Wien (OTS) „Wir sind enttäuscht, dass fast alle Parteien im Mariahilfer Bezirksparlament den Grünen Antrag nach Umbenennung der Rahlstiege in Erika-Weinzierl-Stiege abgelehnt haben. Von der FPÖ war nichts anderes zu erwarten, aber dass SPÖ, ÖVP und Neos gegen die Ehrung von einer der wichtigsten österreichischen Historiker*innen auftreten und sogar eine Diskussion darüber verweigern, ist eine Schande. Das hat uns in äußerst negativer Weise erstaunt“, reagieren die Grüne Landtagsabgeordnete Ursula Berner und der stellvertretende Bezirksvorsteher in Mariahilf, Michi Reichelt, auf die jüngste Entscheidung der Mariahilfer Bezirksvertretung.

Nachdem die „Grande Dame“ der österreichischen Zeitgeschichte, Erika Weinzierl, 2014 verstorben ist, hat es in Wien bislang keinerlei Bestrebungen gegeben, ihr mittels Benennung einer Verkehrsfläche oder einer Institution jene Ehre zuzuerkennen, die sie zweifellos verdient hat. Weinzierl hatte sich im Nationalsozialismus nicht nur einer studentischen Widerstandsgruppe angeschlossen, sondern öffnete später die österreichische Geschichtswissenschaft für die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, wofür sie damals mit zahlreichen Anfeindungen konfrontiert war.

„Weinzierl war eine frühe und engagierte Kämpferin gegen Antisemitismus und die erste Ordinaria Österreichs auf einem Geschichtelehrstuhl, die Generationen von nachfolgenden Historiker*innen ausgebildet und geprägt hat“, fügt Berner, selbst studierte Historikerin, an.

„Die Stadt Wien hat viele Gründe, stolz auf ihre große Tochter zu sein, insbesondere der Bezirk Mariahilf, wo Weinzierl aufgewachsen ist, die Volksschule und das Gymnasium Rahlgasse besucht hat. Dass die SPÖ nun gemeinsam mit der ÖVP ausgerechnet bei der Benennung nach Erika Weinzierl eine sachliche und ausführliche Diskussion über die Umbenennung verweigert, indem die sonst übliche Zuweisung in die zuständige Kommission abgelehnt wurde, ist völlig unverständlich“, zeigt sich Michi Reichelt verwundert und verärgert.

Eine Ehrung in Mariahilf – ohnehin ein Bezirk mit einem sehr geringen Anteil an nach Frauen benannten Verkehrsflächen – biete sich durch Umbenennung der Rahlstiege nicht nur aufgrund der räumlichen Nähe zum Gymnasium Rahlgasse an, sondern würde auch keine weiteren Schritte wie die Änderung von Adressen notwendig machen. Zudem sei Carl Rahl bereits durch das Gymnasium und die Rahlgasse in ausreichender Weise gewürdigt.

„Wir fordern alle Parteien, insbesondere SPÖ und ÖVP, ihr gleichermaßen unverständliches wie respektloses Verhalten zu korrigieren. Es braucht einen zentralen öffentlichen Ort, um in Mariahilf an Erika Weinzierl zu erinnern und damit auch an jene Werte, für die sie gestanden ist: Den Kampf gegen Antisemitismus, der gerade heute wieder so notwendig geworden ist“, schließen Berner und Reichelt.

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