Hauptaufgaben: Qualitätssicherung, Vermittlung, Systemverbesserung, Konfliktradar; Millenials als Herausforderung

Wien (OTS) „Prädikat wertvoll“, so äußerte sich Oliver Vitouch, Rektor der Universität Klagenfurt und Vizepräsident der UNIKO, prägnant über die generelle Notwendigkeit, seine Erfahrungen mit und die Ergebnisse der Arbeit niedrigschwelliger hochschulischer Ombudsstellen. Er hat als Rektor an seiner Universität eine solche 2014 eingerichtet. Bei der hybriden Arbeitstagung „Ombudsstellen wie, warum, wozu?“ vor kurzem in Wien kamen auch andere hochschulische Entscheidungsträger*innen zu Wort, darunter Vizerektorin Margarethe Rammerstorfer von der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie bezeichnet die Ombudsstelle an ihrer Institution als wichtiges Element einer „responsive university“ zur Etablierung einer konstruktiven Konfliktkultur mittels Input für signifikanten Änderungsbedarf. An der Johannes-Kepler-Universität Linz ist die dortige Ombudsstelle für Studierende vom seinerzeitigen Vizerektor Andreas Janko 2017 implementiert worden, dies, wie er bei der Tagung sagte, um unter anderem formalen studienrechtlichen Konflikten vorzubeugen. Mittlerweile wurde sie um das Welcome Center für internationale Studierende erweitert. „Die Ombudsstelle für Studierende an der JKU ist bleibend wichtig und entfaltet einen Nutzen für die Gesamtheit der Universität“, stellte der Linzer Vizerektor Stefan Koch fest.

Die jüngste Ombudsstelle im österreichischen Hochschulraum ist die im April 2021 eingerichtete Ombudsstelle für Studierende an der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI), die österreichweit insgesamt zwölfte. Nach jahrelangen Diskussionen seien es schließlich durch Corona herbeigeführte Begleitumstände gewesen, die zur Notwendigkeit der Verankerung dieser Ombudsstelle führten, so Vizerektor Peter Loidl von der MUI.

12 dezentrale Hochschulombudsstellen: Im Trend

Zu Alltagsbeispielen aus den existierenden Einrichtungen kamen sieben Praktiker*innen zu Wort. Als Schnittstelle zwischen internen Universitätsgremien sowie den Studierendenvertretungen sieht die Leiterin der Ombudsstelle für Studierende an der JKU Linz Sonja Matzinger-Falkner ihre Rolle. Für die saisonalen Schwankungen bei den Anliegen sei die Teamarbeit von Vorteil, so Christoph Schwarzl, Leiter der Ombudsstelle für Studierende an der Wirtschaftsuniversität Wien. Supervision begleite das Team bei schwierigen Anliegen. Lothar Fickert von der Ombudsstelle für Studierende an der Technischen Universität Graz meinte, Ombudsstellen brächten durch ihre Arbeit Nutzen durch die Verhinderung von Schaden. Barbara Good berichtete über die Ombudsstelle für internationale Programmstudierende der Universität Wien, die seinerzeit vom damaligen Vizerektor für Internationales, Heinz Faßmann, eingerichtet worden war.

Zwei Ombudspersonen von der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck, Susanne Roßnagl und Dominik Drexel, berichteten über die Entstehungsgeschichte ihrer Einrichtung. Sie waren sich einig, dass Konflikte als Symptome wahrgenommen werden sollten und dass sie zu Systemverbesserungen beitragen. Für den FH-Sektor schilderte Alois Böhm, Ombudsmann der FH des BFI Wien, seine Alltagserfahrungen, darunter die Zusammenarbeit mit Studierendenvertreter*innen. Gunter Waldek gab einen Einblick in die Arbeitsweise einer Ombudsstelle für Studierende an einer Privatuniversität, jener der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz.

Millenials als Herausforderung

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Hochschulisches Beziehungs- und Konfliktmanagement: Millenials und ihre Anliegen als Herausforderung und/ oder Chance?“

stellte Gernot Kubin, der Sprecher der Vorsitzenden der Senate der österreichischen Universitäten und Senatsvorsitzender an der Technischen Universität Graz, fest, dass für Millenials als Studierende die Vereinbarkeit von Studium und Beruf eines der wichtigsten Anliegen sei. Brigitte Lueger-Schuster, Psychologie-Professorin und Vorsitzende der Schiedskommission der Universität Wien, erwähnte das breitgefächerte und qualitativ hochwertige Angebot zur Konfliktbereinigung für alle Angehörigen der Universität Wien, u. a. durch die Schiedskommission. Die ministerielle Ombudsstelle erfülle die Kriterien der Allparteilichkeit besser als interne Stellen, die mitunter Befangenheitsprobleme hätten. Als gute Ergänzung des Qualitäts- und Beschwerdemanagements sah Rektor der FH BFI Andreas Breinbauer die Einrichtung einer Ombudsstelle für studentische Beschwerden an seiner Fachhochschule. Sie brachte zahlreiche Vorteile für die Studierenden und Lehrenden und mittlerweile fast keine Beschwerden mehr an das Ministerium. Aus Sicht des Geschäftsführers der Österreichischen Agentur für Qualitätssicherung Jürgen Petersen seien Ombudsstellen als Gegenstand der externen und internen Qualitätssicherung, ein unverzichtbarer Baustein der Qualitätskultur einer Hochschule. Für Nicole Föger von der Österreichischen Agentur für Wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) sei die Abgrenzung wichtig, ab wann eine Ombusdperson einen „Fall“ abgeben muss. Klar wurde, dass Millenials als markantes Element in der Studierendenpopulation weiterhin ein Phänomen im alltäglichen Beziehungs- und Beschwerdemanagement an Hochschulen bleiben werden.

Vernetzung und Unterstützung bei der Weiterentwicklung

Das seit 2016 bestehende österreichische Netzwerk der hochschulischen Ombudsstellen (www.hochschulombudsnetz.at) wird sich in Verfolg den während der Tagung geäußerten Anregungen durch einschlägige Aktivitäten widmen. Die wichtigsten Themen, die sich bei der Tagung herauskristallisiert haben, sind Training und Supervision für Ombudspersonen, Kosten-Nutzen-Rechnungen von Ombudsstellen für die Institutionen sowie die verbesserte Sichtbarkeit und Professionalisierung derselben. Der Hochschulombudsmann im Wissenschaftsministerium, Josef Leidenfrost, wies zum Abschluss der Tagung auf das im November des Vorjahres von den europäischen Hochschulbildungsminister*innen verabschiedete Rome Communiqué hin. Es ist für Österreich von Bundesminister Heinz Faßmann unterzeichnet worden und empfiehlt die Einrichtung von niedrigschwelligen unabhängigen Ombudsstellen zur Behandlung von Konflikten und Gewährleistung des Rechtsschutzes für Studierende. Die Assistenz bei der Initiierung und die Weiterentwicklung derartiger Einrichtungen an weiteren Hochschulen seien Schwerpunkte in den Jahresarbeitsprogrammen der ministeriellen Hochschulombudsstelle in den nächsten beiden Jahren so Leidenfrost abschließend.

Die Tagungsdokumentationen zu dieser Veranstaltung auch mit weiterführenden Dokumenten und Literatur werden sowohl gedruckt als auch elektronisch zur Verfügung gestellt werden.

Rückfragen & Kontakt:

Ombudsstelle für Studierende im BMBWF
Dr. Josef Leidenfrost, MA
Leiter der Ombudsstelle für Studierende
+43 1 53120 – 5533
josef.leidenfrost@bmbwf.gv.at
www.hochschulombudsmann.at

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