Für den Katholischen Familienverband ist der Vorschlag von Arbeitsminister Martin Kocher, Teilzeitarbeit für Frauen unattraktiv zu machen, kontraproduktiv und familienfeindlich

Wien (OTS) „Teilzeitarbeit unattraktiv zu machen ist aus familienpolitischer Sicht der völlig falsche Weg und für Eltern ein Schlag ins Gesicht“, ist Alfred Trendl, Präsidenten des Katholischen Familienverbandes, überzeugt. Aus seiner Sicht sind eine bessere pensionsrechtliche Bewertung von Teilzeit sowie mehr qualifizierte Teilzeitarbeitsplätze ein zentraler Schlüssel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Arbeitsminister Martin Kocher hatte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „profil“ die hohe Teilzeitquote der Frauen beklagt und für einen Umbau des Steuer- und Sozialsystems plädiert, um Teilzeitarbeit unattraktiver zu machen.

Wolfgang Mazal: Teilzeit ist nachweislich gewünscht!

In einem gemeinsamen Workshop mit dem Katholischen Familienverband erinnert Wolfang Mazal, Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung an der Universität Wien (ÖIF), an die drei zentralen Säulen der Familienpolitik: Zeit, Geld und Infrastruktur. Aus seiner Sicht könne nachhaltige Familienpolitik nur erfolgreich sein, wenn sie Präferenzen von Frauen und Männern widerspiegle und die Wahlfreiheit der Eltern respektiere. Das sei aus seiner Sicht am besten durch eine ausgewogene Mischung aus Zeitoptionen, Infrastrukturangeboten und Geldtransfers gewährleistet. „Frauen wie Männer wünschen sich nachweislich Teilzeit, weil für Familien Zeit in den beschleunigten Verhältnissen von heute zu einem immer kostbareren Gut wird. Und dem müssen wir Rechnung tragen“, so Wolfgang Mazal. Teilzeit generell unattraktiver zu machen sei sehr plakativ und müsse aus familienpolitischer Sicht differenziert betrachtet werden. „Familien übernehmen unglaublich viel Verantwortung für die Gesellschaft. Arbeitnehmer/innen, die zusätzlich auch Familienarbeit leisten, dürfen dafür durch eine Verschlechterung der Bedingungen für Teilzeitarbeit nicht noch auch bestraft werden!“

Balance zwischen Familien- und Berufsleben ist entscheidend

Zudem, so der Leiter des Instituts für Familienforschung, sei es schon aus demografischen Gründen wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Österreicher/innen ermöglichen, auch jene Kinderzahl zu realisieren, die sie sich wünschen. Ein wesentlicher Schlüssel dafür ist für Wolfgang Mazal eine bessere Balance zwischen Familien- und Berufsleben. „Teilzeitarbeit ist ein entscheidendes Instrument dafür und trägt nicht unwesentlich zum Familieneinkommen bei.“

Alfred Trendl: Teilzeit entscheidend für Vereinbarkeit

2019 waren von den Müttern mit Kindern unter sechs Jahren zwei Drittel erwerbstätig, davon 80 Prozent in Teilzeit und 20 Prozent in Vollzeit. „Es ist vielfach der Wunsch der Eltern weniger Stunden außer Haus zu arbeiten und dafür eine bessere Work-Life-Family-Balance zu haben“, weiß auch der Präsident des Familienverbandes aus unzähligen Gesprächen mit Betroffenen. „Teilzeitarbeit ist damit eine entscheidende Stellschraube, wenn es darum geht Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.“ Die Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten sei auch deswegen entscheidend, weil sich Care-Arbeit in ihrer Zeitlogik nicht ohne weiteres in den Rhythmus der Erwerbsarbeit integrieren lasse. „Eine steuerliche Bevorzugung von Teilzeitarbeit gibt es nicht, das ist ein Mythos“ hält Trendl fest

Altersteilzeit und Elternteilzeit gleichbehandeln

Im Gegensatz zu Arbeitsminister Kocher fordert Trendl eine Aufwertung der Teilzeit aufgrund von Betreuungspflichten: „Was für die Altersteilzeit gilt, muss auch für Elternteilzeit möglich sein.“ Bei der Altersteilzeit werden trotz Reduktion der Arbeitszeit die Beiträge zur Pensionsversicherung in voller Höhe weiterbezahlt. Damit sind mit der Altersteilzeit keine pensionsrechtlichen Nachteile verbunden. „Es kann nicht sein, dass wir für ältere Arbeitnehmer/innen die Altersteilzeit durch die staatliche Übernahme eines Teils der Pensionsbeiträge attraktiv machen, während wir Eltern mit kleinen Kindern die Teilzeit verleiden wollen“, kritisiert Trendl. Er erinnert daran, dass vor fünf Jahren noch die Devise ausgegeben wurde, Österreich bis 2025 zum familienfreundlichsten Land Europas machen zu wollen. „Die Überlegung Teilzeit unattraktiver zu machen ist kontraproduktiv und bedeutet in punkto Familienfreundlichkeit einen Riesenschritt rückwärts.“

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