Cornelius Obonya, Katharina Stemberger und Serge Falck geben Krankenhaus-MitarbeiterInnen in der Pandemie eine Stimme – exklusiv heute um 20:00 Uhr auf PULS 24 und puls24.at.

Wien (OTS) In den letzten drei Wochen hat PULS 24 nach einem Aufruf von Infochefin Corinna Milborn hunderte anonyme Berichte aus Krankenhäusern erhalten, die die dramatische Situation drastisch beschreiben. PULS 24 hat die Berichte auf Authentizität überprüft und veröffentlicht Teile unter Wahrung der Anonymität. Die Schauspiel-Stars Cornelius Obonya, Katharina Stemberger und Serge Falck lesen Emails von Pflegepersonal und ÄrztInnen. Die Krankenhausmitarbeiter berichten von völlig überlastetem Personal, fehlenden Intensivbetten für Operationen, zunehmender Triage nach Alter und Vorerkrankungen, fehlendem Schutzmaterial, fehlenden Tests. Sie beschreiben, wie Personal aus fremden Abteilungen ohne Einschulung an Intensivbetten von Covid-19-Patienten eingesetzt wird und welche Belastung das darstellt.

Die Berichte werden heute um 20 Uhr auf PULS 24 gesendet und sind auf puls24.at als Text und Lesung abrufbar.

Einige Ausschnitte:

„Ich arbeite in einem Krankenhaus auf einer Intensivstation und es ist eine Katastrophe. Seit Wochen sind wir überfüllt mit Patienten und Patientinnen die Corona haben. Unsere kardiologischen PatientInnen können wir schon lange nicht mehr versorgen. Wir sind chronisch unterbesetzt. Viele von der Pflege haben gekündigt oder sich umorientiert. Es wird sogar verlangt, dass wenn man Kontakt mit einem positiven Patienten hatte und nicht ausreichend geschützt war, trotzdem in den Dienst zu gehen. Jeder müsste in Quarantäne, aber Pfleger und Ärzte, die mit kritisch kranken Menschen arbeiten, dürfen weiter arbeiten! Der Zugang zu Schutzausrüstung ist auch erschwert.“

„Ich schreibe das, weil ich mir nichts mehr wünsche, als dass die Menschen, die noch immer fröhlich shoppen gehen und einfach nicht SPÜREN was los ist, mehr Informationen bekommen. Ich mache niemanden einen Vorwurf, ich glaube, es wird viel zu abstrakt kommuniziert. Die Zahlen erreichen die Menschen nicht mehr, gegen die sind sie schon abgestumpft. Wenn ich aus dem Krankenhaus komme und das fröhliche Treiben draußen sehe, weiß ich nicht, ob ich verrückt bin, oder die anderen.“

„Die Katastrophe, die wir im März alle erwartet haben und die wir zu Recht gefürchtet haben, ist jetzt eingetreten. Nur jetzt scheint dies die Menschen “draußen” nicht mehr zu berühren. Nicht mehr zu ängstigen.“

„Der Zustand ist äußerst Kritisch da wir VIEL zu WENIG AUSGEBILDETES Personal haben. Wir haben extrem viele Überstunden und uns wird gesagt, dass das Arbeitszeitgesetz nicht mehr gilt – daher müssen wir arbeiten kommen und man tut es um seine Kollegen nicht im Stich zu lassen und den Patienten noch etwas Qualität zu geben.“

„Das, was von der Politik und den Leitungen vermittelt wird, hat immer weniger mit der Realität zu tun. Die Realität ist nahe an der Hölle. Ich höre immer noch Politiker im Fernsehen sagen, dass wir zu Hause bleiben sollen, um Triage zu vermeiden. Die Wahrheit ist: Wir sind seit Wochen in der vollen Triage, und es wird jeden Tag enger. Jeder kann sich das selbst ausrechnen: Ein Drittel der Intensivbetten im Land sind nun mit Covid-Patienten belegt. Intensivbetten sind auch sonst zu bis zu 80 Prozent ausgelastet. Jeder kann erkennen, dass sich das nicht ausgeht. Trotzdem wird da draußen gesprochen, als wären wir gerade erst am Limit, und nicht schon lange darüber hinaus.“

„Es hat sich nun, nach anfänglichem Aufschrei, eine Augen-zu-und-durch-Mentalität ausgebreitet. Weil es ja eh nichts nützt, spricht man nicht viel darüber, schon gar nicht nach außen, sondern arbeitet Tag für Tag weit über das Limit hinaus, um die zu retten, die noch zu retten sind, und schweigt über die, die man nicht mehr behandeln kann. Aber ich frage mich, ob wir nicht zu leise sind. Wenn ich aus dem Dienst komme und vor Erschöpfung die Kaffeetasse kaum mehr halten kann, bin ich fassungslos über die Sorglosigkeit da draußen. Über die Diskussionen über das Schifahren und die Weihnachtseinkäufe.“

„Die Situation ist katastrophal. Patienten welche noch vor einem Jahr sofort auf eine Intensivstation verlegt worden wären, liegen nun einfach auf der Normalstation, weil es einfach keine freien Intensivbetten gibt. Es wird versucht den Normalbetrieb durchzupeitschen, obwohl es schon lange nicht mehr möglich ist. Nie war mir die 2-Klassenmedizin so bewusst wie jetzt.“

„Es ärgert uns Ärzte maßlos, wenn sich jemand über Homeoffice und Ausgangssperre beschwert – wie gerne hätten wir ein paar Tage zuhause, einfach nur zum Durchschnaufen! Oder wenn sich jemand über das Tragen einer Maske beschwert – bitte seid doch mal 12 Stunden mit FFP2, Taucherbrille, Haube und Schutzkittel unterwegs!“

„Gestern bin ich nach 12,5 Std Dienst in der Garderobe gesessen und musste weinen. Ich glaube, ich kann kollektiv für alle sprechen, dass dies derzeit unerträglich ist. Und wenn ich höre, dass noch „alles im grünen Bereich“ im Gesundheitswesen ist, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.“

„Wir sprechen von wirklicher Schwerstarbeit am Limit. Wir sind wirklich fix und fertig nach einem Dienst. Es ist ein funktionieren, nicht leben. Vorige Woche war ich nach einer Serie an Diensten am Limit und wollte nur mehr weinen…. Intensivschwestern haben eine gewisse ‘Elefantenhaut’, wir neigen zu trockenem Humor, sind recht stressresistent und sind klassische ‘Hackler’. Aber jetzt geht es nicht mehr. Ich glaube, es ist eine Frage der Zeit, bis die ersten das Handtuch werfen und entweder im Burn Out landen oder anders das Limit erreicht haben.“

„Schon seit längerem überkommt mich ein beklemmendes Gefühl. Ein Gefühl der Hilflosigkeit, ein Gefühl nicht gesehen und gehört zu werden und ein Gefühl 120 Prozent geben zu müssen, ohne zu Wissen, wie lange meine persönlichen Kapazitäten noch dafür ausreichen.“

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Cornelia.doma@prosiebensat1puls4.com

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