich die Wirtschaftskammer! Wie für alle anderen Unternehmen auch, ist die Wirtschaftskammerorganisation die gesetzliche Vertretung für EPU. Für sie bieten wir eine Reihe von speziellen Info- und Serviceleistungen an, die bei den Unternehmerinnen und Unternehmern auch durchwegs gut ankommen“, verweist sie auf regelmäßige WKÖ-Mitgliederbefragungen.

 Beurteilt nach Schulnotensystm, geben EPU der Dienstleistungsqualität ihrer Wirtschaftskammer – von Höflichkeit über Zuverlässigkeit bis zu Engagement und fachlicher Kompetenz – Noten zwischen „sehr gut“ und „gut“.

 Auch auf Interessenvertretungseben ist die WKO erfolgreich für EPU unterwegs: Für die soziale Absicherung auch dieser Unternehmergruppe konnte die WKO in letzter Zeit wichtige Verbesserungen durchsetzen – etwa bei der Absicherung im Fall langer Krankheit oder bei der Arbeitslosenversicherung auch für Selbständige.

 Die Mär, dass alle EPU unfreiwillig selbständig und durchwegs unglücklich seien, weist Zehetner-Piewald entschieden zurück: „Die Realität sieht ganz anders aus. EPU sind Innovationstreiber und ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in Österreich – keine Selbständigen zweiter Klasse, wie das immer wieder unterstellt wird. Es geht um eine innovative Unternehmergruppe, die sich sicher nicht in die Opferrolle drängen lassen und schon gar nicht als ‚moderne Ziegelarbeiter‘ gesehen werden will“, kritisiert Zehetner-Piewald.

 80 % der Unternehmen starten als EPU, und rund 50 % bleiben langfristig Ein-Personen-Unternehmen – und bezeichnen sich selbst keinesfalls als „prekär“. Der Großteil der EPU entscheidet sich bewusst für die Selbständigkeit, um sich in einem erfüllteren Arbeitsleben zu verwirklichen, wie auch aktuelle Daten belegen. Für viele Branchen ist das einfach die ideale Unternehmensform.

 Die wichtigsten Motive, EPU zu werden, sind flexiblere Zeiteinteilung (76 Prozent) und Selbstverwirklichung (73 Prozent), gefolgt vom Erkennen von Marktchancen (48 Prozent) und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (38 Prozent), zeigt die Studie „EPU in Österreich – Monitoringbericht 2016/17″ der KMU-Forschung Austria. Zudem sind EPU mit einem Zufriedenheitswert von 6,3 auf einer 10-stufigen Skala zufriedener als „Arbeitgeberunternehmen“ mit 5,9 (Quelle: Austrian Entrepreneurial Index, KMU Forschung Austria). „Die Tätigkeit als EPU ist mehr als nur Arbeit – sie leben individuelle Entfaltung und Selbstverwirklichung. Das ist wirtschaftliche Selbständigkeit in ihrer ureigensten Form – unternehmerischer geht’s nicht“.

 In diesem Zusammenhang sei besonders unverständlich, „dass die SPÖ unter Bundeskanzler Kern, der sich heute als besonders engagiert für Kleinstbetriebe zeigen wollte, die gesetzliche Angleichung von Arbeitern und Angestellten in einer Husch-Pfusch-Aktion durchpeitschen will. Denn der SPÖ-Entwurf, käme, so wie er jetzt vorliegt, gerade den Kleinstbetrieben bis 4 Mitarbeitern besonders teuer zu stehen. Wenn die Gewerkschaft der Wirtschaftskammer helfen will, etwa bürokratische Auflagen für Ein-Personen-Gesellschaft wegzuräumen oder die Einkommenssteuer zu senken, dann ist die Unterstützung für Selbständige willkommen“. (PWK769/PM)

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