Innsbruck (OTS) Seit Langzeitlandeshauptmann Eduard Wallnöfer fehlt dem Bauernbund innerhalb der Tiroler Volkspartei der Kapellmeister. Aber als Königsmacher für die Landeshauptleute geben die ÖVP-Bauern nach wie vor den Ton an.

Im Machtgefüge der Tiroler Volkspartei spielt der Bauernbund eine zentrale Rolle. Das wird auch so bleiben. Denn der strukturelle Wandel in der Tiroler Gesellschaft hat den innerparteilichen Einfluss der Bauern bisher nicht geschwächt. Allerdings verändert. Ohne sie kommt aus der ÖVP-Trompete nach wie vor nur ein schwacher politischer Ton heraus, aber der Bauernbund hat schon lange keinen Kapellmeister mehr. Als Königsmacher spielen die ÖVP-Bauern jedoch alle Stückln. Mit ihrer Mobilisierungskraft machen sie in der ÖVP Landeshauptleute und sichern gleichzeitig ihre Klientel ab. Deshalb ist die Interessenpolitik in der Landwirtschaftskammer eng verknüpft mit der parteipolitischen. Engmaschiger als in der Wirtschafts- oder Arbeiterkammer. Dort sind es nämlich die Präsidenten selbst – ob seinerzeit in der AK Fritz Dinkhauser oder jetzt Erwin Zangerl –, die ihre Machtposition in der ÖVP ausspielen. Bei den Landwirten ist es hingegen der Bauernbundobmann, nicht der Kammerchef. Dass Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger wahrscheinlich Josef Geisler als Bauernbundobmann und Agrarlandesrat beerben wird, machte die heurige Kammerwahl jedoch um eine Facette interessanter. Die Wahlbeteiligung konnte in schwierigen Corona-Zeiten in etwa gehalten werden, die mehr als dominante Hegemonie des Bauernbunds ebenfalls. Wenngleich mit deutlichen Verlusten, vor allem die Konkurrenz und der Protest aus den eigenen Reihen mit dem Unabhängigen Bauernverband schmerzen. Das muss der Kronprinz im Bauernbund, Josef Hechenberger, erst einmal verdauen, denn das einst unerschütterliche bäuerliche Motto „Zamhalten“ hat Risse bekommen. Ursachenforschung statt breiter Brust ist vorerst angesagt. Natürlich wird jetzt schöngeredet, unterm Strich lässt sich ein Minus freilich keinesfalls wegdiskutieren. Das muss auch Bauernbundobmann Geisler schlucken. Trotzdem.
Bildet Landeshauptmann Günther Platter sein Regierungsteam um, wird Geisler jedenfalls ein gewichtiges Wort mitreden. Ob noch für sich, schon für Hechenberger oder generell für die Zeit nach Platter ist offen. Apropos Platter: Nachdem sich Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser – schlecht beraten – in mehrfacher Hinsicht dermaßen ins Out geschossen hat, werden in der Thronfolge die Karten derzeit neu gemischt. Schließlich hat sich Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck mit ihrem „Kaufhaus Österreich“-Flop gleichfalls aus dem Spiel genommen.

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