Expert*innen analysieren die Produkte und Profiteure der Neuen Gentechnik

Wien (OTS) Für die Studie blickten die IG Saatgut und GLOBAL 2000 in die Produktentwicklungspipeline der Neuen Gentechnik. Mit einem ernüchternden Ergebnis: die Neue Gentechnik verspricht Konzernprofite mit fragwürdigen Lifestyle-Produkten und herkömmlichen herbizidtoleranten Sorten. Von „klimafitten“ Lösungen für Bäuerinnen und Bauern fehlt jedoch jede Spur. Wichtig wäre es deshalb, partizipative Saatgutzüchtung mit Landwirt*innen zu fördern und die Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft wirksam einzuleiten. Nur so können die österreichischen Bäuer*innen den zunehmenden Herausforderungen der Klimakrise wie Dürrephasen und Starkregenereignisse etwas entgegensetzen.

Leere Versprechen
Ein genauerer Blick in die Produktentwicklungspipeline der Neuen Gentechnik zeigt: Verkauft werden leere Versprechen und zweifelhafte Lifestyle-Produkte für eine zahlungskräftige Kundschaft in den reichen Industrienationen. Nur einige Beispiele dieser Produkte sind stärkehaltiger Wachsmais, blutdrucksenkende, entspannungsfördernde Tomaten, Kartoffeln mit weniger schwarzen Druckstellen oder ballaststoffreicher Weizen. Stärke aus gentechnisch verändertem Mais kann Fertigsaucen andicken oder als Füllstoff in der Papier- und Pappeherstellung eingesetzt werden, dennoch bleibt die von Unternehmen und Politik verbreitete Mär, dass nur technische Innovationen Klimakrise und Welthunger beenden werden, ungebrochen. Bislang werden nur Soja mit weniger Transfettsäuren und ein herbizidresistenter Raps in den USA kommerziell vertrieben. Die Industrie wird mit der Neuen Gentechnik das bestehende Agrarmodell nur kosmetisch etwas „grüner“ machen. Mit „klimaangepassten“ Pflanzen ist vorläufig nicht zu rechnen. Die Analyse der derzeitigen marktorientierten Anwendungen von CRISPR/Cas zeigt, dass es, trotz großer Versprechen, Pflanzen mit einer verbesserten Toleranz gegen „abiotischen“ Stress, wie Hitze oder Frost, noch nicht gibt. Bislang liegt ein Fokus auf der Entwicklung von herbizidresistenten Pflanzen, so auch der erst kürzlich bekannt gewordene erste Zulassungsantrag für eine CRISPR/Cas-Pflanze in der EU.

„Eigenschaften wie die Herbizidresistenz sind nach wie vor weit verbreitet. Damit trägt aber auch die Neue Gentechnik dazu bei, das bestehende, Input-intensive Agrarmodell zu stabilisieren. Das Versprechen der Unternehmen: ‚weniger Pestizideinsatz dank Neuer Gentechnik‘ lässt sich damit nicht erreichen. Auch beim Kampf gegen die Klimakrise helfen solche Pflanzen nicht“, so Eva Gelinsky, Studienautorin und Koordinatorin der Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG Saatgut).

Profite für die Großen
Verfahren wie CRISPR/Cas haben eine regelrechte Patentierungswelle ausgelöst. Davon profitieren vor allem jene Großkonzerne, deren Geschäftsmodell auf der Nutzung geistiger Eigentumsrechte aufgebaut ist. CRISPR/Cas ist also kein „demokratisches“ Verfahren für den Mittelstand, sondern Big Business für die Großen. Jedes Unternehmen, das die Technologie nutzen will, muss zuerst mit den Patentinhabern verhandeln und Lizenzen zahlen – das kommt für kleinere Züchterhäuser kaum in Frage. Bereits jetzt haben Konzerne wie Bayer (Monsanto) und Corteva (DowDuPont) mit den Erfinder*innen teilweise exklusive Lizenzverträge abgeschlossen.

Für die Bäuerinnen und Bauern bedeuten Patente steigende Saatgutpreise, eine beschränkte Auswahl und neue Abhängigkeiten. „Wir spüren die Situation bei uns am Hof im Weinviertel: Hitze und Trockenheit erschweren den Anbau immer stärker. Das sind die Folgen der industriellen Landwirtschaft und der Klimakrise. Die Neue Gentechnik ist weder für das Klima, noch für uns Bäuerinnen und Bauern eine Option. Eine Deregulierung würde der wachsenden gentechnikfreien konventionellen und biologischen Produktion und dem Lebensmittelhandwerk einen schweren Schaden zufügen, Kosten würden steigen und die Wahlfreiheit ginge verloren. CRISPR und Co. bringen nur noch mehr Konzernmacht und den Verlust von Saatgutvielfalt. Wir können nicht mit rein technischen Lösungen weiter machen wie bisher. Wir setzen auf biologische Vielfalt und Boden- und Humusaufbau als echte Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft und davon braucht es in Zukunft noch viel mehr!“, so Biobäuerin Maria Vogt von der ÖBV – Via Campesina Austria.

Im nächsten Schritt gilt es nun, die Ergebnisse der für den 30. April erwarteten EU-Studie zur Neuen Gentechnik abzuwarten. Obwohl es noch kaum Forschung im Bereich der Umwelt- und Gesundheitsrisiken gibt, ist die Befürchtung groß, dass eine Deregulierung der Neuen Gentechnik auf EU-Ebene angestoßen wird. Grund dafür ist die starke Einflussnahme der Gentechnik-Lobby in den Konsultationsprozess. Zukünftig werden vor allem die EU-Mitgliedstaaten die Aufgabe haben, sich hier zu positionieren. Das österreichische Gesundheits- und Umweltministerium haben sich bereits für die Einhaltung des Vorsorgeprinzips und die Umsetzung des EUGH-Urteils zur strengen Regulierung von Neuer Gentechnik ausgesprochen. „Eine Deregulierung von Neuer Gentechnik könnte schwerwiegende Folgen für die österreichische Landwirtschaft haben. Wir fordern eine strikte Gentechnik-Regulierung und keinen Freifahrtsschein für CRISPR und Co. Auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger ist gefragt, sich hier für unsere Landwirtschaft einzusetzen und Bäuerinnen und Bauern nicht noch weiter in die Abhängigkeit von Großkonzernen zu stürzen“, so Brigitte Reisenberger, Gentechniksprecherin von GLOBAL 2000.

Die Studie „Neue Gentechnik: Produkte & Profiteure“ finden Sie hier.

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Viktoria Auer, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, viktoria.auer@global2000.at, 0699 14 2000 82



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