Außerdem: Dokumentation „Belmondo, der Unwiderstehliche“

Wien (OTS) Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“ am 29. März 2021 um 22.30 Uhr in ORF 2 widmet sich u. a. dem Theaterfest Niederösterreich, das auch diesen Sommer Pandemie-bedingt in Gefahr zu sein scheint. Weiters befasst sich die Sendung mit einem neuen Buchprojekt des österreichischen Fotografen Lois Hechenblaikner, der darin die geheime Gästekartei des vor 30 Jahren abgebrannten Schweizer Grand Hotel in Vulpera im Unterengadin entschlüsselt und damit die auseinanderfallende Gesellschaft vor und während des Zweiten Weltkriegs besonders spürbar macht. Außerdem: ein Blick auf die neue Ausstellung „Sehnsucht Ferne“ auf der Schallaburg über die Entdecker und Abenteurer früherer Jahrhunderte. Anschließend steht die Dokumentation „Belmondo, der Unwiderstehliche” (23.30 Uhr) auf dem Programm.

Stotternder Wirtschaftsmotor – Theaterfest Niederösterreich in Gefahr

Schon im Vorjahr hieß es Pause für 20 Spielstätten in ganz Niederösterreich. Spielt die Pandemie dem sommerlichen Kulturleben, das Jahr für Jahr von Juni bis September rund 240.000 Besucher/innen mit Begeisterung angenommen haben, heuer den nächsten Streich? Was bedeutet es für eine Region, wenn die Kulturproduktionen direkt vor der Haustür nicht stattfinden können? Vor fast 40 Jahren wurde das Theaterfest Niederösterreich ins Leben gerufen, das kulturelle Angebot deckt alle Sparten der darstellenden Kunst ab und hat sich als Marke etabliert. Bis Mitte April müssen die Verantwortlichen Bescheid wissen, ob ihre Inszenierungen stattfinden können, geht es doch um Produktionen zwischen 500.000 und einer Million Euro pro Spielort. Wie wichtig das Theaterfest als Wirtschaftsmotor für eine Region ist, zeigt der „kulturMontag“ am Beispiel der Marktgemeinde Staatz im Bezirk Mistelbach mit ihrer atemberaubenden Felsenbühne. Denn von einer Absage sind auch andere regionale Gewerbe betroffen. Sorgen macht sich Intendant und Obmann des Vereins Theaterfest NÖ, Werner Auer, auch um seine Orchestermusiker und sein Team. Viele kommen von der Uni, haben keine Engagements und warten sehnsüchtig darauf, in irgendeiner Form spielen und singen zu können.

Geheimkartei – Der Krimi um ein Grand Hotel

Aus bis heute ungeklärten Gründen brannte vor mehr als 30 Jahren das renommierte Grand Hotel in Vulpera im Unterengadin ab und sorgt bis heute für Krimispannung pur. Das im Neorenaissance-Stil erbaute Gebäude mit kunstvollen Sgraffito-Elementen galt europaweit lange Zeit als erste Adresse im Bädertourismus der Alpen und als Wahrzeichen der Belle Époque. Über die Gäste – eine illustre Schar an Künstlern und Politikern, Nazi-Größen und Juden – wurden geheime Karteien mit teilweise codierten Bemerkungen über Verhalten, Telefonate und vieles mehr geführt. In der Zwischenkriegszeit und vor allem während des Zweiten Weltkrieges war das Haus ein Ort, an dem die Verwerfungen einer auseinanderfallenden Gesellschaft spürbar wurden. Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt setzte dem Grand Hotel in seinem letzten Roman „Durcheinandertal“ ein Denkmal, war er doch selbst seit Ende der 1950er Jahre gerne hier zu Gast. 1989 wurde das Hotel in Schutt und Asche gelegt, wer hinter dem Brandanschlag steckte, ist bis heute unklar. Gerettet werden konnte aber die Gästekartei mit 20.000 Karten. Diese seltene Quelle erlaubt spannende Einblicke in das Geschehen, auf Gäste und Personal. Erstmals konnten im Rahmen eines Buchprojekts des österreichischen Fotografen Lois Hechenblaikner, für das er gemeinsam mit einer Historikerin recherchierte, spezielle Codes entschlüsselt werden. Auch der letzte Direktor des Grand Hotels stand als Zeitzeuge zur Verfügung.

„Sehnsucht Ferne – Aufbruch in neue Welten“ auf der Schallaburg

Exotische Strände und fremde Kulturen scheinen heute in fast so weiter Ferne wie damals, als die ersten Abenteurer und Weltreisenden aus Europa aufbrachen, um für sie neue Welten zu entdecken, zu erforschen – und auszubeuten. Eine opulente Schau auf der Schallaburg bei Melk widmet sich nun unter dem Titel „Sehnsucht Ferne“ dem Aufbruch in Neue Welten, der immer auch ein Eindringen war. Nicht allein das romantisierte Bild von goldgierigen Konquistadoren, abenteuerlustigen Entdeckern und fanatischen Forschern, der Mythos von Helden wie James Cook, Alexander von Humboldt, Johann Natterer oder der Weltreisenden Ida Pfeiffer wird zelebriert. Es wird auch beleuchtet, wie es den „Entdeckten“ selbst mit der „Entdeckung“ durch die Europäer ergangen ist – denn „entdeckt“ worden sind die Einheimischen nur aus eurozentrischer Sicht. Vorurteile und Klischees prägen bis heute das Bild von diesen „Anderen“, allzu selten wird auf deren Blickwinkel Bezug genommen. Eine Rarität der Schau ist etwa die im Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bewahrte Stimmaufnahme des afrikanischen Trägers Mori Duise, der 1913 vor dem Eindringen der Europäer in seine Heimat warnt. Zu Wort komm auch ein Mitglied des indigenen Stammes der Munduruku aus Brasilien, das auf den Spuren seiner Vorfahren für die Dokumentation „Natterers Schätze“ das Weltmuseum Wien besuchte. Der „kulturMontag“ hat die Schallaburg-Ausstellung besichtigt und auch mit einer Kulturanthropologin des Weltmuseums über heutige Standards beim Entdecken, Sammeln und Forschen gesprochen.

Dokumentation „Belmondo, der Unwiderstehliche“ (23.30 Uhr)

Abenteurer, Stuntman, charmanter Frauenheld – Jean-Paul Belmondo galt schon als Jugendlicher als aufmüpfig, war begeisterter Amateurboxer. Schon als Kind zeigte er komödiantisches Talent. Das enge Korsett, das ihm die Traditionalisten unter den Schauspiellehrern an der Akademie anlegen wollen, sprengte der Spross einer renommierten Künstlerfamilie – wegen unbotmäßigen Verhaltens blieb ihm die Aufnahme an der Comédie-Francaise verwehrt. Die Begegnung mit Jean-Luc Godard brachte 1960 den Durchbruch beim Film: Nach „Außer Atem“ ging dann alles ganz schnell: „Bébel“, wie ihn die Franzosen liebevoll nennen, wurde eines der bekanntesten Gesichter der Nouvelle Vague. Fortan drehte er mit Regiegrößen wie Claude Sautet, Jean-Pierre Melville oder Claude Chabrol. In dieser Hommage von Bruno Sevaistre spricht der französischen Schauspielstar, der in seiner Heimat längst im Rang eines nationalen Heiligtums steht, über seinen Werdegang, seine Familie und seine Erfolge. Viele seiner Wegbegleiter, darunter Alain Delon und Alain Resnais, kommen zu Wort und zeichnen das Bild eines Mannes, der mit seiner lässig-virilen Art scheinbar mühelos den Spagat zwischen anspruchsvollem Kino, Abenteuerfilmen und Actionkomödien schaffte. Der Filmemacher hat tief in den Archiven geschürft und seine Fundstücke zu einem Psychogramm eines der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts montiert.

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