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Keine neue Krebsstudie, trotzdem wollen EU-Behörden Zulassung verlängern

Brüssel/Wien (OTS) Sechs Jahre nach der Krebseinstufung von Glyphosat durch die WHO-Krebsforschungsagentur IARC wollen die EU-Behörden die Zulassung von Glyphosat offenbar ein weiteres Mal verlängern. Dies obwohl die Glyphosat-Hersteller für das neue Zulassungsverfahren keine neue (und entlastende) Krebsstudie vorgelegt haben. Die Behörden erklären daher auf der Grundlage der wissenschaftlich höchst umstrittenen alten Herstelerstudien aus dem vergangenen Zulassungsverfahren, dass die bestehende behördliche Einstufung von Glyphosat als „nicht krebserregend“ beibehalten werden soll. Dies geht aus einer Mitteilung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und einer Durchsicht des Zulassungsantrags der Glyphosate Renewal Group durch GLOBAL 2000 hervor.

„Das ist unfassbar verantwortungslos und fahrlässig“, erklärt Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000: „Das Gesetz verlangt, dass Pestizidhersteller anhand von Studien auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft darlegen, dass ihr Pestizid die Voraussetzungen für eine Zulassung erfüllt. Doch trotz der ungelösten Kontroverse um die Karzinogenität von Glyphosat haben die Glyphosat-Hersteller nicht eine einzige neue Krebsstudie vorgelegt! Daher erklären die Behörden nun erneut, aufgrund derselben alten Herstellerstudien, die für die WHO-Krebsforschngsagentur „ausreichende Beweise“ für die Karzinogenität von Glyphosat im Tierexperiment liefern, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Das ist absurd und wird das Vertrauen der EuropäerInnen in ihre Behörden nicht stärken.“

Hintergrund:

Die WHO-Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich für den Menschen krebserregend“ basiert zu einem wesentlichen Teil auf Studien der Glyphosat-Hersteller Monsanto und Cheminova aus den Jahren 1983 bzw. 1993. In diesen Krebsstudien mit Mäusen war (ebenso wie in drei weiteren Krebsstudien mit Mäusen und sechs mit Ratten) signifikante Anstiege der Tumorinzidenzen mit steigender Glyphosat-Dosierung festgestellt worden. Doch dieselben Studien waren zuvor von den EU-Behörden als Belege für die Unbedenklichkeit von Glyphosat herangezogen worden. Die steigenden Tumorhäufigkeiten versuchten sie in der Folge als Artefakte und Zufallsbefunde abzutun. Zu hohe Glyphosat-Dosierungen, Erkrankungen von Versuchstiere, oder einfach statistische Schwankungen wären verantwortlich für die Krebsbefunde in den Herstellerstudien, lautete das Argument der Behörden. Daher gäbe es keine Beweise für eine krebserregende Wirkung von Glyphosat. Wie wir heute wissen, lassen sich einer peer-reviewten Auswertung des IARC-Beraters Chris Portier zufolge in den 13 bislang von den Antragstellern vorgelegten validen Krebsstudien mit Nagetieren (die neueste datiert aus 2009) insgesamt 37 signifikante Tumorbefunde identifizieren. Nach geltender EU-Pestizidverordnung (EG) Nr. 1107/2009 dürfen Pestizidwirkstoffe nur dann zugelassen werden, wenn der Antragsteller anhand von zuverlässigen Studien auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft darlegt, dass sein Pestizidwirkstoff im Tierexperiment nicht Krebs erzeugt.

„Zwar werden die Argumente, mit denen die EU-Behörden ihren erneuten Freibrief für Glyphosat rechtfertigen, erst Anfang September einsehbar sein, wenn die EFSA den Zwischenbericht der Glyphosat-Bewertung im Rahmen einer öffentlichen Konsultation veröffentlicht“, erklärt Burtscher-Schaden: „Auf die Reaktionen aus der unabhängigen Wissenschaft dürfen wir aber schon heute gespannt sein.“

Eine abschließende Empfehlung, ob die Zulassung von Glyphosat erneuert werden soll, will die EFSA im Sommer 2022 abgeben.

Rückfragen & Kontakt:

Viktoria Auer, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, +43 699 14 2000 82, viktoria.auer@global2000.at
Dr. Helmut Burtscher-Schaden, GLOBAL 2000 Umweltchemiker, +43 699 14 2000 34, helmut.burtscher@global2000.at

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