Innsbruck (OTS) Für die Universitäten benötigt es einen langfristigen Öffnungsplan, keine Schnellschüsse am Ende des Semesters. Und eine kritische Aufarbeitung der studentischen Situation in Innsbruck sowie von drei Semestern Fernstudium – ohne Tabus.

Das Corona-bedingte Dilemma an den heimischen Universitäten findet in der aktuellen Öffnungsdebatte kaum Berücksichtigung. Es wird schlicht in den Hintergrund gedrängt, weil die Studierenden nicht wie die großteils minderjährigen Schüler betreut werden müssen und sich im Bildungsbereich zuletzt fast alles auf die Schulen konzentriert hat.

Doch gerade an den Hoch- und Fachhochschulen werden die Reibungspunkte und das gesamte Ausmaß der Corona-Krise durchgreifend sichtbar: von einem holprigen Fernstudium, wenn Professoren das „Home-Office“ einfach zu wörtlich nehmen, über die finanzielle Dimension mit fehlenden Zuverdienstmöglichkeiten für die Studierenden bis hin zu einem nicht mehr leistbaren Wohnungsmarkt in Innsbruck. Darüber hinaus haben viele Studenten die Uni seit drei Semestern nicht mehr von innen gesehen, die Lernbedingungen sind schwierig und die sozialen Kontakte müssen ebenfalls unterbleiben.
Jetzt hat die ÖVP-Abgeordnete Sophia Kircher mit einem interessanten Satz aufhorchen lassen: Es sei besonders wichtig, dass Universitäten und Fachhochschulen wieder „fit“ für die Präsenzlehre werden, meint sie. Da hat sie tatsächlich Recht. Doch der an der Universität Innsbruck geplante „Hybrid“-Modus mit Präsenzlehre und virtuellem Studium geht höchstwahrscheinlich an der Realität und der vorhandenen Infrastruktur vorbei. Mit Testen alleine lässt sich nämlich die Rückkehr zu einer „neuen Uni-Normalität“ nicht aus dem Boden stampfen; vor allem nicht, wenn ein Teil der Studenten gar nicht in Innsbruck präsent ist. Weil sie sich wegen der vielen Unsicherheiten die Miete für ihre Unterkünfte sparen wollten. Nachvollziehbar, aber ein Problem mit und ohne Corona. Die Pandemie hat es allerdings deutlich verschärft.
Da passt einiges in den Überlegungen der Universitätsführung nicht zusammen. Warum nicht – ohne zeitlichen Stress – fit werden für das kommende Wintersemes­ter? Zugleich benötigt es ein Aufarbeiten der vergangenen eineinhalb Jahre. Wie hat das „Distanz-Studium“ funktioniert, waren Professoren und Studenten digital fit, welche Notfallpläne gibt es für die Zukunft? Fragen, die zu beantworten sind, wie auch das „Home-Office“ außerhalb der Professorenzimmer. Gerade die Universitäten dürfen nicht tabuisieren, sondern müssen sich vertiefend damit befassen.
Studenten benötigen eine Perspektive, dazu reicht aber die Rückkehr in den Hörsaal alleine nicht aus. Schön wär’s. Wer jetzt noch das Sommersemester retten möchte, verliert das Studienjahr 2021/2022 aus den Augen.

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