Innsbruck (OTS) Die Nachricht, dass schon bald ein Corona-Impfstoff zur Verfügung stehen könnte, erfreut. Allzu viel Euphorie ist allerdings noch nicht angebracht. Noch sind viele Fragen offen und noch mehr Hürden zu überwinden.

Der Impfstoff wirkt bereits, wenn auch nur auf die Psyche. Der am Montag verkündete Fortschritt bei der Entwicklung einer Impfung gegen SARS-CoV-2 hat nicht nur den Börsen ein vorübergehendes Hoch beschert, sondern auch der Stimmung restriktionsgeplagter Menschen. Denn die Nachricht stärkt die Zuversicht, dass das vermaledeite Coronavirus bezwingbar ist. Dass die Welt, die seit neun Monaten auf dem Kopf steht, sich wieder in Normallage drehen wird.
Diese Aussicht mag sogar den neuerlichen Lockdown eine Spur erträglicher machen. Doch allzu viel von diesem Aufputschmittel sollten wir uns noch nicht zu Gemüte führen. Ein plötzliches Absetzen – etwa bei einer Nichtzulassung oder massiven Verzögerungen bei Zulassung und Auslieferung – könnte den Entzug umso heftiger ausfallen lassen. Am wahrscheinlichsten aber ist, dass uns noch einige Zeit ein Wechselbad der Corona-Gefühle bevorsteht.
Sollten sich die bislang guten Daten von BioNTech bestätigen, stünde in den kommenden Monaten tatsächlich ein hochwirksames Präparat zur Verfügung. Eines, das zudem günstiger und viel schneller produziert werden kann als herkömmliche Vakzine. Eine kleine positive Nebenwirkung hat es noch dazu: Auf des Tirolers Stolz zumindest, ist doch einer der Mitbegründer von BioNTech und Mitentwickler der neuen Technologie ein Absolvent der Uni Innsbruck und ehemaliger Unirat der hiesigen Medizin-Uni: Christoph Huber. Und nicht zuletzt hat sich der US-Pharmakonzern Pfizer, der Partner von BioNTech, etwas Vertrauen in seine politische Unabhängigkeit damit verdient, dass er mit der Verkündung seiner Daten das Ergebnis der US-Wahl abgewartet hat. Eines ist aber auch klar: Etwaige Langzeitfolgen derartiger RNA-Impfstoffe konnten aufgrund ihrer Neuartigkeit noch nie erforscht werden. Noch nicht gelöst ist auch das Logistikproblem bei der Verteilung, muss der Wirkstoff doch bei bis zu minus 70 Grad Celsius aufbewahrt werden. Unbekannt ist weiters, bei welchen Bevölkerungsgruppen BNT162b2 am besten bzw. sichersten wirkt und eingesetzt werden sollte.
Und deshalb: Eine Art von Impfstoff allein reicht nicht aus, um die Pandemie zu beenden. Es benötigt also noch viele gute Nachrichten wie jene vom Montag. Und ein paar weitere Stimmungsaufheller im bevorstehenden und wohl noch sehr trüben Corona-Winter kann die Welt gut gebrauchen. Deshalb bitte mehr davon!

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