Mauthausen (OTS) Gemeinsam mit den Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers haben heute Tausende Menschen an der internationalen Befreiungsfeier der KZ-Gedenkstätte Mauthausen teilgenommen, die vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) organisiert worden ist. Gemeinsam gedachten sie unter dem Schwerpunktthema „Politischer Widerstand“ der Befreiung des KZ Mauthausen vor 77 Jahren und dessen Opfern. Die Feierlichkeiten wurden über Live-Stream international auf www.mkoe.at wie auch auf ORF III übertragen.

Anlässlich der 77. Wiederkehr der Befreiung des KZ-Mauthausen lud das Mauthausen Komitee Österreich in Zusammenarbeit mit dem Comité International de Mauthausen (CIM) und der Österreichischen Lagergemeinschaft (ÖLM) wieder zur internationalen Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Die Gedenk- und Befreiungsfeiern des MKÖ und seines Netzwerks widmen sich im Jahr 2022 dem thematischen Schwerpunkt “Politischer Widerstand”. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde zivilcouragiertes Handeln, das die eng gesetzten Grenzen des Systems überschritt, oftmals zu politischem Widerstand. Sobald man vom Regime als politisch Andersdenkender ausgemacht wurde, musste man mit Verhaftung, Folter und Hinrichtung rechnen. Weit über 90 Prozent der Opfer waren weder Deutsche noch Österreicher, weshalb das Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager einen besonderen internationalen Stellenwert hat. Österreichweit finden zudem an den Orten ehemaliger Außenlager eine Vielzahl von Gedenkfeiern statt, die von lokalen Initiativen im Netzwerk des MKÖ organisiert werden. Das Gedenken in Mauthausen ist europaweit die größte Befreiungsfeier.

Willi Mernyi, Vorsitzender des MKÖ, ruft angesichts der Aktualität des diesjährigen Schwerpunktthemas zu Zivilcourage auf: „Wir sind heute hier, um den Opfern des Nazi-Terrors zu gedenken und die Befreiung vor 77 Jahren zu feiern. Vor allem aber wollen wir an die Personen erinnern, die politischen Widerstand geleistet haben und damit ihr Leben riskierten. Zivilcourage ist auch in der heutigen Zeit ein wichtiges Thema – ob digital oder analog. Denn wer stillschweigt, akzeptiert den Hass, der uns umgibt.“

Befreiungsfeier in Form eines Gedenkzuges
An der Gedenk- und Befreiungsfeier nehmen jährlich tausende Menschen aus Europa und der ganzen Welt teil, darunter die letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager sowie zahlreiche Jugendliche aus Österreich und der ganzen Welt. MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi richtete während der gemeinsamen Befreiungsfeier seine Begrüßungsworte an die tausenden TeilnehmerInnen, insbesondere an die KZ-Überlebenden sowie ZeitzeugInnen bei der Befreiungsfeier und vor den Bildschirmen und an die tausenden anwesenden Jugendlichen. Vor der Begrüßung wurde die Befreiungsfeier mit einer virtuellen Verlesung des „Mauthausen-Schwurs“ in mehreren Sprachen durch internationale Jugendliche eröffnet. Das MKÖ zeigte während des Gedenkzugs auch Kurzvideos zum thematischen Schwerpunkt, die gemeinsam mit VertreterInnen von diversen Jugendorganisationen produziert worden sind. Der Schriftsteller Daniel Kehlmann stellte dem Mauthausen Komitee Österreich eine Videobotschaft für die diesjährige Befreiungsfeier zur Verfügung.

Im Rahmen der gemeinsamen Befreiungsfeier erfolgte die Kranzniederlegung durch rund 130 Delegationen. Redebeiträge von MKÖ-Vorsitzenden Willi Mernyi und CIM-Präsidenten Guy Dockendorf waren ebenfalls Teil des Gedenkens. Musikalisch begleitete das Ensemble „Widerstand“ den gesamten Gedenkzug. Mehrsprachig moderiert wurde die Gedenkfeier, wie auch in den vergangenen Jahren, durch Konstanze Breitebner und Mercedes Echerer. Der Weg des Gedenkzugs endete schließlich mit dem Auszug aus dem ehemaligen Schutzhaftlager, mit dem die Befreiung der KZ-Inhaftierten im Jahr 1945 symbolisiert wurde. Anschließend gab es die Möglichkeit für individuelles, stilles Gedenken.

Fotos und Presseunterlagen zur Gedenk- und Befreiungsfeier 2022: https://www.befreiungsfeier.at/news-fotos/presse

Statements:

Karl Nehammer, Bundeskanzler:
„Mehr als vier Jahrzehnte hat es gedauert, bis das offizielle Österreich anerkannt hat, in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur Opfer, sondern auch Täter gewesen zu sein. Was wir heute als selbstverständlich betrachten, war ein langer und mühsamer Prozess für unser Land. Die ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen und Gusen spielten bei der Aufarbeitung der NS-Zeit eine wichtige Rolle. Heute sind sie nicht nur Gedenkstätten, sondern auch wichtige Mahnmäler für uns und für künftige Generationen.“

Othmar Karas, Erster Vizepräsident des Europäischen Parlaments:
„Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit gegenüber faschistischen Tendenzen ist heute aktueller denn je. Für uns alle war unvorstellbar, dass es in Europa je wieder zu einem Krieg kommt. Dieser wird vom Aggressor ungeheuerlicherweise als Kampf gegen Nazis gerechtfertigt. Umso wichtiger ist es, das Gedenken an die tatsächlichen Millionen Opfer des Nationalsozialismus als starkes Zeichen gegen faschistische Tendenzen zu nutzen, woher auch immer diese kommen. Die Gräueltaten müssen uns immer Mahnung und Auftrag zugleich sein, dass wir als Gesellschaft und als PolitikerInnen die Menschenrechte hochhalten. In Zeiten, wo der Antisemitismus wieder verharmlost wird und neu erwacht, gilt es als Gesellschaft noch entschlossener dagegen aufzutreten.“

Johannes Rauch, Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz:
„Gerade in Zeiten, in denen Verschwörungsmythen wieder Zuspruch erhalten, in denen Hassreden über einen einzigen Mausklick verbreitet werden können, ist es unumgänglich, sich für ein weltoffenes Miteinander einzusetzen. Die Kultur der Erinnerung an das dunkelste Kapitel der österreichischen Geschichte muss gegenwärtig umso höher gehalten werden. Österreich trägt an den Gräueltaten der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus Mitschuld. Die Befreiungsfeier in Mauthausen erinnert uns jedes Jahr wieder an unsere Verantwortung, wachsam zu bleiben und sicherzustellen, dass sich die Schrecken des Nationalsozialismus nie wiederholen.“

Martin Kocher, Bundesminister für Arbeit:
„Der Tag der Befreiung im Jahr 1945 markiert das Ende des furchtbaren NS-Regimes. Das Geschehene darf niemals vergessen werden. Österreich muss sich seiner historischen Verantwortung bewusst bleiben.“

Karoline Edtstadler, Bundesministerin für EU und Verfassung:
„Das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus ist ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur in Österreich und in Europa, die wir alle gemeinsam zu jeder Zeit stützen und aufrechterhalten müssen. Nur so können wir sicherstellen, dass sich die dunkelsten Zeiten in unserer Geschichte nicht mehr wiederholen.“

Susanne Raab, Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien:
„Der 8. Mai als Tag der Befreiung erinnert uns an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte, an die grausamen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das unvorstellbare Leid während der NS-Zeit. Gerade auch vor dem Hintergrund des schrecklichen Angriffskriegs in der Ukraine ist es wichtig, aufrichtig den Opfern zu gedenken und jenen entgegenzutreten, die die Schrecken der Vergangenheit zur Rechtfertigung ihrer Verbrechen in der Gegenwart missbrauchen.“

Dr. Michael Ludwig, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien:
„Die aus Wien stammende Holocaust-Überlebende und Schriftstellerin Ruth Klüger zitierte Sigmund Freud, als sie in einer Rede zum Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus von kollektiver „Verdrängung“ der nationalsozialistischen Gräuel sprach. Nicht nur der Einzelne, auch eine Gesellschaft könne Teile ihrer Vergangenheit verdrängen, meinte Klüger. Dagegen hilft nur eines: erinnern, bezeugen und informieren! Und dafür steht das Mauthausen Komitee Österreich, das mit dem „Fest der Freude“ und der „Internationalen Gedenk- und Befreiungsfeier“ sowohl an den Terror der Nationalsozialisten und deren Opfer als auch an die Zivilcourage und den Widerstand der Antifaschistinnen und Antifaschisten sowie an die Befreiung von der Gewaltherrschaft der Nazis Jahr für Jahr verlässlich erinnert.“

Christoph Wiederkehr, Vizebürgermeister von Wien:
„Es ist unsere Pflicht, aus der Vergangenheit zu lernen, in der Gegenwart Zivilcourage zu zeigen und den Blick demütig in die Zukunft zu richten. Das bedeutet, jeden Tag überzeugt gegen Diskriminierung, Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und jede Art von Ausgrenzung einzutreten.“

Ernst Woller, Landtagspräsident Wien:
„Wir Politiker*innen sind dazu angehalten, ein politisches System zu garantieren, das für soziale Sicherheit und Frieden sorgt. Wir müssen für eine Gesellschaft stehen, die über alle Partei- und Religionsgrenzen zusammenhält. Und die mit Entschiedenheit und Zivilcourage jede Form von Antisemitismus und Rassismus bereits in ihren Anfängen bekämpft. Und zu dieser Zivilcourage auch ermutigt.“

Manuela Khom, Landtagspräsidentin Steiermark:
„Es ist wichtig und notwendig die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Zeit wieder und wieder, von Generation zu Generation weiterzugeben und zu wahren. Neben dem Gedenken an die Opfer dieser Zeit, soll uns die Erinnerung als mahnender Appell begleiten, wenn wir künftige Entwicklungen des politischen Geschehens beobachten. Aus der Vergangenheit wissen wir, wie wichtig das frühe Erkennen von den Anfängen demokratiezerstörerischer Entwicklungen ist, bevor jeglicher Widerstand mit eiserner Härte zerstreut wird. Darum sind wir alle laufend gefordert, achtsam und mit offenen Augen Prozesse mitzuverfolgen und wenn nötig Widerstand zu leisten.“

Sonja Ledl-Rossmann, Landtagspräsidentin Tirol:
„Jene Frauen und Männer, die vor rund 80 Jahren trotz Gefahr für Leib und Leben eben nicht tatenlos geblieben sind und ihre Überzeugungen bis zum Schluss vertreten haben, sollen uns stets vor Augen führen, dass persönliche Courage nicht optional, sondern essentiell für eine freie Gesellschaft ist.“

Verena Dunst, Landtagspräsidentin Burgenland:
„Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist unsere Verpflichtung, damit uns das Leid und die Qualen dieser Menschen eine stete Ermahnung für die Zukunft bleiben! Gedenkstätten wie Mauthausen verdeutlichen, dass Demokratie hohe Wachsamkeit gegenüber Tendenzen und Entwicklungen braucht, die einem neuen Extremismus den Weg bereiten könnten.“

Thomas Stelzer, Landeshauptmann Oberösterreich:
„Geschichte ist nie vergangen, sie wirkt immer auch in die Gegenwart und die Zukunft herein. Wie bedeutend das Erinnern für das Heute und Morgen ist, wird bei den Themen „Widerstand und Zivilcourage“ besonders deutlich. Ich bin daher dankbar, dass das Mauthausen Komitee in diesem Jahr diesen Aspekt in den Mittelpunkt des Gedenkens stellt. Mit Stolz und Dankbarkeit erinnern wir uns an die Menschen, die den Mut gehabt haben, sich offen gegen das NS-Regime zu stellen. Gleichzeitig eint uns das Bekenntnis dazu, alles zu tun, dass ihr Heldentum nie wieder notwendig werden wird.“

Hermann Schützenhöfer, Landeshauptmann Steiermark:
„Auch 77 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen dürfen wir diese dunklen Kapitel unserer Geschichte niemals vergessen. Denn es ist unsere Pflicht die Gräueltaten aufzuarbeiten und die mahnenden Erinnerungen an die Verbrechen aufrechtzuerhalten. Das unsagbare Leid in der Ukraine zeigt uns leider schmerzlich, dass Friede und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind. Wir müssen daher jeden Tag gemeinsam für eine vielfältige Gesellschaft, die gegen jegliche Art der Diskriminierung und Ausgrenzung kämpft, eintreten.“

Reinhart Rohr, Landtagspräsident Kärnten:
„Der Jahrestag zur Befreiung des KZ Mauthausen ist nicht nur ein Mahnmal an die Vergangenheit, sondern vor allem ein Auftrag für die Gegenwart und Zukunft. Denn wir gedenken der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft heute unter ganz besonderen Voraussetzungen: Es tobt ein Krieg in Europa. Umso mehr aber braucht es diese gegenwartsbezogene Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit. Das Fest der Freude ist gleichzeitig auch eine Bekundung der Solidarität mit allen Menschen, die aktuell von Unrecht, Unterdrückung und Verfolgung betroffen sind.“

Sandra Schoch, 2. Vizepräsidentin im Vorarlberger Landtag:
„Um Widerstand gegen dieses systemische Vergessen zu leisten, haben die Landeshauptstadt Bregenz, das Land Vorarlberg und der Vorarlberger Gemeindeverband ein Widerstandsmahnmal für Vorarlberg konzipiert und umgesetzt. Gestaltet von der kärntner-slowenischen Künstlerin Nataša Sienčnik zeigt das Denkmal die Namen und Kurzbiografien von 100 Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern, die sich dem nationalsozialistischen Unrechtsregime widersetzt haben. Sie stehen für alle Widerstandskämpfer:innen, Deserteure und Wehrdienstverweigerer, und für alle Bürger: innen die Verfolgten und Misshandelten gegenüber menschlich gehandelt haben.“

Über das Mauthausen Komitee Österreich:
Die Überlebenden des KZ-Mauthausen übergaben im Jahr 2000 dem Mauthausen Komitee Österreich offiziell ihr Vermächtnis. Dieses Vermächtnis der KZ-Überlebenden bildet die Grundlage der Aktivitäten des MKÖ. Neben der Gedenkarbeit für die Opfer der Verbrechen des NS-Regimes, insbesondere jene, die im KZ-Mauthausen und in den Außenlagern gefangen gehalten wurden, sind Aktivitäten gegen Rechtsextremismus sowie die engagierte anti-faschistische und anti-rassistische Arbeit vor allem mit jungen Menschen weitere wichtige Schwerpunkte. In den vergangenen Jahren führte das MKÖ mit mehr als 180.000 Jugendlichen Zivilcourage-Trainings, multimediale Vermittlungsangebote durch die KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie an Orten ehemaliger Außenlager, die Vor- und Nachbereitung der KZ-Gedenkstättenbesuche, Anti-Rassismus-Workshops wie den Workshop “Wir sind alle” sowie die neuen thematischen Rundgänge “denk mal wien” sowie diverse anlass- und themenbezogene Jugendprojekte durch.

Rückfragen & Kontakt:

Mauthausen Komitee Österreich
Willi Mernyi, Vorsitzender
Mobil: 0664/103 6465
Tel.: 01-212 83 33
E-Mail: info@mkoe.at
Web: http://www.mkoe.at/
http://www.mkoe.at/presse
http://www.mkoe.at/gedenk-und-erinnerungsarbeit/gedenk-und-befreiungsfeiern



Quelle

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at

(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender.