Innsbruck (OTS) Die ultimative Rücktrittsforderung an die Konzernspitze durch die Gruppe um Markus Langes-Swarovski markiert einen neuen Höhepunkt im familieninternen Machtkampf. Die Zeit für einen Befreiungsschlag drängt immer mehr.

Dallas und Denver-Clan war früher, heute spielt die Familiensaga in Tirol, und das völlig real und mit drohenden Auswirkungen für Tausende Mitarbeiter. Seit der Gründung des Kris­tallunternehmens durch den böhmischen Einwanderer Daniel Swarovski 1895 hatte es für das Unternehmen mit längst weltweiter Bekanntheit viele glänzende Erfolge gegeben, aber auch schwere Krisen wie etwa in den 1970er-Jahren oder dann später bei der Pleite der Handelskette Zale in den USA.
Einig waren sich die heute über 200 Mitglieder und etwa 75 stimmberechtigten Gesellschafter zwar auch in der Vergangenheit nicht immer. Einen solchen in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Machtkampf, wie er sich seit dem Vorjahr abspielt, gab es im früher oft verschwiegenen Konzern aber so noch nie. Der massive Stellenabbau gerade auch in Wattens, Diskussionen über den Umbau der Strukturen samt möglichem Börsengang bis hin zu den Befürchtungen, dass unter der aktuellen Führung um Robert Buchbauer und Mathias Margreiter die Zentrale in die Schweiz verlagert wird, hatten schon im Vorjahr Belegschaft, Landespolitik und auch Teile der Familie aufgerüttelt – und dazu als Folge der Corona-Verwerfungen auch ein massiver Verlust und der Ausfall der früher üppigen Dividende.
Klar ist: Der Konzern, der schon vor der Corona-Krise mit extremer Billigkonkurrenz etwa durch chinesische Kristallkomponenten zu kämpfen hatte, muss seine Strukturen kräftig umbauen und auch sparen, wenn er sich nicht um die Eigenständigkeit und sogar in Existenzgefahr bringen will. Und verkrustete familiäre Entscheidungs-und Machtstrukturen des Swarovski-Clans hätten längst geändert gehört.
Das Wie allerdings ist höchst umstritten, wie der auf offener Bühne und mit Millionenklagen juristisch geführte Streit mit der sich ausgebootet fühlenden Familiengruppe Manfred zeigt. Neuer Höhepunkt ist aber zweifellos der Brief einer Gruppe rund um die zwei größten Gesellschafter Markus Langes-Swarovski und Marina Giori-Lhota an die Gesellschafter, in der sie ultimativ den Rückzug von Buchbauer und Margreiter von der Unternehmensspitze noch heuer und die Einsetzung von familienunabhängigen Managern verlangen (die TT berichtete exklusiv). Zumal das ja auch die Gruppe um Industrie-Präsident Christoph Swarovski fordert, sind die Tage Buchbauers angesichts einer damit wohl gegebenen Zweidrittelmehrheit gegen ihn wohl endgültig gezählt.
Swarovski muss rasch wieder in ruhiges Fahrwasser. Die Verantwortung für das Erbe des Gründers Daniel Swarovski mit Wattens als „Herz und Hirn“ haben Familienmitglieder oft genannt. Jetzt gilt es dem mit Mut und Einigungswillen gerecht zu werden.

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