Ausgabe vom 13. Jänner 2018

Linz (OTS) „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Durch diese Einsicht bewirkte Ludwig Wittgenstein einen Paradigmenwechsel in der Philosophie. Die Sprache rückte ins Zentrum des Interesses, denn man folgerte, dass Sprache Wirklichkeiten schaffen kann. Eine Folge ist die Sensibilisierung der politischen Sprache. Leider hat diese Theorie nicht ganz die Erwartungen erfüllt, denn auch die Verwendung einer politisch korrekten Sprache erreichte etwa in der Genderfrage keine Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Ja, „Worte sind nur Blätter, Taten sind Früchte“ und „an den Taten sollt ihr sie erkennen“.
Klar ist aber, dass Sprache verletzten kann und der Bundespräsident hat daher durchaus Recht, wenn er einen „verantwortungsvollen Umgang mit der Sprache“ einmahnt. Der Innenminister ist in der Vergangenheit immer als ein Meister der Wortverwendung aufgefallen und sollte sich bewusst sein, wie wichtig die richtige Wortwahl wäre. Und man bringt das Wort „Konzentration“ nicht in den Zusammenhang mit „Lager“. Aber auch bei Van der Bellen scheint bei der Sensibilisierung der Sprache noch Verbesserungsbedarf zu haben. Denn das Statement des KZ-Überlebenden Aba Lewit über die Regierung — „Das Einzige, was beim jetzigen Programm fehlt, sind Gaskammern“ — ist in einer öffentlichen Debatte einer modernen Demokratie ebenfalls deplatziert. Leider fehlt hier die präsidiale Klarstellung bis heute.

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