Wien (OTS) Eine langjährige Tradition erlaubte es muslimischen indischen Männern, sich binnen weniger Sekunden rechtsgültig von ihren Ehefrauen zu trennen. Sie mussten nur das Wort „Talaq“ – „Scheidung“ – dreimal nacheinander aussprechen, und die Ehe war geschieden. Im Jahr 2016 begannen muslimische Frauenrechtsaktivistinnen eine Kampagne, um ein Verbot der Blitzscheidung zu erreichen. Die iranisch-kanadische Filmemacherin Shazia Javed zeigt in ihrem „kreuz und quer“-Dokumentarfilm „Blitzscheidung“ am Dienstag, dem 17. Juli 2018, um 22.30 Uhr in ORF 2 den Kampf der indischen Musliminnen für ein Verbot dieser frauenverachtenden Praxis.
„Die Ungewissheit ist ein Element unseres Daseins. Man kann versuchen, die sichere Ungewissheit in eine unsichere Gewissheit zu verwandeln – aber niemand kann sich den Glauben ersparen“, beginnt danach um 23.20 Uhr Franz Schuh seine filmische „kreuz und quer“-Reise über das Thema Glauben.

„Blitzscheidung“ – Ein Film von Shazia Javed (deutschsprachige ORF-Bearbeitung: Rosemarie Pagani-Trautner)

Lubna Choudhary, die Hauptprotagonistin dieser Dokumentation, ist selbst ein Opfer der Blitzscheidung. Nach einem Streit hatte ihr Ehemann dreimal das gefürchtete Wort „Talaq“ ausgesprochen, und sie war geschieden. Ohne Arbeit und ohne Wohnung fand sie gemeinsam mit ihrem Sohn Unterkunft bei ihrer Mutter. Tief verletzt begann sie sich nach einiger Zeit für die Schicksale anderer, ebenfalls von dieser muslimischen Scheidungspraxis betroffenen Inderinnen zu interessieren und schloss sich der Frauenrechtsorganisation „Bharatiya Muslim Mahila Andolan“ – „Muslimische Frauen Indiens“ – an, ein Verein, der für die Gleichberechtigung indischer Musliminnen kämpft.
Gemeinsam mit anderen Frauenrechtsaktivistinnen führte sie viele Gespräche mit muslimischen Rechtsgelehrten und Geistlichen, um herauszufinden, ob diese Form der Scheidung überhaupt im Koran gebilligt wird. Dabei bekamen die Frauenrechtsaktivistinnen sehr unterschiedliche Aussagen zu hören. Einige verteidigten diese Tradition vehement und setzten sich für eine Beibehaltung der Blitzscheidung ein, andere hingegen hielten diese Form der Scheidung für unislamisch. Nach landesweiten Informationskampagnen begannen Vertreterinnen des Vereins „Muslimische Frauen Indiens“ Unterschriften zu sammeln und brachten bei Gericht und bei der Regierung eine Petition ein, die Blitzscheidung gesetzlich zu verbieten.
Im Jahr 2017 konnten die Frauen einen Etappensieg erreichen: Am 22. August erklärte der Oberste Gerichtshof die Blitzscheidung für rechtswidrig. Nach diesem Urteilsspruch des Gerichts kam es jedoch nach wie vor zu Blitzscheidungen, was landesweite Proteste von Musliminnen nach sich zog. Im Dezember 2017 veröffentlichte daraufhin die indische Regierung einen Gesetzesentwurf, der die Blitzscheidung zur strafbaren Handlung erklärte. Allerdings ist dieses Gesetz bis heute nicht rechtskräftig geworden. Doch die indischen Musliminnen werden ihren Kampf nicht aufgeben, wie Shazia Javed in ihrem sehr persönlichen Dokumentarfilm zeigt.

„Herr Schuh und der Glaube“ – Ein Film von Florian Gebauer, erzählt von Franz Schuh

Im fünften Teil der „kreuz und quer“-Reihe spannen Franz Schuh und Regisseur Florian Gebauer den essayistischen Bogen vom Aberglauben über den Mythos Fußball bis hin zur transzendenten Glaubenskrise. Eine Astrologin erklärt, wie sie am Himmel ablesen kann, wann der richtige Zeitpunkt für eine Entscheidung gekommen ist. Der Psychiater Reinhard Haller glaubt an das Zeitalter des Narzissmus, den überzogenen Glauben an sich selbst. Ein Austria- und ein Rapid-Anhänger diskutieren über den Mythos ihrer Vereine, und die Burgschauspielerin Elisabeth Augustin verrät, ob sie sich an die vielen abergläubischen Sätze im Theaterreich hält.
„Es ist erstaunlich, wie viel man glauben muss, um das Gefühl zu haben, jetzt weiß ich was: Wenn ich mein Haus verlasse, glaube ich, das geht gut aus, und ich glaube, dass die Ordnung, die gestern noch herrschte, auch heute in Kraft ist. Mit so einem Vertrauen lebt man, aber wissen kann man nicht, ob es gerechtfertigt ist“, so Franz Schuh.

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