Innsbruck (OTS) Arbeiterkammerpräsident Zangerl weiß, wie politisch über die Bande gespielt wird. Deshalb nimmt er LH Platter gegen-über der türkis-blauen Bundesregierung in die Pflicht. Weil Platter ein starker Landeschef sein möchte. Auch gegen Wien.

Von Peter Nindler
An der niedrigen Wahlbeteiligung von 33,6 Prozent bei der AK-Wahl hatte Tirols Kammerpräsident Erwin Zangerl (ÖVP) wohl selbst am meisten zu kiefeln. Trotz seines überlegenen Triumphs. Dass just ÖVP-Parlamentsklubchef August Wöginger jetzt den ÖVP-Arbeitnehmern, deren Chef er bekanntlich ist, in die Parade fährt, verblüfft eigentlich. Zweifelt er doch den Vertretungsanspruch der AK an. Würde er das bei den Wahlen zum Europaparlament, bei denen zuletzt in Tirol nur 35,5 Prozent zu den Urnen gingen, oder bei der Wirtschaftskammerwahl (35 Prozent) ebenfalls tun? Mitnichten, schließlich steckt hinter Wögingers Feststellungen eine wohldurchdachte Strategie.
Nach der Sozialversicherungsreform im Vorjahr soll der Einfluss der Interessenvertretung weiter zurückgedrängt werden. Mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg ist die Arbeiterkammer ja rot und wegen der aufmüpfigen Schwarzen im Westen wird ein Kollateralschaden gern in Kauf genommen. Freilich zählen dazu auch die hiesige Tiroler Volkspartei und Landeshauptmann Günther Platter im Besonderen. Deshalb hakt Zangerl bewusst hier ein und packt seine Tiroler Parteikollegen bei ihrer politischen Ehre. Denn wie lange will sich der bei Sonntagsreden so „muskelbepackte Föderalist“ Platter von Wien sagen lassen, wo es in Tirol langgeht? Wie stolz war der Landeshauptmann noch vor Kurzem auf seine gemeinsame Schule mit Differenzierungen und wie politisch handzahm agiert er jetzt gegenüber der türkis-blauen Bundesregierung in bildungspolitischen Fragen? Bei der längst überfälligen und von der Wirtschaft vehement geforderten HTL in Reutte wird sogar schon über eine Klasse ab dem Schuljahr 2020/21 gejubelt. Na bravo.
Zugleich benötigt Platter den kratzbürstigen Zangerl – und das weiß der Arbeiterkammerpräsident nur zu gut. Die Nagelprobe ist das leistbare Wohnen. Kompromisse wird Zangerl nur dann akzeptieren, wenn ihn Platter ebenfalls gegenüber Wien unterstützt. Das heißt, keiner Kürzung der AK-Pflichtbeiträge zustimmt. Bei der Spitalsreform hat der AK-Chef schon seine Krallen gezeigt. Das Signal des in der Bevölkerung populären Arbeitnehmerpolitikers an Platter ist damit klar: Es ist gescheiter, Zangerl mit im Boot zu haben.
Letztlich geht es auch um politische Eitelkeit. Man darf gespannt sein, wie lange sich Platter noch mit Hilfe seiner handaufhebenden ÖVP-Nationalräte den Föderalismus in Tirol – von den Kammern bis zu den Kassen – aushebeln lässt. Schließlich will er ein starker Landeshauptmann sein. So wie Zangerl ein mächtiger AK-Präsident.

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