Innsbruck (OTS) Der Helfer der politischen Konkurrenten
Neuerlich hat Hans Peter Doskozil der SPÖ schlechte Schlagzeilen beschert. Rendi-Wagner & Co. können nur hoffen, dass nach dessen Rückzug aus der Bundespartei nicht noch mehr als bisher gegen die inhaltliche Linie kommt.

Von Karin Leitner
Einmal mehr zeigt sich: Gewisse Parteifreunde schaden mehr als die Polit-Konkurrenten. Was einst in der ÖVP gang und gäbe war, ist Usus in der SPÖ.
Immer wieder schießt ein Landeshauptmann verbal gegen die Bundesspitze. Als Streithanslpartie stehen die Sozialdemokraten neuerlich da.
Hans Peter Doskozil hat wissen lassen, dass er beim kommenden Parteitag nicht mehr als Stellvertreter von Pamela Rendi-Wagner kandidiert. Im Normalfall eine Randnotiz: Wer weiß schon außer-, ja auch innerhalb der Sozialdemokratie, wer Parteivize ist. 17 solche gibt es bei den Roten, auf sechs soll dezimiert werden.
Groß gemacht hat Doskozil die Sache – durch einen Brief an die Vorsitzende und die Präsidiumsmitglieder. Der ist publik geworden, was wohl in des Burgenländers Sinne ist. In dem Schreiben beklagt er das inhaltliche Wirken der roten Frontfrau; wie schon zuvor moniert er die Corona-Politik, wie oft zuvor jene zur Migration. Dass er bei der Zusammenkunft am 26. Juni nur als „einfacher Delegierter“ sein werde, erläutert er so: Er tue das „einzig und alleine in der Absicht, die SPÖ aus dem medialen Dauerfeuer zu nehmen – weil mir die Zukunft unserer Partei, wie euch allen, ein Herzensanliegen ist“. Auch wenn Doskozil anmerkt, „das eine oder andere Mal den Bogen überspannt“ zu haben, geriert er sich mit dieser Aussage als Samariter.
Dabei hat er der Partei „mediales Feuer“ beschert. Mit der jetzigen Aktion macht er das ebenfalls. Dass diese „ohne Groll“ von ihm kommt, ist zu bezweifeln. Rendi-Wagner hat kürzlich etwas getan, das Genossen längst von ihr gefordert hatten – „Leadership“ zu zeigen. Sie kritisierte den Landeshauptmann coram publico – dafür, dass er den Corona-Lockdown in seinem Bundesland überraschend beendet hat. Derlei Schelte lässt sich ein Alpha-Mann wie Doskozil nicht bieten. Dass er sich fortan auf das Burgenland konzentriert, können Rendi-Wagner & Co. hoffen; eine Garantie dafür haben sie nicht. Mag sein, dass sich der Landeschef noch öfter zu Wort meldet als bisher, als einfaches Mitglied der Partei.
Damit hätte vor allem die ÖVP weiterhin einen oppositionellen Helfer; auch dass gegen ihn in der Commerzialbank-Affäre ermittelt wird, kommt ihr zupass.
Laut Umfragen hat die SPÖ leicht an Zuspruch gewonnen, Türkise und Grüne haben Vertrauen eingebüßt. Just da kommt wieder Doskozil. Was Sozialdemokraten erzürnt, erfreut die Vertreter der Kanzlerpartei. Die Scheinwerfer gehen weg von ihren Problemen – und beleuchten neuerlich das Innere der Sozialdemokratie.

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