Innsbruck (OTS) Sebastian Kurz ist Tadel gewöhnt – von Polit-Konkurrenten. Das kümmert ihn nicht. Er tut es als das übliche Gesudere von Oppositionellen ab.
Nun gibt es erstmals Kritik an den Regierenden aus den schwarzen Reihen. Nicht nur von Arbeiterkämmerern wie Erwin Zangerl und Gewerkschaftern wie Paul Kimberger; auch ÖVP-Landeshauptleute äußern sie öffentlich.
Tirols Günther Platter beklagt die Vorgangsweise von Kanzler & Co. in Sachen 12-Stunden-Arbeitstag („So überfallsartig ist es nicht gut, das führt zu Verunsicherungen“). Oberösterreichs Thomas Stelzer und Vorarlbergs Markus Wallner missfallen die Kinderbetreuungspläne der Koalitionäre im Bund („Das ist so nicht umsetzbar“, „Politik auf Augenhöhe sieht anders aus“). In der „alten“ ÖVP waren derlei Töne aus den Ländern in Richtung Parteiobmann Usus. Angesichts der Verfasstheit der „neuen Volkspartei“ sind sie bemerkenswert. Bis dato ist Kurz nur gelobt worden. Dass jetzt auch Gegenteiliges zu hören ist, rührt daher, dass er das macht, womit er bis nach den Landtagswahlen im heurigen Frühjahr zugewartet hat. Kurz und die Seinen beginnen mit Reformen, die vielen weh tun werden. Geht es um Neuerungen, die die Ländervertreter vor allem finanziell unmittelbar berühren oder ob derer sie Ingrimm von Funktionären und Wählern spüren, ist Schluss mit Kadavergehorsam und bedingungsloser Loyalität. Da ist den Landeshauptmännern nach wie vor das Hemd näher als der Rock.
Kurz ist schlecht beraten, die Bedenken von Platter & Co. ebenso zu ignorieren wie die Proteste von Arbeitnehmervertretern. Ernst nehmen sollte er sie. Wird auch über die Landeshauptleute „drübergefahren“, könnte die Heiligenverehrung enden. Spätestens dann, wenn die Umfragewerte für den Regierungschef nicht mehr in lichten Höhen sind, weil Bürger die „Veränderung“ nicht mehr beklatschen.
Kurz mag sich ob des Hypes um ihn politisch unverwundbar wähnen. Es gilt aber auch in seinem Metier: Hochmut kommt mitunter vor dem Fall.

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