66 Prozent für EU-Verbleib, 18 Prozent für Austritt – 37 Prozent für EU-Impfstoffbeschaffung, 42 Prozent für Alleingang – 50 Prozent für EU-Impfnachweis, 33 Prozent dagegen – Umfrage

Wien (OTS) „Die anhaltende Corona-Pandemie und die noch schleppende Versorgung mit Impfstoffen spiegeln sich auch im aktuellen EU-Meinungsbild der Österreicherinnen und Österreicher wider. Die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft geht seit Beginn der Corona-Krise zurück und die Rolle der EU bei Impfstoffbeschaffung und Abfederung der wirtschaftlichen Folgen wird, analog zur Krisenperformance der nationalen Politik, aktuell kritisch beurteilt. Positiv sieht eine Mehrheit der Befragten hingegen die Idee eines gemeinsamen EU-Impfnachweises“, kommentiert Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), das Ergebnis einer aktuellen ÖGfE-Umfrage.

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In der im Februar 2021 durchgeführten Umfrage sprechen sich 66 Prozent der Befragten dafür aus, dass Österreich Mitglied der Europäischen Union bleibt. 18 Prozent plädieren für einen Austritt aus der Union. 16 Prozent antworten „weiß nicht“ oder machen keine Angabe. Seit Beginn der Corona-Krise ist die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft rückläufig: Lag die Zahl der BefürworterInnen im März/April 2020 bei 73 Prozent, betrug sie im September 2020 70 Prozent. Die Zahl jener, die sich für einen Austritt aus der Union aussprechen, ist im selben Zeitraum um 5 Prozentpunkte – von 13 auf 18 Prozent – gestiegen.

„Die trüben Aussichten auf ein baldiges Ende der Pandemie zehren an den Nerven und lassen die Unzufriedenheit wachsen. Insgesamt wird das Corona-Krisenmanagement zunehmend kritisch gesehen – auf europäischer wie auch auf nationaler Ebene. Die EU muss nun versuchen, gemeinsam mit den Mitgliedstaaten, vor allem den Schutz der Bevölkerung weiter zu verbessern und die hohen Erwartungen an sie mit der Realität in Einklang zu bringen.“

Insgesamt 53 Prozent sagen, dass sie „eher nicht“ (28 Prozent) oder „gar nicht“ (25 Prozent) mit den bisherigen Maßnahmen der Europäischen Union zufrieden sind, wenn es um die Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie geht. Etwas mehr als ein Drittel zeigt sich hingegen „sehr“ (4 Prozent) oder „eher“ (30 Prozent) zufrieden. 13 Prozent antworten „weiß nicht“ oder machen keine Angabe.

„Zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat die EU ein in seiner Höhe noch nie dagewesenes Unterstützungsprogramm für die Mitgliedsländer beschlossen, das von der Bevölkerung mehrheitlich begrüßt wurde“, so Schmidt. „Aber mit der zeitlichen Diskrepanz zwischen Entscheidung und Abrufbarkeit der Hilfen, bleibt deren Wirkung bis auf weiteres nur abstrakt und wenig nachvollziehbar.“

Bezüglich des besten Weges zur Beschaffung von COVID19-Impfstoffen sind die Befragten im Moment geteilter Meinung. 42 Prozent glauben, dass es Erfolg versprechender gewesen wäre, wenn jedes EU-Mitgliedsland auf eigene Faust Impfstoffe bestellt hätte. 37 Prozent meinen, dass die gemeinsame Impfstoffbeschaffung über die EU richtig gewesen ist. Etwa ein Fünftel kann sich zu dieser Frage nicht äußern (21 Prozent „weiß nicht / keine Angabe“).

„Diese kritische Sichtweise überrascht nicht. Kurz nach Weihnachten wurde der Eindruck erweckt, dass alle Menschen in der EU sofort geimpft werden könnten, während man noch im Herbst stets von einer späteren Impfphase ab Sommer 2021 ausgegangen war. Umsichtige Kommunikation wäre hier ehrlicher, weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen. Dennoch wird sich der gemeinsame Ansatz der Impfstoffbeschaffung auf mittlere Sicht als der richtige erweisen. In einem internen Wettlauf der Mitgliedsländer um die so ersehnten Impfdosen hätten sich wohl die Großen gegenüber den Kleinen, damit also auch gegenüber Österreich, durchgesetzt“, betont Schmidt.

Die Hälfte der Befragten spricht sich dafür aus, dass es innerhalb der Europäischen Union künftig einen gemeinsamen EU-Impfnachweis geben soll, aus dem ersichtlich ist, ob die betreffende Person bereits gegen das Corona-Virus geimpft ist. Ein Drittel hält dies für eine schlechte Idee. 17 Prozent nehmen nicht Stellung.

„Ein gemeinsamer EU-Impfnachweis kann einen sinnvollen Beitrag zu sicherer Mobilität in der EU leisten. Dafür braucht es jedoch noch weitere Schritte, wie etwa die EU-weite Anerkennung unterschiedlicher Corona-Tests, ein Impf-Angebot an den Großteil der Bevölkerung und auch mehr Klarheit darüber, ob geimpfte Personen Überträger des Virus sein könnten“, sagt Schmidt abschließend.

Die aktuelle Umfrage wurde von market (www.market.at) vom 8. bis 10. Februar 2021 im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 500 Personen, Online-Erhebung in Form einer Omnibusbeteiligung (Österreichische Bevölkerung ab 16 bis 80 Jahre, repräsentativ für Alter, Geschlecht, Region und Bildung). Maximale statistische Schwankungsbreite ca. +/- 4,48 Prozent.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Paul Schmidt
Österreichische Gesellschaft für Europapolitik
E-Mail: paul.schmidt@oegfe.at
https://twitter.com/_PaulSchmidt
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