Innsbruck (OTS) Anton Mattle hat sich über Nacht festgelegt: Mit dieser FPÖ will er nicht regieren. Wahltaktisch müssen seine Funktionäre gleich zweimal schlucken. Schließlich bringt der ÖVP-Chef auch die parteiinterne ungeliebte Dreierkoalition ins Spiel.

Es gibt gute Gründe, die FPÖ bereits vor der Landtagswahl als möglichen Regierungspartner auszuschließen. Denn besonders in Wahlkämpfen wird die gesellschaftliche Spaltung und Hetze von den blauen Scharfmachern nicht nur gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund zum zentralen Programm gemacht. Damit hatte schon Landeshauptmann Günther Platter politisch nichts am Hut, wahltaktisch und strategisch hielt sich der ehemalige ÖVP-Chef jedoch immer alle Regierungs-Optionen offen. Andererseits haben Bauern- und Wirtschaftsbund traditionell wenig Berührungsängste mit den Freiheitlichen.
Dass ÖVP-Landeshauptmannkandidat Anton Mattle das Platter-Prinzip plötzlich verlässt, überrascht. Wohl auch seine Parteifreunde. Der Wirtschaftslandesrat tickt allerdings ähnlich wie Platter. Die Absage an eine Regierung mit der FPÖ, die ohnehin niemand für sehr wahrscheinlich gehalten hätte, entspricht freilich Mattles Haltung. Und seiner Weltanschauung. Zurück kann er nicht mehr, sein Mitte-links-Regierungskurs ist gesetzt.
Damit weiß die Bevölkerung, was sie von Mattle erwarten kann. Die Medien wiederum müssen ihm applaudieren, schließlich sind sie es ja, die bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit die Koalitionsfrage stellen – und jetzt eine Antwort darauf erhalten haben. Die Freiheitlichen werden es dankbar aufnehmen, einen Lagerwahlkampf befeuern und noch eindringlicher vor einem „extremen Linksruck“ innerhalb der ÖVP warnen. Dort dürften einige schlucken, trotzdem zähneknirschend Mattles Vorpreschen akzeptieren. Was bleibt ihnen anderes übrig, wollen sie ihren Spitzenkandidaten nicht bloßstellen und damit schwächen.
Erstmals, und das scheint die Flucht nach vorne zu sein, um die Selbstbeschränkung der Koalitions-Varianten abzuschwächen, bringt Mattle eine Landesregierung aus drei Parteien ins Spiel. Um sich gegebenenfalls nicht völlig den Sozialdemokraten auszuliefern und einer neuen politischen Realität in Tirol vorzubauen, sollte sich eine Zweierkoalition nach dem 25. September gar nicht mehr ausgehen. Beweist Mattle damit Führungsstärke? Vielleicht. Bisher hatte man nämlich eher den Eindruck, der ÖVP-Chef ist mehr Passagier denn Steuermann. Mit seinem klaren Nein zu den Freiheitlichen und Mut für etwas Neues – beispielsweise mit Grünen und NEOS oder SPÖ, Grünen bzw. NEOS zu dritt zu regieren – könnte Mattle aus den festgefahrenen politischen Mustern in Tirol ausbrechen. Nur: Die Vorbehalte gegenüber einer Dreierkoalition sind in der von Bünden dominierten Tiroler Volkspartei groß. Deshalb müsste Mattle vor allem seine Partei davon überzeugen, weniger die Bevölkerung.

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