St. Anna Kinderkrebsforschung entschlüsselt die Signalmoleküle der Schwann-Zelle und treibt damit die Erforschung des Kinderkrebses Neuroblastom voran.

Wien (OTS) WissenschafterInnen der St. Anna Kinderkrebsforschung haben vor Kurzem einen wichtigen Beitrag geleistet, der sowohl für den Kampf gegen das Neuroblastom, dem häufigsten soliden Tumor des Säuglings- und frühen Kindesalters, als auch für die Heilung von verletzten Nervenbahnen von Bedeutung ist. Die Publikation wurde im renommierten Fachjournal GLIA veröffentlicht.

Diese beiden so unterschiedlichen Forschungsgebiete weisen eine besondere Verbindung auf: die Schwann-Zelle. Beim Neuroblastom, das aus unreifen Nervenzellen entsteht, ermöglicht die Anwesenheit von Schwann-Zellen einen Ausreifungsprozess in gutartige Tumoren, Ganglioneurome genannt. Nach einer Nervenverletzung wiederum sind die Schwann-Zellen essentiell für die Nervenregeneration.  

Schon 1996 hat die Arbeitsgruppe rund um das Forscherehepaar Inge und Peter Ambros begonnen die Rolle und Bedeutung der Schwann-Zelle im Ausreifungsprozess von Neuroblastomen aufzudecken. Entgegen der damaligen Lehrmeinung haben sie erkannt, dass die im Neuroblastom auftretenden Schwann-Zellen keine Tumorzellen sind, sondern gesunde Zellen, die von den Tumorzellen bei Vorliegen bestimmter genetischer Voraussetzungen des Tumors, angelockt werden können. Durch eine Art „Zwiesprache“ helfen Schwann-Zellen den Neuroblastom-Zellen in Ganglienzellen, also reife Nervenzellen, zu differenzieren. In der Folge konnten die Forscher zeigen, dass Schwann-Zellen auch das Wachstum aggressiver Neuroblastome in vitro hemmen und deren Differenzierung fördern.

„Die Entdeckung der Schwann-Zelle im Neuroblastom als Normalzelle hat den bis dahin verstellten Blick auf ihre therapeutische Bedeutung in diesen Tumoren überhaupt erst freigegeben. Die methodischen Fortschritte der letzten Jahre wiederum ermöglichen nun ein detailliertes und umfassendes Studium dieser wichtigen Interaktionsprozesse und sind damit Voraussetzung für die Entwicklung neuer therapeutischer Konzepte, “erklärt Inge Ambros, wissenschaftlich tätige Ärztin an der St. Anna Kinderkrebsforschung. 

Aus diesem Grund konzentriert sich nun ein Folgeprojekt der St.-Anna-Forschungsgruppe auf die Erforschung der Signalmoleküle, die die Kommunikation der Schwann-Zellen mit den Neuroblastom-Zellen ermöglichen. Die Entschlüsselung dieser Signalmoleküle ist aber nicht nur für die Neuroblastomforschung essentiell, sondern auch um Heilungsprozesse bei Verletzungen der Nervenbahnen zu verstehen. Jede Nervenfaser im peripheren Nervensystem ist nämlich von Schwann-Zellen umhüllt, welche die extrem rasche Weiterleitung von Nervenimpulsen erst ermöglichen, und die zahlreiche Aufgaben für die Integrität und Funktion der Nervenzellen erfüllen. Bei der Heilung von Nervenschäden, ein Forschungsbereich der Regenerativen Medizin, spielen Schwann-Zellen eine entscheidende Rolle: sie sorgen gezielt dafür, dass die verletzten Nervenfortsätze regenerieren und die Leitung von Nervenimpulsen wiederhergestellt wird.

Die Dissertantin Tamara Weiss und die Tumorbiologin Sabine Taschner-Mandl verfolgen nun das Ziel die von Schwann-Zellen erzeugten Signalmoleküle zu studieren und der genauen Funktion der Schwann-Zellen während der Nervenregeneration beziehungsweise der Neuroblastomausreifung auf den Grund zu gehen.

Dafür musste zunächst die Isolation humaner Schwann-Zellen aus Nervengewebe optimiert werden, um sie in besonders reiner Form vermehren zu können. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe des Bioanalytikers Christopher Gerner von der chemischen Fakultät der Universität Wien wurden hoch-auflösende Proteomanalysen durchgeführt, mit denen man die Gesamtheit aller Eiweißmoleküle, z.B. Enzyme, einer Zelle oder eines Gewebes erfassen kann. Dadurch wurden die ersten Proteome von in Kulturschalen gezüchteten humanen Schwann-Zellen und gesundem bzw. verletztem Nervengewebe erstellt und verglichen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Schwann-Zellen nicht nur in der Lage sind verschiedenste Signalmoleküle zu produzieren, die bei der Heilung von durchtrennten Nervenbahnen bzw. bei der Ausreifung des Neuroblastoms helfen, sondern darüber hinaus auch beschädigtes Gewebe abbauen und regulierend auf das Immunsystem wirken. Einige dieser neu identifizierten Signalmoleküle werden nun in der St. Anna Kinderkrebsforschung auf deren Wirksamkeit getestet, um neue Therapiemöglichkeiten gegen aggressive Formen des Neuroblastoms zu entwickeln.

Weitere Informationen: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/glia.23045/pdf

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Inge Ambros und Univ.-Doz. Dr. Peter Ambros
St. Anna Kinderkrebsforschung
Zimmermannplatz 10, 1090 Wien
Telefon: +43 40470-4050
E-Mail: ambros@ccri.at



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