Innsbruck (OTS) Warnungen vor dem Klimawandel verhallen seit Jahrzehnten. Die Auswirkungen wie Unwetter- und Brandkatastrophen werden immer schmerzlicher spürbar und sind bereits unumkehrbar. Es bleibt nur, noch Schlimmeres zu verhindern.

Von Gabriele Starck
Wozu Weltklimarat? Wozu sein neuer Sachstandsbericht, dessen erster Teil heute in Genf präsentiert wird? Zwei Blicke täglich – einer aus dem Fenster, der zweite in die Zeitung – reichen aus, um zu erkennen:
Da ist etwas nicht mehr so, wie es einmal war. Südosteuropa brennt, Berghänge in den Alpen schwemmt es davon und in Deutschland sterben mehr als 200 Menschen bei einem lokalen Starkregen.
Eine Unwetterkatastrophe und eine Hitzewelle allein machen noch keinen Klimawandel, richtig. Doch all das wiederholt sich – und nicht nur 30- oder hundertjährlich. Die ligurische Küste etwa und das Piemont werden jedes Jahr mehrmals von Unwettern heimgesucht – inklusive Todesopfern und Zerstörung. Felsstürze, Murenabgänge in den Bergen, Überflutungen im Alpenvorland – all das liegt nicht unmittelbar an ein paar Zehntelgraden mehr. Das System ist komplex und das macht es so tückisch.
Seit Jahren setzen sich Wetterlagen fest – seien es nun Hitzewellen im Süden und Osten oder die Tiefs mit ihren Niederschlägen im Norden bzw. in den Westalpen. Grund dafür sind die Jetstreams in zehn Kilometern Höhe, die sich aufgrund der raschen Erwärmung im Norden verlangsamen. Glücklich kann damit niemand sein – nicht Landwirte, nicht Touris­tiker und auch nicht Urlauber. Die globalen Klimasysteme verlieren an Stabilität, auch beim fürs milde Wetter in Europa verantwortlichen Golfstrom verdichten sich die Warnzeichen für einen Kollaps. Möglichst unter 1,5 Grad Erderwärmung zu bleiben, hat die Staatengemeinschaft 2015 in Paris beschlossen. Es sind schon jetzt 1,2 Grad.
Es wird viel geredet und geplant, gehandelt wird nicht. Die Regierenden scheuen sich, ihren WählerInnen die Wahrheit und die damit verbundenen Konsequenzen zuzumuten – sei es aufgrund bevorstehender Wahlen, finanzieller Eigeninteressen oder aus schierem Populismus. Es wird verdrängt, verschoben und versprochen – etwa dass der Klimawandel von neuen Technologien beherrscht werden kann und die Anpassung daran nichts kosten wird. Doch die Erderwärmung kostet, je später wir ihr begegnen, desto mehr an Menschenleben, Infrastruktur, Arbeitsplätzen und Wohlstand. Auch der Klimaschutz wird kosten: Geld, um in die Zukunft zu investieren, keineswegs aber Lebensqualität – im Gegenteil.
Der Weltklimarat versucht seit 1988 auf Basis der neuesten Forschungsergebnisse klarzumachen, was mit dem Klima passiert, weshalb und wozu das führen wird, wenn die Menschheit so weitermacht wie in den vergangenen 121 Jahren. Sie sollte ihm endlich zuhören, bevor sie es endgültig vergeigt.

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