Innsbruck (OTS) Ab heute übernimmt Österreich für sechs Monate den EU-Ratsvorsitz. Eine kleine Wunschliste, was es bringen soll.

Jetzt sind wir dran. Ab heute. Österreich wolle die nächsten Monate „Brückenbauer sein“, um die „Spannungen“ in der EU wieder abzubauen, sagte Sebastian Kurz am Samstag bei einer Pressekonferenz. Rhetorisch klingt das gut und vernünftig, gleichzeitig hat dieser Plan angesichts der vielen Problemlagen eher etwas von einer mittlerweile utopisch klingenden Bewusstseinsbildung. Denn wer Brücken baut, der verbindet, und wer verbindet, möchte nach getaner Arbeit sagen können: Wir alle sind verbunden als europäische Bürger! – Von den Kommissären und Politikern ganz oben bis zu den Bürgern unten. Ja, eh.
Leider will dieser Satz nur noch wenigen so richtig locker über die Lippen kommen. Stattdessen blühen überall zunehmend nationale Filterkammern auf, die sich gegeneinander in Stellung bringen. Vor 20 Jahren gab es noch den starken Glauben, dass sich in Europa das westliche Konzept einer offenen, pluralistischen Gesellschaft völlig durchsetzen werde. Stattdessen ist es wieder salonfähig, darüber zu streiten, ob der Begriff „Heimat“ tatsächlich nur ein antiquiertes Wort für Provinz und Enge ist.
Wer aber gerne in einer Mia-san-mia-Mentalität denkt, verbindet sich ungern mit anderen. Auch nicht, wenn es Europäer sind. Weil: Das sind andere. Nicht wir. Dabei sollten wir längst gelernt haben, dass wir in Europa am besten solidarisch existieren. Europa muss schleunigst auch auf den kleinen Fernsehzuschauer eine gute Anziehungskraft ausüben. Dieser muss verstehen lernen, dass es keine einfachen Antworten auf aktuelle Krisen gibt und die EU viel Sinn macht. Von Österreichs EU-Ratsvorsitz sollte diesmal deshalb mehr übrig bleiben als Bilder von Händeschüttlern, undurchsichtigen Besprechungen und Politikern in feschen Anzügen, die Türen teurer Autos zuschlagen.

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