Innsbruck (OTS) Das Magazin Forbes hat Russlands Präsident Wladimir Putin soeben zum mächtigsten Menschen erklärt. Die weltpolitischen Schlagzeilen klingen wie eine Bestätigung: Putin soll den Cyber-Angriff auf die US-Wahl dirigiert haben. Er soll die Evakuierung der Rebellen aus Ost-Aleppo angeordnet haben. Zeitgleich rangen die Teilnehmer am EU-Gipfel um das Verhältnis zu Russland, während Putin selbst einen als historisch titulierten Besuch in Japan absolvierte.
Der Kremlchef verdankt seine Hauptrolle auf der Weltbühne vor allem seiner Entschlossenheit, Krieg zu führen. Als autoritärer Machthaber ist er dabei weniger Beschränkungen unterworfen als die Lenker liberaler Demokratien. Selbst viele Kritiker Putins verweisen auch auf sein Gespür für Schwächen seiner Gegner sowie auf sein taktisches und strategisches Geschick. Darüber wird die Zukunft urteilen, wenn die langfristigen Folgen seiner Politik für sein Land deutlich werden. Doch zunächst einmal hat er sich in der Ukraine und in Syrien durch eine militärische Intervention zu einem Faktor gemacht, den niemand übergehen kann. Das bedarf keiner besonderen Gerissenheit, sondern es handelt sich um ein Instrument klassischer Großmachtpolitik.
Putins Russland kämpft dabei nicht allein mit konventionellen Mitteln wie derzeit in Syrien, sondern demonstriert zugleich die Kriegsführung des 21. Jahrhunderts. Die Kombination aus Desinformation und Spezialkommandos ohne Hoheitsabzeichen in der Ukraine wurde als hybrider Krieg bekannt; er hat Russlands Nachbarn das Fürchten gelehrt. Und das Hacking zugunsten von Donald Trump, sofern die Vorwürfe stimmen, bedeutet einen Cyber-Angriff auf die demokratischen Institutionen eines anderen Staats; das alarmiert auch europäische Länder, in denen nächstes Jahr Wahlen anstehen.
Der überrumpelte Westen hat noch keine Antwort auf Putins aggressive Entschlossenheit gefunden. Die einen befürworten seine Einbindung – frei nach dem Motto: Man muss sich nun einmal mit jenen verständigen, die das Sagen haben. Die anderen fordern, Putin in die Schranken zu weisen – frei nach dem Motto: Nur Sanktionen und Abschreckung können das Kalkül des Kremlchefs verändern.
In jedem Fall allerdings bleibt dieser im Zentrum internationaler Befürchtungen und Hoffnungen. Das bewundert nicht allein der gewählte US-Präsident. Putin darf wohl schon jetzt als einer der Titelanwärter für die nächstjährige Forbes-Liste gelten.

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