Innsbruck (OTS) Über ein Duell mit FPÖ-Chef Abwerzger kann sich VP-Obmann Mattle nur die Hände reiben. SP-Vorsitzender Dornauer muss aufpassen, nicht aufgerieben zu werden. Die ungeliebte politische Ehe zu dritt ist mathematisch (fast) gesetzt.

Manchmal sitzt der Übermut im Wahlkampfsattel. So sehr die Tiroler ÖVP schwächelt und sich ihr Chef Anton Mattle bisher nicht als Zugpferd etablieren konnte: In der Landeshauptmann/frau-Frage liegt er zwar auf einem für schwarze Verhältnisse bescheidenen Niveau, aber trotzdem deutlich vor seinen MitbewerberInnen. Gleichzeitig kann Mattle wahlkampfstrategisch nichts Besseres passieren, als dass ihn FPÖ-Obmann Markus Abwerzger zum Duell um den Landeshauptmann-Sessel herausfordert. Weil es die Zweifler und Enttäuschten in der zuletzt arg gebeutelten ÖVP mobilisiert, doch zur Wahl zu gehen und notfalls mit der Faust im Hosensack die Volkspartei zu wählen, statt der (rechten) FPÖ das Feld zu überlassen.
Dieses Feld will SPÖ-Vorsitzender Georg Dornauer keinesfalls Mattle bzw. Abwerzger alleine überlassen. Nach einwöchigem Zaudern hat er regierungstechnisch der FPÖ ebenfalls eine Absage erteilt. Wie es zuvor bereits ÖVP, Grüne, Liste Fritz und NEOS getan haben. Dennoch muss Dornauer höllisch aufpassen, nicht zwischen Schwarz und Blau aufgerieben zu werden. Zumal die Freiheitlichen nichts zu verlieren haben, können sie im Wahlkampf ihr komplettes Anti-ÖVP-Repertoire ausspielen. Dornauer hingegen hat sich bereits festgelegt und strebt nach der Landtagswahl eine Zweierkoalition mit der ÖVP an. Somit kämpft die rote Offensive bis zur Wahl mit einem schwarzen Bremsfallschirm.
Rein rechnerisch werden diese Überlegungen für den Tag danach allerdings abrupt von den Umfragen gebremst. Wie von jener des Gallup-Instituts im Auftrag der TT. Aktuell würde sich eine Zweier-Regierung nämlich gar nicht mehr ausgehen. Da müsste die SPÖ schon kräftig zulegen und die ÖVP die vorausgesagten Verluste erheblich eingrenzen. Die in Teilen der Volkspartei umstrittene und von Dornauer auch nicht angestrebte Dreierkoalition ist derzeit jedenfalls das wahrscheinlichste Szenario. Ob mit den Grünen oder den NEOS.
Eine Regierung gegen die ÖVP scheitert an der SPÖ und dem politischen Nein zur FPÖ. Deshalb gibt es nicht viel Spielraum für die Regierungsbildung und die Landeshauptmann/frau-Frage wird sich letztlich für keine andere Partei außer die Volkspartei stellen. Diesmal zwingt jedoch ausschließlich die Mathematik die Parteien nach dem 25. September an einen Tisch und nicht, was im Vorfeld von ihnen gewünscht oder ausgeschlossen wird. Vor viereinhalb Jahren konnte sich Landeshauptmann Günther Platter seinen Koalitionspartner noch aussuchen und Bedingungen festzurren. Das dürfte Geschichte sein wie so viele Selbstverständlichkeiten in der Tiroler ÖVP.

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