Ohne Stadtstraße ein Minus von Wohnungen für 60.000 Menschen – massive Bedrohung für den leistbaren Wohnbau in ganz Wien

Wien (OTS) Dramatische Auswirkungen für die Stadtentwicklung und den leistbaren Wohnbau in ganz Wien hätte der Stopp der Stadtstraße Aspern und der S1-Spange (der vom Bund zu errichtenden Verbindung zur S1-Nordostumfahrung): Beide Projekte sind in der städtebaulichen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Stadtentwicklung in der Seestadt Nord als Voraussetzung behördlich vorgeschrieben. „Die Stadt Wien hat vor 20 Jahren alle Anstrengungen zur Stadterweiterung auf den Nord-Osten Wiens gelegt, hat die U2 bis ins die Seestadt verlängert und hat entlang der U-Bahntrasse die Stadtentwicklung für die kommenden Jahrzehnte geplant. Insgesamt geht es um Wohnungen für 60.000 Menschen und zigtausende Arbeitsplätze, die in den nächsten Jahren in diesen Gebieten entstehen sollten“, erläutert Planungsstadträtin Ulli Sima. Für viele Wohnbauträger – und damit für den gesamten Wohnungsmarkt in Wien – wäre ein Stopp der Stadtentwicklung fatal. Einige haben im Vertrauen an die Rechtsicherheit teilweise schon investiert und geplant, sie wollen leistbaren Wohnbau für die Millionenstadt zu schaffen.

In einem gemeinsamen Pressegespräch erläuterten Planungsstadträtin Ulli Sima, Gerhard Schuster, Vorstandssprecher der Wien 3420 aspern Development AG, Michael Pech, Generaldirektor der ÖSW-Gruppe und Landesgruppenobmann Stellvertreter der GBV Wien, Walter Koch, Vorstandsmitglied der Wien Süd, Thomas Drozda, Vorstandsdirektor der ARWAG Holding-AG, sowie der Geschäftsführer des Wohnfonds Wien, Gregor Puscher, die fatalen Auswirkungen eines möglichen Baustopps in den Stadtentwicklungsgebieten.

Bezirksvorsteher der Donaustadt, Ernst Nevrivy, erläuterte die Bedeutung der Stadtstraße für seinen Bezirk. „Sie ist für die Entwicklung unseres rasant wachsenden Bezirks unerlässlich, aber auch zur dringend notwendigen Entlastung der Ortsgebiete, dessen BewohnerInnen massiv unter der zunehmenden Verkehrsbelastung leiden.“

Ökologische Stadtentwicklung auf ehemaligen Brachen und Erschließung mit den Öffis

Planungsstadträtin Ulli Sima weist auf die zentralen Grundsätze der Stadtentwicklung Wiens hin. Wien setzt seit Jahrzehnten auf ökologische Stadtentwicklung, nutzt vorwiegend brachliegende Flächen, sogenannte brown fields (wie ehemalige Bahnhofsgelände), anstatt auf der grünen Wiese zu bauen. Die Seestadt Aspern ist ein Paradebeispiel dafür. Im Jahr 1912 als Flughafen errichtet, wurde es bis 1977 als Flugfeld genutzt. Heute ist sie eines der größten und modernsten Stadtentwicklungsgebiete Europas. „Wesentlich ist uns die öffentliche Erschließung der neuen Stadtentwicklungsgebiete und hier in Aspern haben wir vieles richtiggemacht: Wir haben die U-Bahn in die Seestadt gebaut, bevor noch ein Mensch dort hingezogen ist. Der stetige Ausbau der Öffis ist unser zentraler Ansatz. Aber neben Straßenbahnen, Bussen und Radwegen braucht es auch eine hochrangige Straßenanbindung an einen neuen Stadtteil, der künftig über 25.000 Menschen – wie etwa Baden oder Klosterneuburg – beherbergt. Die Straße ist uns behördlich vorgeschrieben, ohne Inbetriebnahme der Stadtstraße können wir keine Bauarbeiten in der Seestadt Nord beginnen. Auch in den anderen Stadtentwicklungsgebieten wie Hausfeld, Berresgasse oder Am Haidjöchl wären die geplanten Entwicklungen ohne Erschließung durch die Stadtstraße in dieser Form nicht möglich“, stellt Sima klar.

In der städtebaulichen UVP für die Seestadt Nord sind sowohl die von der Stadt Wien in Kofinanzierung mit dem Bund zu errichtenden Stadtstraße als auch die vom Bund zu errichtende S1-Spange zwingend vorgeschrieben. „Die Seestadt würde zur Schlafstadt werden, die Entwicklung würde schlichtweg in der Hälfte steckenbleiben, es bliebe ‚Wüste“ in nördlichen Teil“, so Sima. Der Nicht-Bau der Straße hätte aber darüber hinaus auch unabsehbare Folgen für den gesamten Wohnungsmarkt in Wien“, warnt Sima. Denn ohne Wohnbau verteuern sich die Wohnkosten in ganz Wien. Bei Wohnungsknappheit ziehen Menschen zudem verstärkt in die Speckgürtel rund um Wien und pendeln erst wieder nach Wien zur Arbeit. „Beides kann nicht im Sinne einer ökologischen Stadtentwicklung einer Millionenstadt sein“, stellt Sima klar.

Ein Entwicklungsstopp wäre für die Seestadt dramatisch. Vorstandssprecher der Wien 3420 aspern Development AG, Gerhard Schuster, erläutert: „Die Seestadt ist ein internationales Vorzeigeprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung mit innovativem Energie- und Mobilitätskonzept. Sie wurde als eine ‚Stadt der kurzen Wege konzipiert‘, die Wohnen und Arbeiten verbindet, und sieht folgende Verkehrsaufteilung vor: 40 % Fuß- und Radverkehr, 40 % öffentlicher Verkehr und nur 20 % motorisierter Individualverkehr. Mit einem Baustopp der Stadtstraße als Verbindungsader könnte über 50 % der Seestadt nicht mehr gebaut werden. Damit würde auch energieeffizienter, klimaschonender und bereits mehrfach ausgezeichneter Städtebau gestoppt werden.“

Michael Pech, Generaldirektor der ÖSW-Gruppe und Landesgruppenobmann Stellvertreter der GBV Wien, ergänzt: „Gerade für den geförderten sozialen Wohnbau hat die Infrastruktur bei Neubauprojekten einen besonders hohen Stellenwert. Für die Bezirke Donaustadt und Floridsdorf würde ein Stopp der Stadtstraße Aspern zu einem Aus für eine erhebliche Anzahl an derzeit in Entwicklung befindlichen Projekten und für leistbaren Wohnraum in Wien bedeuten.“

Walter Koch, Vorstandsmitglied der Wien Süd:Wir sehen an den Wohnungsnachfragen, dass der Bedarf an kostengünstigen Wohnungen in Wien das Angebot übersteigt. Darum ist die Wien Süd seit Jahren auch an Stadtentwicklungen im 22. Bezirk beteiligt, um diesen Wohnraum zu schaffen. Dafür braucht es aber nicht nur die schon vorhandene Anbindung an den öffentlichen Verkehr, sondern auch eine entsprechende Anbindung beim Individualverkehr. Sollten diese Stadtentwicklungen aufgrund einer fehlenden Verkehrsanbindung nicht errichtet werden können, hätte das massive Konsequenzen auf die Wohnsituation in Wien. Durch die Reduktion bei der Errichtung von kostengünstigen Wohnungen werden die Preise steigen und die Wohnbauaktivitäten werden sich aufgrund des mangelnden Wohnungsangebotes in Wien zum Teil in das Umland verlagern. Dort wird dann bei geringerer Dichte unter größerem Flächenverbrauch und mehr Bodenversiegelung gebaut. Die Projekte liegen weiter außerhalb und nicht direkt an einer U-Bahn. In Folge steigt der Pendlerverkehr nach Wien. Das wäre das Gegenteil einer klimagerechten Stadtentwicklung.“

Thomas Drozda, Vorstandsdirektor der ARWAG Holding-AG erläutert: „Wohnen wird zukünftig klimaneutral und selbstbestimmt stattfinden. Voraussetzung dessen, ist eine vielfältige Infrastruktur für ein selbstbestimmtes Leben zu schaffen. Auch für verkehrsberuhigte, fußläufige Stadtquartiere braucht es Strukturen für Güter und Dienstleistungen, die eine funktionierende Nahversorgung für Handwerker und Betriebe sicherstellt, was über die historischen Ortskerne der Donaustadt nicht stattfinden kann. Städte und Stadtteile ohne Verkehrsanbindung haben keine Zukunft. Den Fortschritt zu leugnen oder das Rad der Zeit zurück zu drehen war noch nie die richtige Antwort.

Für den Wohnfonds Wien erläutert Geschäftsführer Gregor Puscher:Der wohnfonds_wien sorgt mit seiner Bodenbevorratung dafür, dass langfristig leistbare, geförderte Wohnungen in Wien errichtet werden. Etwa 8.500 neue Wohnungen für rund 20.000 Menschen sind alleine auf unseren Grundstücken von der Entscheidung betroffen. Das sind rund ein Fünftel der Wohnungen auf unseren derzeitigen Potentialflächen. Die Dynamik wäre fatal – weniger geförderte Wohnungen bedeuten umso höhere freifinanzierte Mieten – und der Entfall eines Investitionsvolumens von knapp 2 Milliarden Euro hätte auch auf die Bauwirtschaft massive negative Auswirkungen.

Rückfragen & Kontakt:

Anita Voraberger
Mediensprecherin StRin Ulli Sima
Telefon: 01 4000-81353
E-Mail: anita.voraberger@wien.gv.at



Quelle

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at

(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender.