Greenpeace fordert von Bundesregierung, sich von umweltschädlichen Gütezeichen zu distanzieren und für globales Waldschutzgesetz einzutreten

Wien (OTS) Eine im Auftrag von Greenpeace durchgeführte repräsentative Umfrage zeigt, dass nur fünf Prozent der ÖsterreicherInnen Zertifizierungen wie RSPO und FSC als besten Weg sehen, um den Verkauf von Produkten aus Regenwaldzerstörung in der EU zu verhindern. Hingegen ist für 77 Prozent der ÖsterreicherInnen ein Gesetz auf EU-Ebene die beste Lösung für den Schutz globaler Wälder. Die Umweltschutzorganisation fordert von der österreichischen Bundesregierung, dem Wunsch der Bevölkerung zu folgen und sich für ein starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz einzusetzen. Ebenso muss die Regierung Gütezeichen-Empfehlungen auf der vom Klimaministerium geführten Service-Seite bewusstkaufen, im Nationalen Beschaffungsplan und beim österreichischen Umweltzeichen überarbeiten. Die Regierung dürfe nicht mehr länger umweltschädliche Gütesiegel von offizieller Seite empfehlen oder sogar als Nachweis im Umweltzeichen akzeptieren, so Greenpeace.

„Der Schutz der globalen Wälder ist den Österreicherinnen und Österreichern ein enormes Anliegen. 94 Prozent der Befragten wollen nicht, dass in Supermärkten und Geschäften Produkte aus Regenwaldzerstörung verkauft werden. Doch bislang hat die Politik versagt: Alle sechs Sekunden geht noch immer Tropenwald in der Größe eines Fußballfeldes verloren”, sagt Ursula Bittner, Wirtschaftsexpertin bei Greenpeace in Österreich. Weltweit wird ein Drittel der gehandelten Agrarprodukte aus Waldzerstörung von EU-Ländern importiert und verbraucht. Dazu gehört unter anderem Palmöl aus Südostasien. Die Europäische Union hat 2019 fast 7,3 Millionen Tonnen Palmöl importiert und gehört damit zu den größten Palmöl-Importeuren weltweit – mit fatalen Folgen für die indonesischen Regenwälder: Zwischen 2010 und 2020 wurden jährlich durchschnittlich 753.000 Hektar der Wälder Indonesiens zerstört -eine Fläche so groß wie Hamburg. Konkret nach Palmöl gefragt, geben 77 Prozent der Befragten an, mittlerweile im Supermarkt darauf zu achten, ob Produkte Palmöl enthalten oder nicht – gleichzeitig glauben allerdings nur 20 Prozent der Befragten, dass RSPO Regenwaldzerstörung für Palmöl verhindern kann. Für nur 18 Prozent der Befragten ist Eigenverantwortung der Unternehmen die sinnvollste Methode, um Wälder zu schützen. „Seit zehn Jahren versprechen globale Konzerne, Verantwortung für die grünen Schatzkammern unseres Planeten zu übernehmen. Doch passiert ist bis heute fast nichts. Stattdessen vertrauen viele Unternehmen auf Zertifizierungen wie RSPO, die allerdings ebenso wenig den Schutz der Wälder garantieren können. Wir brauchen jetzt verbindliche politische Lösungen, bevor die Wälder weiter in Flammen aufgehen”, so Bittner.

Im österreichischen Umweltzeichen wird RSPO als Nachweis für nachhaltiges Palmöl anerkannt. Ebenso akzeptiert das Umweltzeichen die FSC-Zertifizierung für Holz- und Papierprodukte, auch im Nachhaltigen Beschaffungsplan wird FSC als Beweis für nachhaltiges Holz- und Holzprodukte anerkannt. 72 Prozent der ÖsterreicherInnen sind der Meinung, dass Konzerne wie Nestlé, Unilever und Mondelēz, die alle RSPO-Mitglieder sind, Zertifizierungen verwenden, um eher Profite zu machen. Auch für Greenpeace sind freiwillige Gütezeichen wie der RSPO und FSC keine Lösung, sondern vorrangig ein Marketing-Gag, der das Geschäft ankurbelt. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte die Umweltschutzorganisation einen Report, der aufzeigt, wie Gütezeichen die globale Waldzerstörung und das Artensterben anheizen.

Aktuell verhandelt die Europäische Union ein Gesetz, das Produkte aus globaler Waldzerstörung auf dem Binnenmarkt verbieten soll. Im Juni 2021 plant die EU-Kommission, den ersten Entwurf vorzulegen. „Die österreichische Bundesregierung muss dem Wunsch der Bevölkerung nachkommen und sich mit aller Kraft für ein starkes EU-Gesetz für globalen Waldschutz einsetzen. Ebenso dürfen Gütezeichen von offizieller Seite nicht mehr empfohlen werden – beispielsweise auf bewusstkaufen.at oder im Nationalen Beschaffungsplan”, fordert Bittner.

Die repräsentative Online-Umfrage wurde vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Akonsult im 2020 durchgeführt. Greenpeace Österreich hat entschieden, die Veröffentlichung der Umfrage auf 2021 zu verschieben, da essentielle politische Maßnahmen zum Schutz der Wälder und der Artenvielfalt aufgrund der Covid-19-Pandemie auf dieses Jahr verschoben wurden. Greenpeace Österreich geht davon aus, dass sich das Stimmungsbild der österreichischen Bevölkerung nicht entscheidend geändert hat.

SERVICE

– Vollständige Ergebnisse der Befragung:
http://bit.ly/Greenpeace-Umfrage_Waldschutzgesetz

– Bildmaterial: http://bit.ly/Greenpeace-Umfrage_Fotos

– Gütezeichen-Report und Factsheet: https://bit.ly/Gütezeichenreport

Rückfragen & Kontakt:

Ursula Bittner
Wirtschaftsexpertin
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.: +43 (0)664 960 64 29
E-Mail: ursula.bittner@greenpeace.org

Julia Karzel
Pressesprecherin
Greenpeace CEE in Österreich
Tel.: +43 (0)664 61 26 725
E-Mail: julia.karzel@greenpeace.org



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