Am 23. März um 22.45 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) Grüne Landschaft, Donauauen. Nur wenig deutet heute darauf hin, dass sich hier einst eine Großstadt erhob: Carnuntum. Eine antike Metropole, eine reiche Handelsstadt und ein mächtiger Militärstützpunkt an der nördlichen Außengrenze des römischen Imperiums. In Carnuntum wurden Kaiser ausgerufen und römische Geschichte geschrieben. Bis die Stadt aufgegeben wurde und sich die Natur das Land zurückholte. Für die Archäologie ist Carnuntum ein Glücksfall. Die Stadt wurde nie überbaut, sie hat sich fast zur Gänze im Untergrund erhalten. Der größte Teil der Stadt ist für das bloße Auge unsichtbar. Aber nicht für die moderne Hightech-Archäologie. Wolfgang Neubauer vom Ludwig-Boltzmann-Institut in Wien und sein Team entwickelten eine neue Methode, mit der Gebäudereste mittels Luftbildscans, Magnetfeldmessungen und Bodenradar unter der Erde erfasst und am Computerbildschirm sichtbar gemacht werden können.

Für „Universum History“ rekonstruiert Klaus T. Steindl anhand des Fundes einer monumentalen Gladiatorenschule aus der Römerzeit am Freitag, dem 23. März 2018, um 22.45 Uhr in ORF 2 die Bedeutung von Carnuntum als „Stadt der Gladiatoren“ und als Weltstadt der Antike. Das Porträt der Stadt wird durch die Geschichte von Atticus vermittelt, einem fiktiven – freiwilligen – Gladiatoren, der in dieser einzigen außerhalb Roms entdeckten Gladiatorenschule trainiert und in Carnuntums riesiger Arena kämpft. Der Film entstand als Koproduktion von ORF, Interspot Film, Smithsonian, France 5, SBS und BMBF, gefördert von Fernsehfonds Austria und Land Niederösterreich Filmförderung.

Eine Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1981 lässt Wolfgang Neubauer und sein Team nicht mehr los. Man sieht darauf mitten im Grünen einen Fleck. Mit Hilfe der neu entwickelten Technologien entdecken sie eine kasernenartige Anlage mit einer kleinen Trainingsarena, Unterkünften, Küchen, Bädern und einem Friedhof. Was die Forscher hier fanden, überstieg ihre größten Erwartungen: Es ist die erste Gladiatorenschule, die jemals außerhalb Roms entdeckt wurde. Und tatsächlich: Bei Grabungen finden sie das Loch, in dem der Palus verankert war – ein Holzpfahl, das wichtigste Trainingsgerät in der Gladiatorenausbildung, dazu eine Metallschuppe von einem Gladiatorenpanzer, Geflügelknochen und ein Grab mit einer wertvollen Grabbeigabe.

Franz Humer, der Leiter des Archäologischen Parks Carnuntum, ließ die Trainingsarena der Gladiatorenschule mit Originalwerkzeugen und Originalwerkstoffen aus der Zeit der Römer nachbauen. Nun können die Trainingsmethoden der Gladiatoren genau erforscht werden – wie sie kämpften, wie sie lebten und wie sie zu tödlichen Kampfmaschinen ausgebildet wurden. Der Historiker Marcus Junkelmann räumt mit vielen gängigen Klischees auf: Gladiatoren waren zwar aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgeschlossen, aber dennoch die Stars ihrer Zeit. Ihre Auftritte waren kein wildes Gemetzel, sondern streng reglementierter Kampfsport.

Nicht alle Gladiatoren waren Gefangene oder Sklaven, manche meldeten sich freiwillig. Auf sie wartete eine beinharte Ausbildung, möglicherweise der Tod, aber auch die Hoffnung auf Ruhm, Ehre und Geld. Die Gladiatoren wurden von eigenen Trainern instruiert, hatten die beste medizinische Versorgung. Es gab eine Therme in der Gladiatorenschule und die Kämpfer hielten eine strenge Diät. Knochenfunde aus Ephesus bringen dazu neue Erkenntnisse. Fabian Kanz von der Abteilung Forensische Anthropologie der Medizinischen Universität Wien sieht in ihnen ein wertvolles Archiv, in dem zahlreiche Informationen über die Lebensweise der Gladiatoren gespeichert sind. Gladiatoren ernährten sich hauptsächlich von Hülsenfrüchten oder Gerste.

Aus all diesen Puzzlesteinen erwächst das fiktive Bild von Atticus, einem Nordafrikaner, der in Carnuntum unter den strengen Augen des Lanistas, des Leiters der Gladiatorenschule, seine Ausbildung zum Gladiator erhält. Atticus durchläuft alle Stadien des Trainings, bewährt sich und avanciert zum bewunderten Star, der männliche, aber auch weibliche Fans um sich schart. Nun ist er ein wertvoller Besitz seines Lanistas, eine „Cashcow“ im Gladiatorenzirkus. Seine Kämpfe finden jetzt in der großen Arena in Carnuntum statt – unter dem Jubel der Massen. Doch seinen letzten Kampf überlebt er nicht. Es könnte seine Grabstätte sein, die neben der Gladiatorenschule entdeckt wurde – bezahlt von einer reichen Bewunderin, die ihm zum Abschied eine wertvolle vergoldete Fibel als Geschenk für die Götter mit ins Grab legte.

Das Autorenteam Klaus Feichtenberger, Heinrich Mayer-Moroni und Klaus T. Steindl, der auch Regie führte, entwickelte eine packende Story, die den aufsehenerregenden Fund der Gladiatorenschule mit fiktionalen Elementen verbindet. Die Geschichte von Atticus und seinen Kameraden berührt und geht unter die Haut. Gedreht wurde an den Originalschauplätzen in Carnuntum, in der rekonstruierten Trainingsarena. Hier konnten Kamera, Kostüm, Maske, Ausstattung und vor allem die Darsteller den Spirit der Kämpfer unmittelbar einfangen. Die aufwendigen Reenactments und Animationen lassen Carnuntum wiederauferstehen. Waffen, Ausrüstungen und Kampfstile der Gladiatoren wurden bis ins letzte Detail rekonstruiert. Die französische Truppe Acta beschäftigt sich seit Jahren damit, Gladiatorenkämpfe zu erforschen und sie praktisch zu erproben. Bei den Dreharbeiten arbeiteten sie „ohne Netz“ – die Kämpfe vor der Kamera waren echt, wenn auch nicht mit scharfen Klingen, und geben in Slow Motion Einblick in die Kampftechniken der Gladiatoren.

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