Der frühere Finanzminister Rudolf Edlinger (SPÖ) ist heute morgen im 82. Lebensjahr im Kreis seiner Familie nach längerer schwerer Krankheit verstorben.

Wien (OTS/SPW) Der über Parteigrenzen hinaus sehr geschätzte Politiker kam aus einfachen Verhältnissen. Nach einer Lehre als Lithograph absolvierte er im zweiten Bildungsweg die Handelsschule und einen Universitätslehrgang für Werbung und Verkauf. Ab 1969 war er für die SPÖ Wien im Gemeinderat, von 1976 bis 1981 Landesparteisekretär und von 1981 bis 1986 Klubvorsitzender. In dieser Funktion trieb er die Dezentralisierung der Stadtverwaltung und die „Sanfte Stadterneuerung“ voran.

Von 1985 bis 1994 war er Wiener Wohnbaustadtrat. In diese Zeit fällt der Beginn öffentlich geförderter Wohnhaussanierungen. Auch große Gemeindebauten wie der Karl-Marx-Hof wurden umfassend saniert. Edlinger erhöhte die Neubauleistung auf 10.000 geförderte Wohnungen pro Jahr: beispielsweise wurden auch Europas größtes Niedrigenergiewohnhaus (am Handelskai) oder das Arik-Brauer-Haus (im 6. Bezirk) errichtet und der Bau der Donaucity begonnen. Auch der Ankauf der Grundstücke für die Seestadt Aspern fällt in diese Zeit. Edlinger führte die Mietermitbestimmung im Gemeindebau ein und ein transparentes Vergabesystem für Gemeindewohnungen.

Als Wiener Finanzstadtrat (1994 bis 1997) schuf er gemeinsam mit der Wirtschaftskammer den erfolgreichen „Wiener Arbeitnehmer-Förderungsfonds WAFF“ (1995). Er sicherte die Finanzierung der Verlängerung der U-Bahn-Linien U1 und U6 und kaufte große Teile des ehemaligen Nordbahnhofes für eine künftige Stadtentwicklung.

Als bislang letzter SPÖ-Finanzminister (1997-2000) ebnete er Österreichs Weg in die Währungsunion. Während der ersten EU-Präsidentschaft Österreichs 1998 fixierte er als Ratsvorsitzender die Wechselkurse von damals 11 nationalen Währungen zum künftigen Euro. Er leitete die Abschaffung der Stempelmarken ein. Legendär waren neben seinen originellen Krawatten vor allem sein Kommentar zur Budgetpolitik der ÖVP („I würd eher mein Hund auf mei Wurst aufpassen lassen, als die ÖVP aufs Geld der Steuerzahler“). Die Bundeschulden haben sich seither von umgerechnet 118 auf zuletzt 243 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Politisch war Edlinger in Währing beheimatet, wo er von 1980 bis 1997 Bezirksparteivorsitzender war. Nach seiner Zeit als Mandatar war er Präsident des Fußballklubs Rapid Wien (2001 bis 2013), errang dabei zwei Meistertitel und brachte den Neubau des Allianzstadions auf den Weg. Von 2003 bis 2019 war er Vorsitzender des Wiener Pensionistenverbandes. Seit 2003 war er außerdem Präsident des Dokumentstationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Für sein Wirken wurde er u.a. mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet und zum Bürger der Stadt Wien ernannt.

Edlinger hinterlässt seine Ehefrau Jutta und drei mittlerweile erwachsene Kinder.

Sein langjähriger Wegbegleiter und Nachfolger als SPÖ-Vorsitzender in Währing, Gemeinderat Andreas Höferl, würdigt ihn als „Mensch mit außergewöhnlich viel Herz und Humor, mit hohen moralischen Ansprüchen, ein Politiker, der seine Kompetenzen und sein Handeln ungemein an Menschen mit kleinen Einkommen orientiert hat. Er hat bis zuletzt sein Leben selbstlos für eine bessere und gerechtere Welt gegeben. Er ist ein Vorbild in vieler Weise und ein großer Verlust“.

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