Innsbruck (OTS) Wieder einmal hat Donald Trump mit unbedachten Worten Freund und Feind in Aufruhr versetzt. Was er damit erreichen will, bleibt vorerst unklar. Aber er dürfte die Welt nicht sicherer gemacht haben.

Es wird wohl keinen Atomkrieg in Ostasien geben. Dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un geht es um Machterhalt. Er kalkuliert, dass der Besitz von Atomwaffen diesem Zweck dient. Sollte er aber eine einsetzen, wäre das sein Untergang. Auf der Gegenseite darf man von einer Demokratie unserer Tage erwarten, dass sie schon aus humanitären Gründen auf einen nuklearen Angriff verzichtet. Abgesehen davon wären die Folgen unkalkulierbar – was übrigens auch für einen konventionellen Angriff auf Nordkorea gilt. Was also treibt Donald Trump, im Golfklub von einem Atomkrieg zu phantasieren und damit die Welt in Aufruhr zu versetzen?
Bei anderen US-Präsidenten könnte man davon ausgehen, dass einer Drohung gegen ein Land umfangreiche Beratungen vorausgehen. Der Nationale Sicherheitsrat, der Außen- und Verteidigungsminister und andere würden mitreden, Kongresspolitiker und Verbündete würden konsultiert. Aber bei Donald Trump kann man nicht davon ausgehen. Er hat mehrfach seine engsten Mitarbeiter verblüfft und konterkariert. Musste er mal ventilieren, nachdem er von den jüngsten rüstungstechnischen Fortschritten der Nordkoreaner gehört hatte? Wollte er von seinen anderen Problemen ablenken? Oder meinte er, den Druck auf die Chinesen erhöhen zu müssen, wie manche Trump-Auguren mutmaßen? Der Zeitpunkt dafür erscheint jedenfalls unpassend. Denn seine UNO-Botschafterin und sein Außenminister hatten gerade die diplomatischen Bemühungen neu angekurbelt. Ob Trumps Drohung mit „Feuer, Wut und Macht“ dabei hilft, darf bezweifelt werden. In Asien soll es noch mehr als im Westen darum gehen, nicht das Gesicht zu verlieren. Und über all dem schwebt die Gefahr, dass der Krieg der Worte außer Kontrolle gerät und irgendwann doch Taten folgen, die eigentlich niemand wollte.
Natürlich liegt das Problem zunächst bei Kim, der unter ständigem Bruch des Völkerrechts an Atomwaffen bastelt und verbal damit herumfuchtelt. Aber mit Trump scheint sich nun erstmals ein US-Präsident auf diese Provokation einzulassen. Auch in Washington halten das die meisten Außenpolitiker für riskant oder fahrlässig. Schon schwärmen die Beschwichtiger aus. Der Präsident habe nur „die unbestreitbaren Fähigkeiten der USA“ klarmachen wollen, interpretierte der frisch desavouierte Außenminister. Und er empfahl, die Amerikaner sollten nachts ruhig schlafen. Das stimmt vielleicht, was Nordkorea betrifft. Aber nicht unbedingt, was die weltpolitische Zuverlässigkeit ihres Präsidenten angeht.

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