Am 13. Dezember ab 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) Im November des Vorjahres flüchtete Familie Hamazeez aus der irakischen Stadt Kirkuk nach Österreich. Gemeinsam mit dem neunjährigen Sohn und der achtjährigen Tochter kam das Ehepaar im steirischen Kumberg nahe Graz unter. Ein Jahr lang haben die Kumbergerinnen und Kumberger gemeinsam mit den Flüchtlingen gegen die eigenen Ängste und Vorurteile gearbeitet, um einander besser verstehen und vertrauen zu können. Das Resultat: Eine beispielhafte und gelungene Integration trotz einer politisch gespaltenen Gemeinde. Im September hätte die Familie nach Kroatien abgeschoben werden sollen. Die Kumberger versuchten jedoch mit allen Mitteln, die Abschiebung zu verhindern. „kreuz und quer“ – präsentiert von Doris Appel – fragt am Dienstag, dem 13. Dezember 2016, um 22.35 Uhr in ORF 2 nach: bei den Kumbergern, bei politischen und kirchlichen Verantwortungsträgern und in Kroatien, wohin die Familie abgeschoben werden soll.

Um 23.15 Uhr folgt die Reportage „Verehrt oder geschlagen – Islam, Frauen und Familie“: Zwangsverheiratungen von Minderjährigen, Gewalt in der Ehe und Übergriffe auf Frauen – Meldungen mit solchen Inhalten werden verstärkt wahrgenommen, seit der Zustrom von Flüchtlingen aus islamischen Ländern nach Europa angestiegen ist. Auch interessiert die Frage zunehmend, wie im Islam das Verhältnis der Geschlechter zueinander in Bezug auf Ehe und Familie geregelt ist. Häufig steht die muslimische Frau im Zentrum der Debatten: hochverehrt und geachtet oder unterdrückt und unfrei? Die Reportage fragt glücklich verheiratete ebenso wie nach langem Martyrium geschiedene Frauen nach ihren Erfahrungen mit Ehe und Familie, afghanische Einwanderer, selbstbewusste junge Musliminnen und Islam-Experten diskutieren, welche Rolle Tradition, Religion, Kultur und individuelle Werthaltungen in Beziehungsfragen spielen.

„Ein Ort kämpft um seine Flüchtlinge“ – Ein Film von Zoran Dobric

Im September sollte die irakische Familie Hamazeez nach Kroatien abgeschoben werden. Dort hätte – so die österreichischen Behörden – ihr Asylverfahren abgewickelt werden müssen. Rechtlich wäre das möglich gewesen. Rechtlich wäre es aber genauso möglich gewesen, das Asylverfahren in Österreich durchzuführen und der Familie die Möglichkeit zu geben – sollte der Asylantrag positiv erledigt werden –, in Österreich zu bleiben. Die Kumberger hätten das zu einem großen Teil begrüßt und versuchten mit allen Mitteln, die Abschiebung zu verhindern. Als ein zweiter Abschiebe-Versuch im Oktober im Raum stand, haben die engagierten Steirer sogar den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingeschaltet, der der österreichischen Regierung empfahl, den Fall zu prüfen.

Die engagierten Gemeindemitglieder von Kumberg fühlen sich von der Regierung betrogen: „Vor einem Jahr wurde uns ein klarer Auftrag erteilt: ‚Nehmt Flüchtlinge auf und integriert sie!‘ Jetzt sind sie bestens integriert, und jetzt sollen sie abgeschoben werden, ohne dass jemals jemand mit uns gesprochen hat!“. Die Integrationsversuche der Einwohnerinnen und Einwohner haben den Ort verändert – es ist viel diskutiert worden, es haben sich Menschen zusammengefunden, die bisher wenig bis gar nichts miteinander zu tun hatten. Freilich – auch darüber schweigt man nicht – gibt es kritische und besorgte Stimmen im Ort, die den Flüchtlingen skeptisch gegenüberstehen.

„Verehrt oder geschlagen – Islam, Frauen und Familie“ – Eine Reportage von Thomas Grusch und Elisabeth Krimbacher

Özlem Akar ist Psychotherapeutin und arbeitet seit vielen Jahren als türkischsprachige Beraterin im Frauengesundheitszentrum FEM Süd in Wien: „Ich spüre in den vergangenen Jahren eine starke Rückbesinnung auf den Islam, insofern sind die Rollen auch wieder wichtiger geworden als noch vor sechs oder sieben Jahren. Die Rolle des Mannes ist es, die Familie zu ernähren, die Rolle der Frau ist Gehorsam.“ Für Frauen ist es oft schwierig oder unmöglich, aus schlechten Ehen auszubrechen, das Aushalten und Dulden ist ein über die Generationen überlieferter Weg, mit einer solchen Situation umzugehen. Edina Cokić und Mahdi Mekić aus Graz prägen ein anderes Bild einer muslimischen Ehe: Seit 16 Jahren glücklich verheiratet, lebt die ursprünglich aus Bosnien stammende Familie ihren Glauben selbstbewusst und aktiv. Der tägliche respektvolle Umgang miteinander gehört genauso dazu wie das gemeinsame Beten.

Komplexe Fragestellungen ergeben sich, wenn man nach den Ursachen für frauenverachtende Praktiken in islamischen Familien fragt. Imam Ramazan Demir ist sich sicher, dass es die Verirrungen einzelner Männer sind, die ein schlechtes Image des Islam in Frauenangelegenheiten verursachen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass irgendwelche Idioten unsere Religion missbrauchen“, argumentiert er. Fatal in seinen Augen ist auch die Idee, den Koran heute „wortwörtlich“ zu nehmen, er plädiert für ein kontextgebundenes Verstehen dieses 1.400 Jahre alten Buches. Dass Gewalt gegen Frauen keine Erfindung des Islam ist, scheint evident, dennoch lassen sich – wenn man möchte – im Koran wie in keinem anderen heiligen Buch Stellen finden, die zur Legitimation von Gewalt dienen können. Gegen das „Schönreden“ solcher Koranstellen wehrt sich Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi: „Wir müssen die Sachen so benennen, wie sie sind, und wir müssen auch keine Angst haben, Koranstellen zu kritisieren“. Der Koran ist gedacht für eine Gesellschaft des siebten Jahrhunderts und sollte auch im historischen Kontext gelesen werden, so Ourghi.

Die Sendungen sind auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) – vorbehaltlich vorhandener Online-Lizenzrechte – als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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