Bewegender Dokumentarfilm über die Erinnerungen einer zerrütteten Generation

Wien (OTS) Die Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo im Bosnienkrieg liegt 25 Jahre zurück – nach 1.425 Tagen endete sie am 29. Februar 1996 durch das Eingreifen westlicher Staaten und war damit die längste Belagerung einer Stadt im 20. Jahrhundert. Die meisten Überlebenden waren Kinder und Jugendliche. Sie alle teilen ein trauriges Schicksal: Viele haben den Großteil der Familie verloren – und es gibt keine Andenken oder Familienalben aus dieser Zeit. Die einzigen Fotos aus ihrer Kindheit stammen von Kriegsfotografen. Der renommierte spanische Reporter und Kriegsfotograf Gervasio Sánchez ging während der vierjährigen Belagerung durch die zerstörte Stadt und fotografierte die jungen Menschen auf der Straße. Mit einigen Kindern hat Sánchez über die Jahre Kontakt gehalten. Der Dokumentarfilm „Kinderbilder aus Sarajevo“ von Amanda Sans Pantling – zu sehen als „dokFilm“-Premiere am Sonntag, dem 28. Februar 2021, um 23.05 Uhr in ORF 2 – führt zurück nach Sarajevo und begibt sich auf die Suche nach den Kindern von damals, ihrem Schicksal und ihren Geschichten.

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Der spanische Kriegsfotograf und Reporter Gervasio Sánchez war während der vierjährigen Belagerung durch die Jugoslawische Volksarmee selbst wochenlang in Sarajevo eingeschlossen. In dieser Zeit verfolgte er das Kriegsgeschehen Tag für Tag und dokumentierte mit seinen Bildern die Belagerung der bosnischen Hauptstadt von 5. April 1992 bis zum 29. Februar 1996. Sánchez ging durch die zerstörte Stadt und hielt die Schrecken eines Krieges fest, der die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt völlig unerwartet getroffen hatte: verwüstete Straßen, Barrikaden, ausgebrannte Autos, Gräber, überall Einschusslöcher und zerstörte Gebäude, unter anderem auch die Nationalbibliothek. Aber auch den Kampf der Bevölkerung, die dieser Härteprobe standhielt, dokumentierte er: Menschen, die ihrem Alltag nachgehen, Kämpfende, Trauernde, Tote. Nach Schätzungen wurden insgesamt rund 11.000 Menschen getötet – davon in etwa 1.600 Kinder – und 56.000 zum Teil schwer verletzt.

Gervasio Sánchez’ Interesse galt vor allem der jungen Bevölkerung Sarajevos. Immer wieder fotografierte er Jugendliche auf der Straße und Kinder, die in der ramponierten Stadt auf Spielplätzen, in Hinterhöfen oder Autowracks spielten. Insgesamt hat er Hunderte von Fotos einer zerrütteten Generation geschossen. Seine Bilder reflektieren nicht nur das Leid, sondern auch glückliche und spielerische Momente, die die Kinder während des Krieges erlebten. Mit einigen von ihnen hat Sánchez seither Kontakt gehalten.

Im Winter 2019/20 – 25 Jahre nach dem Ende der Belagerung – kehrt der Fotograf nach Sarajevo zurück. Er trifft dort Erwachsene, die er damals als Kinder fotografierte, andere lernt er neu kennen und zeigt ihnen die Bilder von damals. Der Dokumentarfilmer will wissen: Was ist aus ihnen geworden? Wie haben sie die Nachkriegszeit erlebt, wie sind sie erwachsen geworden?
Die Entdeckung der Fotos ist für diese Menschen, die den schrecklichen Krieg überlebt haben, oft überwältigend, denn zum Teil haben sie gar keine eigenen Fotos aus dieser Zeit. Die Ästhetik der fast schon poetisch gestalteten Schwarz-Weiß-Bilder steht in krassem Kontrast zu den teils brutalen Motiven, die sie abbilden. Und so ist es auch mit den Erinnerungen: Mit ihren Erzählungen erwecken die Protagonistinnen und Protagonisten der Dokumentation die Fotos zu neuem Leben. Menschen, die der Bosnienkrieg hart getroffen hat, und die trotzdem nostalgisch und liebevoll auf ihre Kindheit zurückblicken.

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