9. Femizid in diesem Jahr!

Wenn wir von Gewaltschutz reden, müssen wir dringend auch von Kinderschutz sprechen und hier Mädchen und Buben gleichermaßen im Blick haben, deren Entwicklung und Zukunft durch Partnergewalt gefährdet ist

Martina Wolf, Geschäftsführerin im Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren

Die Österreichischen Kinderschutzzentren sind betroffen vom aktuellen Femizid in Österreich – zurück bleiben Kinder und Jugendliche, die durch die Tat häufig alles verlieren.

Vergangene Woche wurde wieder eine Frau von ihrem Expartner getötet – die Tochter der getöteten Frau hat nach aktuellen Meldungen kurz zuvor die Wohnung verlassen und ist vielleicht deshalb mit dem Leben davon gekommen – geschützt ist sie dennoch nicht.

Morde an Frauen sind häufig der Gipfel einer Gewaltgeschichte, die mitunter Jahre angedauert hat. Etwa die Hälfte aller Frauen, die von Gewalt durch den Partner oder Expartner betroffen sind, sind Mütter, wie im aktuellen Fall.
Auf wen deshalb auch dringend geschaut werden muss, sind die Kinder und Jugendlichen, deren Leben durch die Tat oft drastisch verändert wird:

  • Die Kinder und Jugendlichen sind extrem belastet durch das Miterleben der Gewalt gegen die Mutter.
  • Häufig waren auch sie häuslicher Gewalt ausgesetzt.
  • Mit dem Mord verlieren sie ihre Mutter viel zu früh im Leben – Sie verlieren ihre Mutter durch Gewalt, die ihr von einer anderen wichtigen Bezugsperson angetan wurde.
    Manche fühlen sich schuldig „Ich hab die Mama nicht schützen können.“
  • Diese Kinder und Jugendlichen verlieren in der Regel auch ihren Vater, der ins Gefängnis geht oder nicht mehr als gutes inneres Objekt erhalten werden kann.
  • Häufig verlieren sie auch ihr Zuhause – viele von ihnen verbringen den Rest ihrer Kindheit in Fremdunterbringung.

Männer, die so destruktive Gewalt gegen Mütter von Kindern ausüben, nehmen mit ihrer Tat nicht nur in Kauf, dass sie der Frau das Leben nehmen, sondern auch, dass sie das Leben ihrer Kinder damit dauerhaft schädigen.

Wenn wir von Gewaltschutz reden, müssen wir dringend auch von Kinderschutz sprechen und hier Mädchen und Buben gleichermaßen im Blick haben, deren Entwicklung und Zukunft durch Partnergewalt gefährdet ist“, betont Martina Wolf, Geschäftsführerin im Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren und wünscht sich in der Debatte um präventive und schützende Maßnahmen den Kinderschutz separat zu diskutieren und dabei die Buben nicht aus dem Blick zu verlieren, die ja die Männer von morgen sind.

Femizide sind die Spitze eines Eisbergs. Wenn Kinder und Jugendliche Gewalt in den Beziehungen ihrer Eltern erleben, sind sie in der Regel nicht nur nicht geschützt, sondern bleiben mit ihren Erfahrungen sehr oft allein. Sie brauchen daher ein kinderspezifisches Beratungsangebot. Die Österreichischen Kinderschutzzentren werden sich im Rahmen des Gewaltschutzgipfels dafür einsetzen, dass Kinder eigene Unterstützungsangebote erhalten, die sich an ihren Entwicklungsbedürfnissen orientieren und kurative und präventive Aspekte berücksichtigen.

Rückfragen & Kontakt:

Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
Martina Wolf
Geschäftsführung
Martina.wolf@oe-kinderschutzzentren.at
+43 664 887 36 462

Der direkte Weg in Ihr Kinderschutzzentrum:
http://www.oe-kinderschutzzentren.at/zentren/zentren-vor-ort/



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