IV-Präsident Kapsch: Arbeitnehmerseite ist Verantwortung für Beschäftigung nicht nachgekommen

Wien (OTS) „Das heute verkündete Ergebnis der Sozialpartnerverhandlungen ist insofern bedauerlich, als zum wiederholten Mal fehlendes Verantwortungsbewusstsein der Arbeitnehmervertretungen Fortschritte zum Thema Arbeitszeitmodernisierung verhindert hat“, so der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Georg Kapsch, heute, Freitag, anlässlich der Verhandlungen zur Arbeitszeitflexibilisierung. „Die Bundesregierung hatte den Sozialpartnern die Themen Mindestlohn und (!) Arbeitszeitflexibilisierung übertragen, mit dem Ziel eine Lösung für beide Themen zu finden. Eine einseitige Einigung beim Mindestlohn, die heimische Unternehmen bis zu 900 Millionen Euro kostet, ist daher ohne eine zeitgemäße und faire Arbeitszeitregelung unverständlich. Die Chance auf die Lösung einer drängenden Standortfrage wurde für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Unternehmerinnen und Unternehmer vertan“, zeigt sich Kapsch enttäuscht. „Besonders bedauerlich ist, dass die Arbeitnehmerseite ihrer Verantwortung nach einer Stärkung des Arbeitsstandortes nicht nachgekommen ist und durch das Scheitern der Verhandlungen zur Arbeitszeit künftige Arbeitsplätze gefährdet. Der Verhandlungsstand hätte ohnehin nur kleinere Fortschritte bei der Arbeitszeitgestaltung vorgesehen, doch nicht einmal das war mit den Arbeitnehmervertretungen möglich“, so der IV-Präsident. Es sei daher nun von größter Wichtigkeit, dass die nächste Bundesregierung die Verwirklichung eines zeitgemäßen Arbeitsrechts „ganz oben auf die Agenda setzt. Denn als moderner Wirtschaftsstandort brauchen wir praxisgerechte Arbeitszeitregelungen, wenn wir international wettbewerbsfähig bleiben und damit Arbeitsplätze in Österreich sichern und schaffen wollen.“

Endlich in der Realität ankommen – Nicht mehr arbeiten, aber dann, wenn es sinnvoll ist

Die Position der Industrie sei nach wie vor, dass es mehr Spieleräume bei der Arbeitszeit, vor allem bei Gleitzeitregelungen eine Änderung der zulässigen Tageshöchstarbeitszeit von zehn auf zwölf Stunden, brauche. „Es werden keine generell längeren Arbeitszeiten verlangt und auch keine Überstundenzuschläge gekürzt. Aber es soll praxisgerecht dann gearbeitet werden können, wenn es sinnvoll ist – bei insgesamt gleichbleibender Arbeitszeit.“ Alle aktuellen Umfragen zeigen die Virulenz und die Notwendigkeit, sich hier endlich der Wirklichkeit zu stellen, auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätten sich in diesem Sinne ein Mehr an Flexibilität für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewünscht. Dem müsse nun die nächste Bundesregierung Rechnung tragen. Was es aber nicht geben könne, sei eine Rückkehr zur „Abtauschmentalität“ im Sinne einer Verknüpfung mit völlig aus der Zeit gefallenen Gegenforderungen wie Arbeitszeitverkürzung oder der leichteren Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche. „Allein Letzteres würde für die Unternehmen nochmals Zusatzkosten von bis zu 400 Mio. Euro pro Jahr verursachen“, so Kapsch, der abschließend betonte: „Der wirtschaftliche Aufschwung in Österreich gewinnt an Fahrt. Umso mehr müssen wir die Chance ergreifen und die Rahmenbedingungen am heimischen Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig gestalten, damit wir diesen Aufschwung nachhaltig für die Schaffung von Arbeitsplätzen und allgemeinen Wohlstand nutzen können. Wenn dies die Sozialpartner endgültig nicht mehr können, muss es durch die fortschrittlichen politischen Kräfte erfolgen.“

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