Eine Generation im Kampf mit der Corona-Pandemie

Der Politik gelingt es immer schlechter, die Milieus der unteren Hälfte der sozialen Hierarchie der Gesellschaft zu erreichen. Passend dazu schlägt den politischen Akteuren von dort auch das größte Misstrauen entgegen. Der Staat erscheint den weniger privilegierten Jugendlichen in einem erschreckend hohen Ausmaß als eine Interessensgemeinschaft der Reichen und Privilegierten

Bernhard Heinzlmaier, Matthias Rohrer

Wien (OTS) Die T-Factory Trendagentur hat in Kooperation mit dem Institut für Jugendkulturforschung vom 24. Februar bis 10. März 2021 1000 repräsentativ ausgewählte österreichische Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 29 Jahren zu ihrem Leben in der Corona-Krise befragt. Die Studie ist ab 7. April im freien Verkauf erhältlich, heute geben die Studienleiter Prof. Mag. Bernhard Heinzlmaier und Matthias Rohrer erste Einblicke in die spannenden Ergebnisse:

Vertrauensverlust, Suche nach Halt, geringe Impfbereitschaft

Die jungen Österreicher und Österreicherinnen rechnen mit der Politik des Landes knallhart ab. Über 70 Prozent der in der Jugendwertestudie 2021 Befragten glauben den Politikern und Politikerinnen nicht, dass sie die Corona-Krise im Griff haben, fast 50 Prozent bewerten die Arbeit der Bundesregierung mit den Schulnoten “genügend” oder “nicht genügend”. Und fast zwei Drittel vertrauen gegenwärtig weder der Regierung noch der Opposition.

Vor allem unter den Jugendlichen der bildungsfernen Milieus herrscht die Angst, dass die Politik die Corona-Krise dazu missbrauchen könnte, um die Freiheit der Menschen generell einzuschränken. Die bildungsnahen Schichten identifizieren sich deutlich höher mit dem Corona-Management des Staates.

Unter den Maßnahmen gegen das Corona-Virus empfinden die Befragten Abstandsregeln, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen überwiegend angemessen, die Schließung von Gastronomie, Geschäften, Sportstätten, Schulen und Kindergärten wird überwiegend als unangemessen abgelehnt.

Am meisten vermisst die Jugend in der Zeit der Corona-Beschränkungen das Zusammensein mit den Freunden und Freundinnen. Fast überhaupt nicht vermisst wird Schule, Universität oder Arbeit.

Der Zukunftsblick der Jugend hat sich verdüstert, vor allem was die Gesellschaft betrifft. Nur mehr ein Viertel der Jungen sieht mit Zuversicht in die Zukunft des Gemeinwesens. Besonders besorgt blicken die 16- bis 19-Jährigen auf das Morgen. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist die Zahl der Jugendlichen, die das Leben als „Suche nach Halt“ erfahren von 69 Prozent auf 82 Prozent gestiegen. Auf einer Jugend unter Druck lastet nun noch mehr Druck.

Die Impfbereitschaft ist erbärmlich schlecht. Lediglich rund 50 Prozent der 16- bis 29-Jährigen wollen sich auf alle Fälle oder wahrscheinlich impfen lassen. Katastrophal ist die Impfbereitschaft in den niedrigen und mittleren Bildungsmilieus. Dort sind rund 40 Prozent wahrscheinlich oder sicher im Lager der Impfverweigerer, weitere 20 Prozent sind unentschlossen.

“Der Politik gelingt es immer schlechter, die Milieus der unteren Hälfte der sozialen Hierarchie der Gesellschaft zu erreichen. Passend dazu schlägt den politischen Akteuren von dort auch das größte Misstrauen entgegen. Der Staat erscheint den weniger privilegierten Jugendlichen in einem erschreckend hohen Ausmaß als eine Interessensgemeinschaft der Reichen und Privilegierten”, kommentieren die Studienleiter Matthias Rohrer und Bernhard Heinzlmaier diese ersten Ergebnisse ihrer Befragung.

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