Wien (OTS) Die Österreichischen Kinderschutzzentren beziehen Stellung zur aktuellen politischen Diskussion zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und fordern umfassende Kinderschutz-Konzepte sowie eine bessere Finanzierung der Kinderschutzarbeit in Österreich.

Die Österreichischen Kinderschutzzentren verfolgen aufmerksam die Diskussion über eine Erhöhung des Strafmaßes bei sexueller Gewalt gegen Kinder und begrüßen die Auseinandersetzung mit einem so wichtigen Kinderschutzthema. Im Zentrum der Diskussion sollte aus Sicht der Kinderschutz-ExpertInnen jedoch nicht nur das Strafausmaß in Relation zu anderen Delikten stehen, sondern die Möglichkeiten und Maßnahmen, wie Kinder noch besser vor sexueller Gewalt geschützt werden und bei Bekanntwerden von Übergriffen, begleitet werden können. Die Österreichischen Kinderschutzzentren fordern daher umfassende Kinderschutz-Konzepte und eine bessere Finanzierung der Kinderschutzarbeit in Österreich. Mehr als 40 Planstellen fehlen österreichweit in den Kinderschutzzentren, um alle betroffenen Kinder begleiten und die präventive Angebote ausbauen zu können.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist eines der schlimmsten Verbrechen. Sie verletzt die intimste persönliche Sphäre des Kindes und passiert zu dem am häufigsten im nahen sozialen Umfeld. Die Täter und Täterinnen finden sich meist  im direkten Umfeld des Kindes: Familienangehörige, Verwandte, Bekannte, PädagogInnen…

Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist zudem nach wie vor tabuisiert. Nur bei einem geringen Bruchteil der Fälle kommt es überhaupt zu einer Anzeige und noch seltener zu einer Verurteilung der TäterInnen. Das liegt daran, dass Kinder sich aus Scham, Unsicherheit, Zweifel, ua. selten ihren Bezugspersonen anvertrauen. Sie erleben, dass ihnen oft nicht geglaubt wird, und/oder dass ihre Signale nicht erkannt oder verstanden werden. Besonders heikel ist die Situation bei jüngeren Kindern, da sie die schrecklichen Erlebnisse kaum in Worte fassen können. Sie wissen nicht was mit ihnen passiert und wollen nur, dass es aufhört.

Daher besteht der dringendste Bedarf am Anfang der Handlungskette, wenn es darum geht, sexuelle Gewalt an Kindern ans Licht zu bringen und den betroffenen Kindern den Rücken zu stärken, damit es überhaupt zu einer Anzeige des Verbrechens kommt. Verurteilungen und das Ausmaß des Strafrahmens stehen ganz am Ende eines sehr komplexen Prozesses. Der weitaus größte Teil dieser Straftaten schafft es leider gar nicht bis zu den Gerichten. Viele Kinder bleiben ungehört und alleine gelassen.

„Unser wirkungsvollster Zugang liegt daher im Bereich der Prävention und der Stärkung der Netzwerke rund um betroffene Kinder.”, erklärt Dr.in Adele Lassenberger, Vorsitzende des Bundesverbandes Österreichischer Kinderschutzzentren, die tägliche Praxis der Kinderschutzzentren.

Nachhaltiger Kinderschutz

  • setzt bei der Prävention an und bei der Frage, wie sexuelle Gewalt gegen Kinder verhindert werden kann.
  • klärt auf und hilft zu erkennen, wenn ein Kind von sexueller Gewalt betroffen ist.
    Die Kinder senden eindeutige Signale, die erkannt werden können. Vertrauen sie sich an, ist es besonders wichtig, dass ihnen geglaubt wird.
  • stellt Beratung und Begleitung im Falle eines Verdachtes bereit.
    Viele Menschen wissen nicht, was im Falle eines Verdachtes zu tun ist.
  • hat das betroffene Kind im Fokus.
    und bietet eine individuelle Begleitung zur langfristigen Verarbeitung des Erlebten.
  • umfasst auf jeden Fall auch die Begleitung der nicht missbrauchenden Angehörigen.
    Die Reaktion des Umfeldes ist unerlässlich dafür, dass Kinder das Erlebte verkraften können.

All dies sind nachhaltige Strategien im Kampf gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder.

Viele davon gibt es bereits. Sie passieren seit über 30 Jahren in den knapp 30 Österreichischen Kinderschutzzentren.

„Betroffene Kinder und ihr Umfeld brauchen ein unterstützendes Netzwerk, das ihnen hilft, über das Erlebnis hinwegzukommen. Für Kinder, die Gewalt erfahren haben, sind Verurteilungen wichtig – heilen können sie nicht“, weiß Lassenberger.

Rückfragen & Kontakt:

DIE ÖSTERREICHISCHEN KINDERSCHUTZZENTREN
Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren
Martina Wolf
martina.wolf@oe-kinderschutzzentren.at
0043 660 181 78 41
www.oe-kinderschutzzentren.at



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